Samstag, 2. Juni 2012
Es lebe der grässliche Alltag oder „Es lebe die Frau!!“
Piep, piep, piep!! Nein, nicht schon wieder!!! Zum 47. Mal laufe ich die siebzehn Stufen zu meiner klagend fiependen Waschmaschine. Und es steht auf der elektronischen Anzeige „Fehler 17.“ Ich hätte nicht übel Lust, das Ding zu zerkloppen, vor Wut, denn ich weiß immer noch nicht, was der verdammte „Fehler 17“ bedeutet. Ich habe die Waschmaschine gebraucht gekauft und das leider ohne Bedienungsanleitung! Meine naive Vorstellung von ehrlichen Leuten ist nun noch mehr geschrumpft. Die Frage nach dem Internet und dass man da für alle Probleme eine Lösung findet, hat sich bei mir nicht bewahrheitet. Es lastet wahrscheinlich ein Fluch auf mir, dass die Ratschläge, die ich anderen geben, bei mir selbst nichts bringen. Ich darf das gar niemanden sagen, sonst leidet vielleicht mein hart erkämpfter Status als der ollen Weisen darunter! „Tja, schadet dir gar nix, wenn du mal wieder an der falschen Stelle sparst“, grummelt dafür gnadenlos mein Unterbewusstsein. Omi Gretchen, meine persönliche, leider verstorbene Weise, sagte ja immer: „Wenn du billig kaufst, kaufst du teuer!“ Habe ich als Kind nie so richtig verstanden, heute weiß ich, was sie damit sagen wollte. Nun ja, ich habe mir zumindest ein neueres Modell der Firma Bosch zugelegt mit guten Effizienzen. Trotzdem, es ist ein gebrauchtes Stück ohne Garantie. Gekauft wie gesehen! Wenn aber das Geld für Qualitätsgarantien fehlt, nimmt man, was man sich leisten kann. Und das war nicht viel und reichte gerade so für dieses Stück Haushaltserleichterung. Zumindest sollte das eine sein. Die Maschine lief anfangs auch noch leidlich, sah gut aus, aber das Waschergebnis war eher bescheiden, trotz guter Bewertungen und lief echt lange. Zurückbringen oder Garantieanmelden ging nicht! Arme Menschen haben oft Fehlinvestitionen, so ist das eben. Wo Tauben sind, da fliegen Tauben zu! So ist das auch mit dem Geld. Leider!
Das Waschen zähle ich nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, ist aber bei meinen vielen Töchtern zwingend notwendig. Ich schiebe es so lange wie möglich auf, aber das geht nur so weit gut, bis keine Unterwäsche und Oberbekleidung mehr übrig ist, die man seinen Schwestern klauen kann. Und keiner der Stolzen kommt auf die Idee, die Waschmaschine anzuwerfen. Früher musste man am Fluss auf Steinen waschen und wäre froh gewesen, diese Arbeit einem Automaten überlassen zu können. Heute ist sogar ein Automat zu anstrengend. Wo wird das nur enden??? Also sammle ich wieder einmal bergeweise die verstreuten Inhalte der diversen Kleiderschränke auf, die meinen Kindern gehören. Eine undankbare Aufgabe, denn manchmal finde ich nicht wenige ungetragene Sachen, sogar noch gefaltet, aber durch den Staub vom Fußboden völlig verdreckt, wieder. Alles Toben und Erziehungsmaßnahmen waren bis jetzt vergebens. Ich hielt mich immer für eine tolle Mutter. Wo die Spur anfängt, aus dem Ruder zu laufen, finde ich partout nicht, egal wie ich mich auch anstrenge. Aber bald ist damit Schluss. Sie ziehen aus, heureka!!! Und jede in eine eigene Wohnung. Meine Freude könnte nicht größer sein! Von wegen, dass ich dann in ein beschäftigungsloses Loch falle! Im Gegenteil, ich steige endlich aus meinem Identitäsloch, so groß wie der Bodensee, heraus. Aber das wollte ich gar nicht erzählen. Hier geht es um einen Sch….Alltag, der uns Frauen ständig hier und da begegnet.
Was sollte ich machen? Die Wäsche türmte sich mal wieder und die Maschine lief einfach nicht. Nun legte ich mich auf die Lauer! Ich schaltete die Maschine wieder ein und nach endloser Dauer und Schalterei kam ich drauf, was wohl die Ursache sein könnte. Ich baute den Wasserzufluss ab und prüfte den Wasserhahn. Da kam überhaupt kein Wasser raus, und wenn, dann nur noch tröpfchenweise! Das konnte doch nicht wahr sein! Egal, wie ich auch den Hahn drehte, es tat sich nichts. Wie war dann die Wäsche überhaupt so nass geworden? Ganz sicher über die Ursache war ich mir trotzdem immer noch nicht, aber ich wollte auch nichts mehr dem Zufall überlassen. Also versuchte ich erst vorsichtig die Quetschverbindung zu lösen, was sich längere Zeit als unmöglich entpuppte und dann nach einigen Fehlschlägen wurde ich gewalttätig. Zwei Rohrzangen und eine Viertelstunde brauchte ich, um dem kleinen Mini-Rohr den Garaus zu machen. Danach war die Wasserleitung zum Waschbecken unbrauchbar geworden. Wo gehobelt wird, da fallen eben Späne, ist doch so, oder? Endlich hatte ich den Wasserhahn ohne einen weiteren Bruch ab. Ich musste mich umziehen, denn in einer Schlafanzughose konnte ich kaum zum Baumarkt fahren. Da alles in der Wäsche war, blieb mir nur noch ein gutes Kleid und ein einziges Paar Schuhe, die ich zum Einkaufen anziehen konnte. Ich zog mich um und war ein wenig overdressed, zumindest für diesen Anlass im Baumarkt. Ach was!
Ich kam dort an und stolzierte sofort zielstrebig in die heiligen Hallen der Handwerker. Meinem Aussehen nach musste ich als merkwürdige Erscheinung gelten, aber ich hielt in der Hand den abgebauten Hahn und lief aufrecht, schnell und anscheinend geübt zu den Badarmaturen. Ich suchte in der großen Vielfalt eine Weile, und leider glich nichts dem gesuchten Wasserhahn , welchen ich gerade heute brauchte. Außerdem waren die Verpackungen geschlossen und die Bezeichnungen von den Zollgrößen waren eher nicht hilfreich, denn ich hatte keine Ahnung davon. Nachdem ich eine Weile ziemlich laut mit den Absätzen klackernd hin und her lief, stieg die Ungeduld und eine kaum bezähmbare Wut in mir hoch. War da nicht im Fernsehen immer diese Werbung, dass alle Mitarbeiter sich rasend gern um die potentiellen Kunden bemühen, ja beinahe ihnen die Wünsche von dem Lippen ablesen würden? Hier merkte ich überhaupt nichts davon. Meine lautes Klackern der sehr hohen und feinen Absätze verhallten in den mitarbeiterleeren Raum ohne Wirkung. Verdammt! Ich hatte nicht vor, hier sinnlos herumzustehen! Vor allem wen wusste ich die mitleidigen Augen der vorbeistreifenden Männer auf mir. Also ging ich zielsicher wieder zurück zum Eingang des Marktes, wo ich die Information wähnte. Gerade kam eine genervte Gleichaltrige herein und fragte mich etwas lallend und eher unwirsch ob der Störung, was denn mein Begehr wäre. Ich schilderte es ihr kurz in einem Satz und bekam Antwort: „Gehen Sie wieder zurück zu den Ständen in der Badabteilung, ich rufe an und schicke Ihnen einen Mitarbeiter. Vermutlich war ich an dem falschen Schalter der Abteilung, denn es umgab mich weiterhin geschlagene zehn Minuten eine gähnende Leere. Langsam wuchs mein Groll. Die ließen mich doch hier echt auflaufen! Nicht mit mir! Also nahm ich meine Absätze und klackerte nun noch etwas lauter in dem fast menschenleeren Geschäft umher. Es begegneten mir nur Männer mit Bauanzügen oder Anzügen, die mich neugierig musterten. Da ich meinen Rundgang wie ein Tiger in der Manege gestaltete, sah ich sie immer wieder in verschiedenen Regalhöhen. Ich spürte ihre Blicke immer deutlicher und ihre Fragen, was denn eine Frau wie ich hier zu suchen hätte. Das brachte mich dazu, mein Kinn trotzig noch ein wenig höher zu recken und so wissend wie möglich zu tun. Doch es half alles nichts! Also fing ich an, die scheinbar versteckten Mitarbeiter ausfindig zu machen und nach einiger Zeit fand ich auch zwei Exemplare im trauten Familiengespräch ganz hinten in der Isolationsabteilung, wohin sich bis dahin noch kein Kunde verirrt hatte. Ich stellte mich demonstrativ ganz nah vor sie hin und lauschte anscheinend begierig ihrem Gespräch. Wahrscheinlich störte es sie nun doch ein wenig, denn der Kleinere der Beiden, ein bisschen Verwachsenere, sprach mich mit einem Unterton von verhaltener Wut an, ob er mir helfen könne. Aber klar!!! Ich verlegte meine Stimme auf die Höhe einer rastlosen, aber kompetenten Geschäftsfrau auf eine Nuance nach unten und schilderte ihm zum zweiten Mal mein Anliegen. Er schien sich zu überlegen, ob er es für nötig halten solle, diesem Dämchen wirklich Auskunft zu erteilen oder einfach zu sagen: „Ham wir nich!“ Er entschied sich nach meinen gehobenen Augenbrauen und leicht drohendem Blick für das Erstere. Als folgerichtige Aktion lief er nun vor mir her zu den Armaturen und griff zielsicher in das Regal, welches ich in der ersten Minute meines Aufenthaltes durchforstet hatte. Auch hielt er gleich danach meine Schachtel in der Hand, die ich auch schon mit meinen Finderabdrücken besudelt hatte. „Das ist das Richtige!“, meinte er, obwohl ich daran genauso viele Zweifel hatte wie vorher. „Wir machen gern die Schachtel auf!“, versicherte er schnell hinterher, da er meinen Skeptischen Blick registrierte und fuchtelte mit dem Wasserhahn vor mir herum. „Sie sind sicher, dass der der Richtige ist?“, antwortete ich ihm. „Aber ja doch!“, bestätigte er fast beleidigt das Ganze noch einmal genervt. „Nun, dann brauche ich noch eine Verlängerung von der Quetschverbindung zum Zulauf!“, wagte ich einen weiteren Vorstoß in Richtung Kompetenz. Nun gesellte sich ein zweites männliches Exemplar, getarnt als Kunde einer älteren Generation, unserem Gespräch zu. „Naja, da sollten Sie mir die Maße sagen, denn es gibt mehrere Größen davon!“ Lauernd schaute mich der Verkäufer an und dachte sich wahrscheinlich: „Na, der Tussi wird ich es zeigen!“ Jee sichtbare Körperzelle schrie das aus ihm heraus. Ein unerwarteter Schwall eines furchtbaren Schweißgeruches stach mir plötzlich in die Nase. Es konnte nur vom Verkäufer kommen. Jetzt sank er nun in ein imaginäres Achtungsloch, vor dem er die ganze Zeit schon drohte, hinein zu rutschen. Nun mischte sich auch der neugierige Kunde ein und gab sein ungebetenes Wissen zum Besten. „Sie müssen das hierhin und dorthin verbinden und dann dort und da hineinstecken, värrrrstähen Sie????“ Freundlich und blöde lächelnd starrte er mich von unten herauf an. Er hatte genauso eine Zwerggröße wie dieser Baumarktberater. Ich fühlte mich missverstanden, wurde langsam ungehalten und zwischen den Beiden wirkte ich riesig. Daraufhin erklärte ich den Beiden ziemlich fachmännisch, dass ich dies und das wisse und erstaunte sie garantiert über meine Fragen, die sie mir letztendlich nicht richtig beantworten konnten. Einzig die Tatsache, dass ich die Durchmessermaße meiner Quetschverbindung nicht parat hatte, ließ mich ein wenig vor ihnen meinen Vorsprung verlieren. Sehr freudig kam die Antwort: „Dann sehen wir uns ja noch einmal, aber bauen Sie erst einmal den Hahn an und sehen, ob das Stück dann passt! Frei nach der Vorstellung, dass ich damit wohl eine Woche zu tun hätte und sie winkten mir erfolgserwartend hinterher. Ich fuhr wütend nach Hause. Dort machte ich mich gleich daran, den gekauften Hahn anzubauen. Und was war das Ergebnis? Man hatte mir eine zu kleine Zollstärke für die Wandverbindung gegeben!! Ihr elenden Quaksalber!!Da ich die Verpackung nicht geöffnet und mich auf ihre Zuversicht verlassen hatte, war ich komplett umsonst in den Baumarkt gefahren und hatte mich durch einen Baustellenstau gequält. Es nutzte nichts, ich musste wieder an den Ort des Grauens zurück. Dort fand ich wie durch ein Wunder eine Mitarbeiterin, die innerhalb von zwei Minuten alles richtig verstand und nun den gesuchten Artikel richtig herausgab und zweitens mir richtig erklärte, worauf ich achten solle, um auch bei den sich ergebenden Problemen voraussichtich eine Pannenhilfe versprach. Ich verließ den Laden mit dem richtigen Gepäck. Zu Hause angekommen, baute ich unter erschwerten Bedingungen alles fachgerecht an und seitdem läuft die angeblich schlechte Maschine so, wie es der Aufkleber, der immer noch an der Front klebt, verspricht!! Ein simpler Hahn!! Wegen ihm ist mir also meine Vorgängerin von Waschmaschine zerstört worden und hätte beinahe auch diese Maschine auf den Schrott gefahren. Während ich diese Zeilen schreibe, trocknet die gerade gewaschene Wäsche, Ladung Nummer sieben, in meinem treuen Trockner.
Meine Töchter sind ausgeflogen und morgen früh liegt die Wäsche sauber gefaltet, für den Fußboden, für einen Berg nichtgewaschener Wäsche bereit, um sich wieder mit ihm zu vermischen. Vielleicht schafft es die Hälfte der gewaschenen Klamottenauf ihren Körper, der Rest geht mit Sicherheit den bekannten Weg!
Gute Nacht!

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