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Freitag, 26. Juli 2013
Rollschuhlaufen
ustrarisa, 14:01h
Im Alter wird man entweder immer seriöser oder man lernt das nie und wird extremer. Ich kann mich für keine Seite entscheiden und daher ist mein Leben ziemlich bunt, auch wenn die Farben nicht unbedingt zusammen passen.
Man soll sich ja bekanntlich das Kind in sich bewahren und das kann ich besonders gut, vor Jahren zum Leidwesen meiner Eltern, weil ich einfach nicht erwachsen wurde und jetzt für meinen Rentner, die anderen Stationen erspare ich euch, aufzuzählen.
Nach der Schule unterhielten wir Mädchen uns gern noch so ein zwei Stündchen vor meinem Elternhaus und meine Mutter, wenn sie eher als ich vom Unterricht kam, beobachtete mich manchmal mit wachsendem Entsetzen. Meine Freundinnen standen ziemlich vornehm da und ich schien ständig zu wackeln, die Taschen zwischen meinen Beinen zu schaukeln, zu hampeln und mich zu drehen. Es passte so gar nicht in das bürgerliche Bewusstsein der Anwohner der Straße, meinte meine Mutter und seufzte böse.
In Wirklichkeit aber bin ich kein Kind, sondern in mir drin zieht permanent und anmutig eine Eisprinzessin ihre kalten Kreise! Ich kann hervorragend Schlittschuhlaufen und springe und tanze um die Wette mit Katharina Witt!! Jaja, wirklich! Sie weiß es nur nicht, weil ich mich nie auf Wettkämpfen befand. Ich hatte ja auch keine Schlittschuhe und da war das sehr schlecht. Ich war einfach zu schüchtern, um mich für die Olympiade anzumelden. Aber in meinen Vorstellungen bin ich auch heute noch in bester Kondition. Um als Kind meinen Schillerwegsfreunden zu imponieren, übte ich mich besonders im Rollschuhlaufen, auf der gewölbten Straße und wir waren alle gut. Zuerst hatte ich keine fahrbaren Schuhe und musste sie mir von meiner Nachbarsfreundin Annegret leihen. In der Zeit, in der ich mit ihren Schuhen rollte, balancierte sie auf dem Zaun, schaute mir zu und gab von dort oben wertvolle Anweisungen, wie man Schürfwunden vermeidet. Es hat leider nicht immer was genützt, denn Protektoren gab es damals noch nicht. Und dann stand ich auf dem Zaun und versuchte mir zu merken, was sie besser als ich machte. Es waren wunderbare Zeitchen!
Als Zwanzigjährige habe ich mir dann noch einmal neue Rollschuhe besorgt, bin mit knielangem, buntbesticktem Rock durch die Straßen geflitzt und habe dort Pirouetten gedreht, sehr zum Erstaunen der damaligen Bürger.
Eine Verrückte!
Kinder, ich war auch damals schon meiner Zeit weit voraus, aber wie es so ist, erkennen das die Leute nicht! Das machte mir nichts und mein damaliger Freund fand es auch recht schön. Er war Psychiater!
Irgendwann schlief das aber ein, weil ich einen neuen Freund bekam und der duldete solche Attitüden nicht. Er wurde mein Mann und ich begnügte mich anstelle der Rollschuhe mit Autos, denn damit konnte man auch Kinder transportieren.
Irgendwann duldete ich diesen Mann nicht mehr und konnte tun und lassen, was ich will.
Eines Tages musste ich meinen Bus in die Werkstatt schieben, denn mitten auf einer Kreuzung war das Kupplungsseil gerissen. In Berlin auf einer vierspurigen Straße ist das ein Alptraum, aus dem ich Gott sei Dank irgendwann erwachte. Nun stand das Auto da und ich musste es wieder abholen. Die Werkstatt war so entfernt, dass es zum Laufen zu weit und für den öffentlichen Bus zu kurz schien. Da fiel mir ein, dass mein altes Talent herhalten konnte für diese Strecke…..ich war ja immer noch eine Eisprinzessin!
Ha!
Die Inlinskates meiner Töchter passten mir sehr gut und sahen schließlich den Schlittschuhen ähnlich. Ich war bis dahin zwar nur Rollschuh gelaufen, aber so schwer konnte das ja wohl nicht sein. Rollen waren eben Rollen!
Ich zog sie kurzerhand an und bewegte mich ganz leicht und elegant in den Fahrstuhl. Mit Inlinern ists doch gar nicht schlecht, dachte ich naiv!
Kaum war ich auf dem Gehweg angekommen, wurde mir klar, dass das weder Roll- noch Schlittschuhe waren und ich nicht so anmutig aussah, wie ich erst vermutete. Meine Nachbarin hing genau zu meinem Auftritt am Fenster und beobachtete mein Treiben. Ich winkte ihr krampfhaft freudig zu und versuchte, schnell davon zu kommen. Das würde jetzt sicher das Hausgespräch werden. „Stellt euch von, die Frau S., jetzt will sie es wissen und läuft doch tatsächlich Inlineskate! Die ist völlig durchgeknallt!“ Das Tratschen über einem selbst hört man ja nie, aber wissen tut man es. Ich tratsche nicht, ich erzähle nur gern meinen Nachbarn, was ich so über andere gehört habe. Das müssen sie doch schließlich in einer Gemeinschaft erfahren, nicht wahr?
Die ersten paar schleichenden Meter über Platten, gekreuzt von Kopfsteinpflastern, konnte ich aus dem Blickfeld meiner Bekannten fliehen, auch wenn es jetzt nun nichts mehr nützte. Ich fuhr mit den Armen rudernd und wie ein ungeübter Tanzbär die etwas abschüssige Straße hinunter und hätte mir einen Rollator dazu gewünscht. Doch der war ja in meinen tänzerischen Vorstellungen gar nicht nötig und somit versuchte ich von Sekunde zu Sekunde verzweifelt auf den acht kleinen Rollen zu bleiben. Gut, dass ich wenigstens die Handprotektoren angezogen hatte! Nur zur Sicherheit! Sie halfen mir, mich so fünf bis sieben Mal vom Boden abzustützen, wenn mir kleine Kieselsteine im Weg lagen und ich sie von unten näher betrachten musste. Ich fluchte! Meine normalen Schuhe waren zu Hause und nun MUSSTE ich mit den für meinen Körper viel zu schnellen Inlinskates irgendwie in der Werkstatt ankommen, hoffentlich ohne Arm- oder Beinbruch! Ich war krebsrot, zunehmend völlig fertig und die Leute liefen an mir vorbei, erst mit großen Augen und dann versteckt lachend, das konnte ich hören!.
Der Klavierlehrer meiner Kinder, den ich damals unglaublich anziehend fand, musste natürlich ausgerechnet bei diesem Schauspiel auf der anderen Seite des Trottoires laufen und mich auch sofort, trotz meines Aufzugs erkennen. Er winkte mit fröhlich zu, rief etwas, was ich durch mein Blutdruckrauschen im Ohr nicht verstand und ich winkte zurück. Ich platschte durch diese unbalancierte Bewegung wieder aufs Pflaster. Ganz scheußlich und verrenkt kam ich dort an und kam kaum noch hoch. Man kann mit den Dingern nicht einfach elegant aufstehen und man bewegt sich wie ein lächerlicher Klops!
Ich muss meine Kinder vom Klavierunterricht abmelden, überlegte ich während des Fallens….
Ich hielt mich danach an Gartenzäunen und Straßenlampen fest, versuchte aufrecht zu bleiben, fuhr mit Händen und Füßen und kam endlich irgendwann nach gefühlten Stunden und sehr demoliert in der Werkstatt an.
Der Meister sah mich, lachte und frozzelte daraufhin unaufhörlich, doch ich konnte es nicht lustig finden. Meine Mundwinkel waren auf der Hüfte angekommen und die Gesellen an der Hebebühne drehten sich langsam höflich weg. Dann lachten wiehernd weiter.
Boshafte Menschen!
Resumee???:
Man darf nicht immer auf sein inneres Kind hören!
Ich fuhr mit Strümpfen in meinem bequemen Auto nach Hause und ging, die Inlineskates über der Schulter, mit Strümpfen über den Parkplatz nach Hause!
Man sollte wirklich erwachsen werden!
Man soll sich ja bekanntlich das Kind in sich bewahren und das kann ich besonders gut, vor Jahren zum Leidwesen meiner Eltern, weil ich einfach nicht erwachsen wurde und jetzt für meinen Rentner, die anderen Stationen erspare ich euch, aufzuzählen.
Nach der Schule unterhielten wir Mädchen uns gern noch so ein zwei Stündchen vor meinem Elternhaus und meine Mutter, wenn sie eher als ich vom Unterricht kam, beobachtete mich manchmal mit wachsendem Entsetzen. Meine Freundinnen standen ziemlich vornehm da und ich schien ständig zu wackeln, die Taschen zwischen meinen Beinen zu schaukeln, zu hampeln und mich zu drehen. Es passte so gar nicht in das bürgerliche Bewusstsein der Anwohner der Straße, meinte meine Mutter und seufzte böse.
In Wirklichkeit aber bin ich kein Kind, sondern in mir drin zieht permanent und anmutig eine Eisprinzessin ihre kalten Kreise! Ich kann hervorragend Schlittschuhlaufen und springe und tanze um die Wette mit Katharina Witt!! Jaja, wirklich! Sie weiß es nur nicht, weil ich mich nie auf Wettkämpfen befand. Ich hatte ja auch keine Schlittschuhe und da war das sehr schlecht. Ich war einfach zu schüchtern, um mich für die Olympiade anzumelden. Aber in meinen Vorstellungen bin ich auch heute noch in bester Kondition. Um als Kind meinen Schillerwegsfreunden zu imponieren, übte ich mich besonders im Rollschuhlaufen, auf der gewölbten Straße und wir waren alle gut. Zuerst hatte ich keine fahrbaren Schuhe und musste sie mir von meiner Nachbarsfreundin Annegret leihen. In der Zeit, in der ich mit ihren Schuhen rollte, balancierte sie auf dem Zaun, schaute mir zu und gab von dort oben wertvolle Anweisungen, wie man Schürfwunden vermeidet. Es hat leider nicht immer was genützt, denn Protektoren gab es damals noch nicht. Und dann stand ich auf dem Zaun und versuchte mir zu merken, was sie besser als ich machte. Es waren wunderbare Zeitchen!
Als Zwanzigjährige habe ich mir dann noch einmal neue Rollschuhe besorgt, bin mit knielangem, buntbesticktem Rock durch die Straßen geflitzt und habe dort Pirouetten gedreht, sehr zum Erstaunen der damaligen Bürger.
Eine Verrückte!
Kinder, ich war auch damals schon meiner Zeit weit voraus, aber wie es so ist, erkennen das die Leute nicht! Das machte mir nichts und mein damaliger Freund fand es auch recht schön. Er war Psychiater!
Irgendwann schlief das aber ein, weil ich einen neuen Freund bekam und der duldete solche Attitüden nicht. Er wurde mein Mann und ich begnügte mich anstelle der Rollschuhe mit Autos, denn damit konnte man auch Kinder transportieren.
Irgendwann duldete ich diesen Mann nicht mehr und konnte tun und lassen, was ich will.
Eines Tages musste ich meinen Bus in die Werkstatt schieben, denn mitten auf einer Kreuzung war das Kupplungsseil gerissen. In Berlin auf einer vierspurigen Straße ist das ein Alptraum, aus dem ich Gott sei Dank irgendwann erwachte. Nun stand das Auto da und ich musste es wieder abholen. Die Werkstatt war so entfernt, dass es zum Laufen zu weit und für den öffentlichen Bus zu kurz schien. Da fiel mir ein, dass mein altes Talent herhalten konnte für diese Strecke…..ich war ja immer noch eine Eisprinzessin!
Ha!
Die Inlinskates meiner Töchter passten mir sehr gut und sahen schließlich den Schlittschuhen ähnlich. Ich war bis dahin zwar nur Rollschuh gelaufen, aber so schwer konnte das ja wohl nicht sein. Rollen waren eben Rollen!
Ich zog sie kurzerhand an und bewegte mich ganz leicht und elegant in den Fahrstuhl. Mit Inlinern ists doch gar nicht schlecht, dachte ich naiv!
Kaum war ich auf dem Gehweg angekommen, wurde mir klar, dass das weder Roll- noch Schlittschuhe waren und ich nicht so anmutig aussah, wie ich erst vermutete. Meine Nachbarin hing genau zu meinem Auftritt am Fenster und beobachtete mein Treiben. Ich winkte ihr krampfhaft freudig zu und versuchte, schnell davon zu kommen. Das würde jetzt sicher das Hausgespräch werden. „Stellt euch von, die Frau S., jetzt will sie es wissen und läuft doch tatsächlich Inlineskate! Die ist völlig durchgeknallt!“ Das Tratschen über einem selbst hört man ja nie, aber wissen tut man es. Ich tratsche nicht, ich erzähle nur gern meinen Nachbarn, was ich so über andere gehört habe. Das müssen sie doch schließlich in einer Gemeinschaft erfahren, nicht wahr?
Die ersten paar schleichenden Meter über Platten, gekreuzt von Kopfsteinpflastern, konnte ich aus dem Blickfeld meiner Bekannten fliehen, auch wenn es jetzt nun nichts mehr nützte. Ich fuhr mit den Armen rudernd und wie ein ungeübter Tanzbär die etwas abschüssige Straße hinunter und hätte mir einen Rollator dazu gewünscht. Doch der war ja in meinen tänzerischen Vorstellungen gar nicht nötig und somit versuchte ich von Sekunde zu Sekunde verzweifelt auf den acht kleinen Rollen zu bleiben. Gut, dass ich wenigstens die Handprotektoren angezogen hatte! Nur zur Sicherheit! Sie halfen mir, mich so fünf bis sieben Mal vom Boden abzustützen, wenn mir kleine Kieselsteine im Weg lagen und ich sie von unten näher betrachten musste. Ich fluchte! Meine normalen Schuhe waren zu Hause und nun MUSSTE ich mit den für meinen Körper viel zu schnellen Inlinskates irgendwie in der Werkstatt ankommen, hoffentlich ohne Arm- oder Beinbruch! Ich war krebsrot, zunehmend völlig fertig und die Leute liefen an mir vorbei, erst mit großen Augen und dann versteckt lachend, das konnte ich hören!.
Der Klavierlehrer meiner Kinder, den ich damals unglaublich anziehend fand, musste natürlich ausgerechnet bei diesem Schauspiel auf der anderen Seite des Trottoires laufen und mich auch sofort, trotz meines Aufzugs erkennen. Er winkte mit fröhlich zu, rief etwas, was ich durch mein Blutdruckrauschen im Ohr nicht verstand und ich winkte zurück. Ich platschte durch diese unbalancierte Bewegung wieder aufs Pflaster. Ganz scheußlich und verrenkt kam ich dort an und kam kaum noch hoch. Man kann mit den Dingern nicht einfach elegant aufstehen und man bewegt sich wie ein lächerlicher Klops!
Ich muss meine Kinder vom Klavierunterricht abmelden, überlegte ich während des Fallens….
Ich hielt mich danach an Gartenzäunen und Straßenlampen fest, versuchte aufrecht zu bleiben, fuhr mit Händen und Füßen und kam endlich irgendwann nach gefühlten Stunden und sehr demoliert in der Werkstatt an.
Der Meister sah mich, lachte und frozzelte daraufhin unaufhörlich, doch ich konnte es nicht lustig finden. Meine Mundwinkel waren auf der Hüfte angekommen und die Gesellen an der Hebebühne drehten sich langsam höflich weg. Dann lachten wiehernd weiter.
Boshafte Menschen!
Resumee???:
Man darf nicht immer auf sein inneres Kind hören!
Ich fuhr mit Strümpfen in meinem bequemen Auto nach Hause und ging, die Inlineskates über der Schulter, mit Strümpfen über den Parkplatz nach Hause!
Man sollte wirklich erwachsen werden!
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