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Dienstag, 24. April 2012
Ballett
ustrarisa, 23:17h
Neulich las ich eine kleine Anzeige über Ballett für Fortgeschrittene. Nicht weit von uns sollte das sein. Also dachte ich mir, das wolltest du doch immer schon mal machen und rief dort an. Es war kinderleicht, einen Termin für die nächste Übungsstunde zu bekommen und ich sah mich schon mit anderen Gleichgesinnten, die früher auch nie Ballett erlernen durften, zu eleganten Schwänen heranwachsen. Das ist das Gute an unserer Zeit, man nimmt uns Ältere auch ernst. Wir haben eine Chance!
Bei einer Sendung von „Das Supertalent“ war ich unglaublich erstaunt, dass sogar Omis und Opis super Leistungen im Sport hinlegen konnten, die auch erst im fortgeschrittenen Alter begonnen hatten. So sollte es auch bei mir sein!
Nachdem ich nun fest entschlossen war und die erste Unterrichtsstunde näher rückte, drückte mich die Sorge um die Ballettkleidung. Was sollte ich anziehen? Toll hätte ich mich in einen Tutu gefunden, aber wollte mich nicht lächerlich machen. Das zog man schließlich nur bei Vorstellungen an. Außerdem wäre meine Figur auch dem nicht mehr so gewachsen gewesen. Ich besorgte mir Leggins und ein weites T-Shirt, alles in schwarz, damit es mich schlanker macht. Man muss ja nicht gleich schlecht auffallen! Nur die Schuhe waren ein Problem. Ich fand keine in meiner Größe oder die mir gefielen. Nach ewigen Hin- und Her-Rennen erstand ich ein Paar übers Internet und sie kamen noch rechtzeitig an. Gut, ich sah gar nicht so schlecht aus. Nur die Wülste über den Hüften waren nicht so angenehm. Ein kleines bisschen Presswurstcharakter hatte ich schon! Aber vielleicht war ja im Ballettsaal nicht so kreischendes Licht! Wenn nicht, dann sind wir Frauen schließlich unter uns, wem wollte ich da schon gefallen, nur mir selbst.
Gesagt, getan und ich stand vor dem großen Altbaugebäude. Aha! Das passte zum Ambiente und zu meinen Vorstellungen. Ich brauchte auch keine Treppen laufen, ich stand schon bald vor der Tür des Etablissements. Als ich durch die angelehnte Tür kam, zeigte mir nach ein paar Fragen meinerseits eine nette Dame, wo ich mich umkleiden könne und führte mich dorthin. Sie schien Russin zu sein, denn ihren Akzent kannte ich aus meinem DDR-Vorleben. Rusinnen waren gut, die haben ihre Kunst von der Pike auf gelernt und das gefiel mir besonders. Sie musterte mich allerdings genau und etwas merkwürdig, was mich ein klein wenig unruhig machte. In dem Raum befanden sich auch noch andere Mitstreiter, aber alle so um die vierzehn fünfzehn Jahre alt. Sicher eine andere Gruppe. Sie unterhielten sich angeregt und ich lauschte ihnen gern. Dieses Gewisper um die Figuren und Probleme des Balletts! Bald sollte ich auch dazu gehörten. Natürlich werde ich nie mehr so elegant sein können, wie diese schönen und gerade gewachsenen Mädchen, aber einen kleinen Hauch des Schönen erwische ich auch noch.
Wo waren nur die Fortgeschrittenen? Wahrscheinlich tanzte die Gruppe meines Alters schon im Ballettsaal. Hatte ich mich denn verspätet? Macht nichts, ich konnte immer noch den Neukundenbonus ausschöpfen. Also eilte ich hinaus über den Flur und switschte leise und unauffällig in den Saal. Genau in dem Moment brach die Musik ab und ich stand im Mittelpunkt von lauter schlanken, geraden und schönen Mädchen von ungefähr sechzehn Jahren!!!
Ich war hier falsch! Erst fand ich meine Sprache nicht mehr und dann kam sie mit lauter „Ähms“ und ähnlichen Gedankenrülpsern. „Ähm, ich will eigentlich zu den Fortgeschrittenen !“, meinte ich dünn.
„Ja, da sind sie hier richtig! Aber meinen Sie, dass das ihre Vorstellung ist?“ Sie ließ mich gar nicht antworten und fing gleich an, den kichernden Mädels Anweisungen zu geben. Leider war alles auf Französisch und das kann ich hier nicht wiedergeben. Die Mädchen begaben sich zu der Ballettstange an der verspiegelten Wand. Langsam und gleichmäßig beugten sie ihre Arme nach vorn, verdrehten ihre Beine wie Frösche und hoben das linke Bein leicht und elfengleich in die Waage. Alles war synchron und ich war begeistert. Was die schon konnten!
„Und nun kommen Sie zu uns und zeigen uns die ersten vier Positionen!“ Ihre Stimme war leicht erhöht und sie zeigte auf mich. Wie, was, ich? Was sollte das? Doch ich kam mit meinen chaotischen Überlegungen nicht sehr weit, denn die gute Frau kam angeschwebt und zog mich zur Stange. „Nün, seien Sie doch nischt so schüchtern! Sie aben uns noch nischts geseigt!“ Hatte sie nun einen russischen oder französischen Akzent? Ich war verwirrt. Ich hatte mich widerstandslos zur Stange ziehen lassen und sollte nun die „Positionen“ zeigen. Ich stand verdattert da. Sie machte mir die erste Position vor.
Die gingen hier aber gleich zu Sache! Ich versuchte es nachzumachen, taumelte aber sofort und versuchte krampfhaft mein Gleichgewicht zu halten. Die weiteren Postionen waren leider noch grauenvoller und ich ächzte, als ich mein Bein gerade noch auf die Stange hieven konnte. Weder mein Standbein noch das Bein auf der Stange konnte ich durchdrücken und ich quietschte, als ich es versuchte. Ein vielstimmiges Gelächter erfüllte den Raum. Wie sollte ich das je so elegant hinbekommen? Ich sah in den Spiegel und entdeckte einen etwas unförmigen schwarzen Raben mit hochrotem Gesicht….ich! Sofort nahm ich mein Bein wieder runter und rief: „Ich wollte eigentlich zu den Fortgeschrittenen, nicht zu den jungen Mädels! Wo muss ich denn da hin?“
„Wie meinen Sie das?“, fragte die Ballettlehrerin erstaunt. „Das sind die Fortgeschrittenen! Das sagte ich Ihnen schon!“ Ein wenig nachdrücklicher als geplant erwiderte ich: „Ich meinte die Frauen in meinem Alter, also im fortgeschrittenen Alter. Diese Fortgeschrittenen!“ In dem Moment als ich es aussprach, war mir plötzlich mein Fehler bewusst. Ein weiteres Gelächter verfolgte mich bis ich das Haus verließ. „Dumme Gänse!“
Man hat mich dort nie wieder gesehen, aber ich werde sicher ein spaßiges Opfer zum Erzählen der Lehrerin bleiben. Hoffentlich erkennt mich keine der Mädchen irgendwo auf der Straße! Jetzt übe ich zu Hause und bin schon echt ganz gut. Doch es wird geheim bleiben!
Bei einer Sendung von „Das Supertalent“ war ich unglaublich erstaunt, dass sogar Omis und Opis super Leistungen im Sport hinlegen konnten, die auch erst im fortgeschrittenen Alter begonnen hatten. So sollte es auch bei mir sein!
Nachdem ich nun fest entschlossen war und die erste Unterrichtsstunde näher rückte, drückte mich die Sorge um die Ballettkleidung. Was sollte ich anziehen? Toll hätte ich mich in einen Tutu gefunden, aber wollte mich nicht lächerlich machen. Das zog man schließlich nur bei Vorstellungen an. Außerdem wäre meine Figur auch dem nicht mehr so gewachsen gewesen. Ich besorgte mir Leggins und ein weites T-Shirt, alles in schwarz, damit es mich schlanker macht. Man muss ja nicht gleich schlecht auffallen! Nur die Schuhe waren ein Problem. Ich fand keine in meiner Größe oder die mir gefielen. Nach ewigen Hin- und Her-Rennen erstand ich ein Paar übers Internet und sie kamen noch rechtzeitig an. Gut, ich sah gar nicht so schlecht aus. Nur die Wülste über den Hüften waren nicht so angenehm. Ein kleines bisschen Presswurstcharakter hatte ich schon! Aber vielleicht war ja im Ballettsaal nicht so kreischendes Licht! Wenn nicht, dann sind wir Frauen schließlich unter uns, wem wollte ich da schon gefallen, nur mir selbst.
Gesagt, getan und ich stand vor dem großen Altbaugebäude. Aha! Das passte zum Ambiente und zu meinen Vorstellungen. Ich brauchte auch keine Treppen laufen, ich stand schon bald vor der Tür des Etablissements. Als ich durch die angelehnte Tür kam, zeigte mir nach ein paar Fragen meinerseits eine nette Dame, wo ich mich umkleiden könne und führte mich dorthin. Sie schien Russin zu sein, denn ihren Akzent kannte ich aus meinem DDR-Vorleben. Rusinnen waren gut, die haben ihre Kunst von der Pike auf gelernt und das gefiel mir besonders. Sie musterte mich allerdings genau und etwas merkwürdig, was mich ein klein wenig unruhig machte. In dem Raum befanden sich auch noch andere Mitstreiter, aber alle so um die vierzehn fünfzehn Jahre alt. Sicher eine andere Gruppe. Sie unterhielten sich angeregt und ich lauschte ihnen gern. Dieses Gewisper um die Figuren und Probleme des Balletts! Bald sollte ich auch dazu gehörten. Natürlich werde ich nie mehr so elegant sein können, wie diese schönen und gerade gewachsenen Mädchen, aber einen kleinen Hauch des Schönen erwische ich auch noch.
Wo waren nur die Fortgeschrittenen? Wahrscheinlich tanzte die Gruppe meines Alters schon im Ballettsaal. Hatte ich mich denn verspätet? Macht nichts, ich konnte immer noch den Neukundenbonus ausschöpfen. Also eilte ich hinaus über den Flur und switschte leise und unauffällig in den Saal. Genau in dem Moment brach die Musik ab und ich stand im Mittelpunkt von lauter schlanken, geraden und schönen Mädchen von ungefähr sechzehn Jahren!!!
Ich war hier falsch! Erst fand ich meine Sprache nicht mehr und dann kam sie mit lauter „Ähms“ und ähnlichen Gedankenrülpsern. „Ähm, ich will eigentlich zu den Fortgeschrittenen !“, meinte ich dünn.
„Ja, da sind sie hier richtig! Aber meinen Sie, dass das ihre Vorstellung ist?“ Sie ließ mich gar nicht antworten und fing gleich an, den kichernden Mädels Anweisungen zu geben. Leider war alles auf Französisch und das kann ich hier nicht wiedergeben. Die Mädchen begaben sich zu der Ballettstange an der verspiegelten Wand. Langsam und gleichmäßig beugten sie ihre Arme nach vorn, verdrehten ihre Beine wie Frösche und hoben das linke Bein leicht und elfengleich in die Waage. Alles war synchron und ich war begeistert. Was die schon konnten!
„Und nun kommen Sie zu uns und zeigen uns die ersten vier Positionen!“ Ihre Stimme war leicht erhöht und sie zeigte auf mich. Wie, was, ich? Was sollte das? Doch ich kam mit meinen chaotischen Überlegungen nicht sehr weit, denn die gute Frau kam angeschwebt und zog mich zur Stange. „Nün, seien Sie doch nischt so schüchtern! Sie aben uns noch nischts geseigt!“ Hatte sie nun einen russischen oder französischen Akzent? Ich war verwirrt. Ich hatte mich widerstandslos zur Stange ziehen lassen und sollte nun die „Positionen“ zeigen. Ich stand verdattert da. Sie machte mir die erste Position vor.
Die gingen hier aber gleich zu Sache! Ich versuchte es nachzumachen, taumelte aber sofort und versuchte krampfhaft mein Gleichgewicht zu halten. Die weiteren Postionen waren leider noch grauenvoller und ich ächzte, als ich mein Bein gerade noch auf die Stange hieven konnte. Weder mein Standbein noch das Bein auf der Stange konnte ich durchdrücken und ich quietschte, als ich es versuchte. Ein vielstimmiges Gelächter erfüllte den Raum. Wie sollte ich das je so elegant hinbekommen? Ich sah in den Spiegel und entdeckte einen etwas unförmigen schwarzen Raben mit hochrotem Gesicht….ich! Sofort nahm ich mein Bein wieder runter und rief: „Ich wollte eigentlich zu den Fortgeschrittenen, nicht zu den jungen Mädels! Wo muss ich denn da hin?“
„Wie meinen Sie das?“, fragte die Ballettlehrerin erstaunt. „Das sind die Fortgeschrittenen! Das sagte ich Ihnen schon!“ Ein wenig nachdrücklicher als geplant erwiderte ich: „Ich meinte die Frauen in meinem Alter, also im fortgeschrittenen Alter. Diese Fortgeschrittenen!“ In dem Moment als ich es aussprach, war mir plötzlich mein Fehler bewusst. Ein weiteres Gelächter verfolgte mich bis ich das Haus verließ. „Dumme Gänse!“
Man hat mich dort nie wieder gesehen, aber ich werde sicher ein spaßiges Opfer zum Erzählen der Lehrerin bleiben. Hoffentlich erkennt mich keine der Mädchen irgendwo auf der Straße! Jetzt übe ich zu Hause und bin schon echt ganz gut. Doch es wird geheim bleiben!
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Resumé eines verlorenen Tages
ustrarisa, 17:11h
Es gibt Tage, die gehören in keinen Lebenslauf, sind aber trotzdem hartnäckig präsent und scheinen auch gar nicht aufzuhören. So auch gestern!
Als ich müde und zerschlagen meine Quarkbeine aus dem Bett krätschte, hätte ich es lieber bleiben und den Tag überschlafe sollen. Meine elenden Halsschmerzen hatten sich zu einer fetten Bronchitis selbst befördert und die konn...te natürlich nicht ohne Gliederschmerzen auskommen. Als könnte ich die gebrauchen! Kein Ibuprofen in Sicht und der Vorruheständler würde wieder sagen: „Den Schmerz hält man eben ohne aus, ihr seid alle zu verweichlicht!“
Erstens weiß er nicht, wie sich das gerade anfühlt und muss auch nicht das Auto beladen, stundenlang fahren und dann arbeiten. Ich sage ihm das demnächst, wenn ich bei Gelegenheit seine steifen Finger umbiege!
Als ich nach einem weniger herzlichen Abschied im Auto gen Süden, sprich Berlin, presche, blendet mich die Sonne so sehr – die laut Wettervorhersage gar nicht da ist -, dass ich nach meiner Sonnenbrille in meinem Zigeunerrucksack suche. Dort ist mein halber Hausstand drin, ist bitternötig!, aber die Brille, die ich ganz sicher eingepackt hatte, nicht. Ich traute mich auch nicht länger zu suchen, denn der weiße Golf lenkte jede meiner Suchbewegungen mit. Mein schwerfälliger Renault wäre da wohl stabiler gewesen!! Also musste es so gehen. Einen Augenblick später klingelte das Handy und es war die krächzende Stimme des Vorruheständlers. Das konnte nur bedeuten, dass ich etwas Wichtiges vergessen hatte. Na toll! „Die Leine des schwarzen Tiers ist im Auto und…….!“ Ich krähte wütend zurück und legte sofort auf, denn ich bin schon einmal beim Telefonieren ohne Freisprechanlage erwischt worden. Bloß nicht noch einmal!
Das hieß: zurückfahren! Die nächste Ausfahrt war Malchow und ich verlor dadurch Zeit und die Strecke war dadurch vierzig Kilometer länger. In dem klitzekleinen und mir unbekannten Örtchen wollte ich mir gleich noch Ibuprofen kaufen, damit der Tag zu überstehen ist, denn nach Hause hätte ich es nun nicht mehr geschafft. Ich musste direkt zur Arbeit und in meinem Zustand, nein danke! Mitte auf der engen Straße ging plötzlich das Auto aus und ließ sich für eine Weile nicht mehr starten. Schreck! Wie sollte ich von hier weiter kommen? Nicht mal der Vorruheständler konnte mich noch retten, denn das war sein Auto! Mein Sohn war zu weit weg und ich würde nicht mehr pünktlich kommen. Ich spielte in Gedanken alles durch und als die Verzweiflung beinahe ihren Höhepunkt erreicht hatte, sprang es wieder an, als wäre nichts geschehen! Merkwürdig! Lieber nicht zu lange darüber nachdenken! Hauptsache, es passiert nicht noch einmal!
Schnell noch die Ibu genommen und dann aber zurück zur Provinz! Die Leine hing ich an die Tür, leider war die nicht auf, denn der Vorruheständler fürchtet sich ohne mich, und ich musste in den Garten, weil ich nötig musste. Keiner hat es gesehen!
110 km vor Berlin meldete der Bordcomputer, dass der Tank nur noch für 30 km reicht. Meine Haare standen zu Berge, denn der Vorruheständler hatte gesagt, dass er noch bis Berlin reichen würde. Ich hatte mein Portemonnaie in Berlin liegen gelassen, nur glücklicherweise meinen Ausweis dabei. Konnte ich aus dreißig km hundertundzehn herauspressen? Während ich das dachte, klackte die Anzeige schon auf 25 km. Oh mein Gott! Wo ist die nächste Tankstelle? Ich suchte im Bordcomputer nach der nächst erreichbaren und fand sie auch, fuhr ab und stand direkt davor, aber mit der Angst, was ich dem Tankwart sagen solle. Es war zu peinlich! Ich sonderte im Geschäft, ob ich viele neugierige Zuhörer zu beschäftigen hätte, aber ich war allein. Mein Herz klopfte bis zum Hals und ich wäre gern in einem Loch verschwunden, so abgeranzt fühlte ich mich. Der musste doch denken, dass ich so eine Benzinschnorrerin bin! Ein prüfender Blick an mir herunter sagte aber das Gegenteil, entschied ich. Es war ganz einfach, nachdem ich meinen Text herunter gestottert hatte und füllte ein Formular aus. Zum Glück hatte ich ja meinen Ausweis dabei. Die Fahrt konnte weitergehen. In Berlin angekommen bekam ich kurz vor dem Ziel noch einen Anruf, den ich über Lautsprecher annahm. Sicher der Dank vom Vorruheständler. Von wegen! Meine Tochter hatte ihr nagelneues Handy in einem Großraumtaxi vergessen und meinen dahingehenden Text möchte ich hier allen ersparen! Nicht das noch!
Ich kam noch pünktlich an und trotz der Ibu ging es zunehmend schlechter. Aber das konnte ich noch aushalten und auch irgendwann ist auch ein Arbeitstag zu Ende. Auf dem Nachhauseweg schaltete sich das Auto wieder aus und ließ sich nicht starten. Und wieder in einer knallengen Straße, wo keiner an mir vorbei kommen konnte. Ein Motorradfahrer stieg hinter mir ab und ich schilderte ihm die Situation. „Lassen Sie mich einmal probieren!“ Eine Fahrradfahrerin wollte mir sogar beim Schieben helfen, aber ich winkte ab. Sie hätte mich natürlich auch gern nach Hause schieben können! Der Motorradfahrer stieg ein, startete und das Auto sprang sofort wieder an. Es strafte meinen Worten Lügen und der Motorradfahrer musste sich sicher seinen Teil denken. Frauen am Steuer usw.!
Zu Hause angekommen wühlte ich hungrig im Kühlschrank und fand nur noch eine Box mit meinem vergessenen Essen von der vergangenen Woche. Da ich aber Hunger hatte, stülpte ich alles in die Mikrowelle und aß mit einem stoischen Appetit.
Meine ältere Tochter mit ihrem Liebsten kam nach Hause. Vorher war ich ungewohnterweise allein in der Wohnung und es war aufgeräumt! Unglaublich! Irgendwas hatten sie ausgefressen und ich wollte lieber nicht wissen, was!
Meiner Tochter Liebster, ein sehr praktischer Mensch, meinte zu mir: „Soll ich dir was Unangenehmes sagen?“ und schaute mich fragend an. „Nein, sag es mir nicht, mein Limit ist voll!“, dachte ich mir und sagte gequält: „Ja?“
„Dein Fahrrad hat einen Platten! Und zwar hinten!“ Wo auch sonst? Würrrg! Natürlich an dem Hinterrad, wo es am schlechtesten zu beheben ist. Ich entschloss, mich schlafen zu legen, nicht ohne noch einmal den Vorruheständler anzurufen, der aber am Telefon gleich ganz grätig war und ich sofort wieder auflegte. Im Fernseher war auch nichts Gescheites und ich schlief irgendwann gnädigerweise ein.
Wer kann mit einem solchen Tag mithalten?
Als ich müde und zerschlagen meine Quarkbeine aus dem Bett krätschte, hätte ich es lieber bleiben und den Tag überschlafe sollen. Meine elenden Halsschmerzen hatten sich zu einer fetten Bronchitis selbst befördert und die konn...te natürlich nicht ohne Gliederschmerzen auskommen. Als könnte ich die gebrauchen! Kein Ibuprofen in Sicht und der Vorruheständler würde wieder sagen: „Den Schmerz hält man eben ohne aus, ihr seid alle zu verweichlicht!“
Erstens weiß er nicht, wie sich das gerade anfühlt und muss auch nicht das Auto beladen, stundenlang fahren und dann arbeiten. Ich sage ihm das demnächst, wenn ich bei Gelegenheit seine steifen Finger umbiege!
Als ich nach einem weniger herzlichen Abschied im Auto gen Süden, sprich Berlin, presche, blendet mich die Sonne so sehr – die laut Wettervorhersage gar nicht da ist -, dass ich nach meiner Sonnenbrille in meinem Zigeunerrucksack suche. Dort ist mein halber Hausstand drin, ist bitternötig!, aber die Brille, die ich ganz sicher eingepackt hatte, nicht. Ich traute mich auch nicht länger zu suchen, denn der weiße Golf lenkte jede meiner Suchbewegungen mit. Mein schwerfälliger Renault wäre da wohl stabiler gewesen!! Also musste es so gehen. Einen Augenblick später klingelte das Handy und es war die krächzende Stimme des Vorruheständlers. Das konnte nur bedeuten, dass ich etwas Wichtiges vergessen hatte. Na toll! „Die Leine des schwarzen Tiers ist im Auto und…….!“ Ich krähte wütend zurück und legte sofort auf, denn ich bin schon einmal beim Telefonieren ohne Freisprechanlage erwischt worden. Bloß nicht noch einmal!
Das hieß: zurückfahren! Die nächste Ausfahrt war Malchow und ich verlor dadurch Zeit und die Strecke war dadurch vierzig Kilometer länger. In dem klitzekleinen und mir unbekannten Örtchen wollte ich mir gleich noch Ibuprofen kaufen, damit der Tag zu überstehen ist, denn nach Hause hätte ich es nun nicht mehr geschafft. Ich musste direkt zur Arbeit und in meinem Zustand, nein danke! Mitte auf der engen Straße ging plötzlich das Auto aus und ließ sich für eine Weile nicht mehr starten. Schreck! Wie sollte ich von hier weiter kommen? Nicht mal der Vorruheständler konnte mich noch retten, denn das war sein Auto! Mein Sohn war zu weit weg und ich würde nicht mehr pünktlich kommen. Ich spielte in Gedanken alles durch und als die Verzweiflung beinahe ihren Höhepunkt erreicht hatte, sprang es wieder an, als wäre nichts geschehen! Merkwürdig! Lieber nicht zu lange darüber nachdenken! Hauptsache, es passiert nicht noch einmal!
Schnell noch die Ibu genommen und dann aber zurück zur Provinz! Die Leine hing ich an die Tür, leider war die nicht auf, denn der Vorruheständler fürchtet sich ohne mich, und ich musste in den Garten, weil ich nötig musste. Keiner hat es gesehen!
110 km vor Berlin meldete der Bordcomputer, dass der Tank nur noch für 30 km reicht. Meine Haare standen zu Berge, denn der Vorruheständler hatte gesagt, dass er noch bis Berlin reichen würde. Ich hatte mein Portemonnaie in Berlin liegen gelassen, nur glücklicherweise meinen Ausweis dabei. Konnte ich aus dreißig km hundertundzehn herauspressen? Während ich das dachte, klackte die Anzeige schon auf 25 km. Oh mein Gott! Wo ist die nächste Tankstelle? Ich suchte im Bordcomputer nach der nächst erreichbaren und fand sie auch, fuhr ab und stand direkt davor, aber mit der Angst, was ich dem Tankwart sagen solle. Es war zu peinlich! Ich sonderte im Geschäft, ob ich viele neugierige Zuhörer zu beschäftigen hätte, aber ich war allein. Mein Herz klopfte bis zum Hals und ich wäre gern in einem Loch verschwunden, so abgeranzt fühlte ich mich. Der musste doch denken, dass ich so eine Benzinschnorrerin bin! Ein prüfender Blick an mir herunter sagte aber das Gegenteil, entschied ich. Es war ganz einfach, nachdem ich meinen Text herunter gestottert hatte und füllte ein Formular aus. Zum Glück hatte ich ja meinen Ausweis dabei. Die Fahrt konnte weitergehen. In Berlin angekommen bekam ich kurz vor dem Ziel noch einen Anruf, den ich über Lautsprecher annahm. Sicher der Dank vom Vorruheständler. Von wegen! Meine Tochter hatte ihr nagelneues Handy in einem Großraumtaxi vergessen und meinen dahingehenden Text möchte ich hier allen ersparen! Nicht das noch!
Ich kam noch pünktlich an und trotz der Ibu ging es zunehmend schlechter. Aber das konnte ich noch aushalten und auch irgendwann ist auch ein Arbeitstag zu Ende. Auf dem Nachhauseweg schaltete sich das Auto wieder aus und ließ sich nicht starten. Und wieder in einer knallengen Straße, wo keiner an mir vorbei kommen konnte. Ein Motorradfahrer stieg hinter mir ab und ich schilderte ihm die Situation. „Lassen Sie mich einmal probieren!“ Eine Fahrradfahrerin wollte mir sogar beim Schieben helfen, aber ich winkte ab. Sie hätte mich natürlich auch gern nach Hause schieben können! Der Motorradfahrer stieg ein, startete und das Auto sprang sofort wieder an. Es strafte meinen Worten Lügen und der Motorradfahrer musste sich sicher seinen Teil denken. Frauen am Steuer usw.!
Zu Hause angekommen wühlte ich hungrig im Kühlschrank und fand nur noch eine Box mit meinem vergessenen Essen von der vergangenen Woche. Da ich aber Hunger hatte, stülpte ich alles in die Mikrowelle und aß mit einem stoischen Appetit.
Meine ältere Tochter mit ihrem Liebsten kam nach Hause. Vorher war ich ungewohnterweise allein in der Wohnung und es war aufgeräumt! Unglaublich! Irgendwas hatten sie ausgefressen und ich wollte lieber nicht wissen, was!
Meiner Tochter Liebster, ein sehr praktischer Mensch, meinte zu mir: „Soll ich dir was Unangenehmes sagen?“ und schaute mich fragend an. „Nein, sag es mir nicht, mein Limit ist voll!“, dachte ich mir und sagte gequält: „Ja?“
„Dein Fahrrad hat einen Platten! Und zwar hinten!“ Wo auch sonst? Würrrg! Natürlich an dem Hinterrad, wo es am schlechtesten zu beheben ist. Ich entschloss, mich schlafen zu legen, nicht ohne noch einmal den Vorruheständler anzurufen, der aber am Telefon gleich ganz grätig war und ich sofort wieder auflegte. Im Fernseher war auch nichts Gescheites und ich schlief irgendwann gnädigerweise ein.
Wer kann mit einem solchen Tag mithalten?
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