Samstag, 8. September 2012
Wochenendausflug
Wer denkt, dass man auf einem ziemlich großen See mit einem gemieteten Motorboot über Stunden hinweg nur geradeaus gucken kann und dabei fast zu erfrieren droht, der täuscht sich echt. Zwar ist der schönste See irgendwann nur noch ein welliges Wasser, was einfach nicht aufhört, die Uferlinien gleichen sich schon nach zehn Minuten grandios und die seelische Erholung des Anblicks wird auf standby g
estellt ,weil sie irgendwie immer gerade und grün bebaumt sind. Aber da beginnt das Abenteuer! Weder Kajüte noch Windfang oder -schutz gehören zu den Annehmlichkeiten dieser samstäglichen Wassertour auf einem kleinen Boot, aber auch keine Toilette! Da kann eine halbe Tasse Kaffee am Morgen für so einige Passagierinnen zum Alptraum werden, denn wohin mit der teuren Flüssigkeit? Wer dann die Einsamkeit beklagt hat,wird erkennen, wie viele sich wahnsinnig gern dem Wind und Wasser aussetzen und vielleicht Bootsführer dabei haben, die gern theatralisch mit belehrendem Unterton jede einzelne Boje näher erklären wollen und müssen, damit man nicht nur stumpfsinnig auf das Anlegen in grauer Ferne wartet. Ich kann die Dinger zwar immer noch nicht auseinanderhalten, bemerke aber mittlerweile hier und da einen Farbunterschied der Wasserabgrenzungen.
D.h., man ist auf der riesigen Badewanne mit seeeeehr viel Wasser nicht allein und ein Klo nicht in Sicht. Man könnte ins Wasser springen und es da laufen lassen,wenn es nicht so kalt wäre, dass man klare Vorstellungen von Winterbekleidungen entwickelt, die man hätte anziehen müssen. Einfach aussteigen geht somit nicht und mal schnell anlegen ist ja verboten. Tun zwar ganz schön viele, aber wir gehören zu den Passagieren, deren Kapitän wahrscheinlich heimlich vor der Törn kurz die gesamte Gesetzeslage durchgelesen hat und uns diese sofort ziemlich laut zitiert. Wir ducken uns wütig ergriffen vor dem gnadenlosen Vortrag und lassen das lockende Land an uns vorbeiziehen. Man fühlt sich wie Ozeanreisende, die monatelang schon kein Land mehr gesehen haben und nun das endlich gesichtete nicht betreten dürfen. Und die Blase wird immer größer und droht das Boot zu besudeln. Die Verzweiflung steigt und proportionald sinkt die Hemmschwelle, Dinge zu tun, die man vorher laut belacht hätte. Unser Blick schweift über die dreieinhalb Quadratmeter Fiberglas und sucht nach Improvisationsmöglichkeiten. Nach vielen grauenvollen Vorschlägen sehen wir auf einmal hinter dem Kapitän eine nicht besonders große Klappe zum Innenraum eines Innenbordmotors. Sie wird sofort aufgerissen und darin befindet sich Gottseis gedankt nur ein Benzinkanister und Kleinkram. Der ist schnell rausgeräumt, dann noch das letzte Brot gegessen und mit der leeren Tüte in der Hand verschwindet man in dem einzigen Raum, den so ein Boot überhaupt bietet. Handtuch drüber und die gebeutelte Blase füllt eine Ikeatüte zum Bersten. Geschafft, getan und glücklich!!!!! Beutel lassen sich gut transportieren und einen See noch voller werden.....Jaja, natürlich bleibt das unter uns und ist niemals geschehen! Versprochen! ;)))))

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