Dienstag, 15. Oktober 2013
Spaghetti
Da es bei uns staubig wie in der Wüste Gobi ist oder einem erloschen Vulkan oder nach einer Atomexplosion sehe ich ab von großen Menüplanungen. Nachdem ich vorgestern und gestern äußerst leckere Rouladen auf den Tisch gesetzt habe und der Pensionär skeptisch meinte, warum sie denn so zerfallen würden (Du Obermufti, weil das Fleisch eben einfach so zart ist????!!!!), verlegte ich mich auf die Anfänge meiner Kochkunst, auf Spaghetti. Nudeln zu kochen ist ja nicht unbedingt eine Kunst, doch die Soßen dazu haben es in sich. Es gibt Leute, die schütten sich einfach nur Ketchup über die Nudeln (grässlich!) und wiederum Andere zelebrieren das einfache Gericht wie in einem Fünf Sterne Restaurant. Ich liege so in der Mitte des Ganzen. Am liebsten mag ich Bolognese und kochte das für meine Nachkommen vorzugsweise, aber als ich selbst noch Kind war, reichte eine einfache rote Soße zu den Nudeln.
Für meinen Pensionär kochte ich natürlich die Fleischbolognesevarante, der daraufhin meinte, dass er darauf nicht so stehen würde.
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„Ich denke, du isst vorzugsweise Mittagessen mit Fleisch?“, fragte ich misstrauisch.
„Nein, aber Bolognese mag ich nicht so! Ich mag einfach nur die rote Soße!“, sagte er mit schüttelndem Kopf.
Was für eine Schlicht- und Bescheidenheit! Sehr ungewohnt und verdächtig……
Heute war es nun an der Zeit, ihn beim Wort zu nehmen. Ein bisschen war noch von der Rouladensoße übrig, die ich mir auf die fertigen Nudeln goss, aber für meinen Pensionär köchelte ich ein feines rotes Sößchen, mit echten Tomaten, feinen Gewürzen, Salz und eine Idee Zucker.
Am Tisch teilte ich das Essen auf und wir aßen.
„Und…..schmeckt es dir denn?“, fragte ich erwartungsfroh, denn nun gab es sicherlich nichts auszusetzen.
„Nö!“, kam prompt als Antwort. Ich war fassungslos und meine Laune sank zusehends!
„Hast du das Salz vergessen?“, meinte er, langte zum Salzstreuer und überschüttete sein Mahl mit einer glitzernen Schicht des Inhalts. Ich dachte dabei an seinen hohen Blutdruck.
„Was?“ Ich hatte vorher probiert und es fehlte keineswegs Salz und salzarmes Essen ist nicht mein Ding. Ich kniff meinen Mund zusammen, um nicht etwas zu erwidern, was eine Diskussion angeheizt hätte.
„Das ist doch die rote Soße, die du immer haben wolltest??!!“, erwiderte ich mit kaum sichtbar zusammengezogenen Augenrauen.
„Ich hätte lieber die Rouladensoße von gestern gehabt!“
Das Bisschen hatte ich nur mir auf den Teller getan, für Zwei hätte es nicht gereicht.
„Das war doch nur ein Rest und du hast deine gewünschte rote Soße bekommen!“
„Aber die schmeckt nicht so, wie erwartet!“ Er schaute mich unschuldig an.
„Was hast du gedacht, wie die schmecken soll, oder besser gesagt, wie machst du die rote Soße?“, fragte ich ihn nun mittlerweile leise zischend. Zwei Jahre lang hatte er sich selbst „bekocht“ und nun wollte ich wissen, wie! Mir schwante da etwas! Es war unglaublich! Kann man es dem Heinz denn nie recht machen?
„Naja, ich nehme Tomatenkonzentrat, vermische es mit Butter und Salz, mache es warm und das ist meine rote Soße. Die schmeckt mir gut!
Arrggghhh! Schluck, würg!!!!
Das nenne ich mal Bescheidenheit! Wenn ich das doch bloß gewusst hätte!! Aber ich wette, wenn ich das so gekocht hätte, gäbe es garantiert etwas zum Daranherummäkeln.Seine Kochkünste sind unbeschreiblich! Ich hatte davon schon ein paar Kostproben und war nicht erpicht, von dieser Kunst zu leben. Aber, ich sollte doch vielleicht nur noch Dosen aufmachen und Tuben ausquetschen, dann ist das sicherlich richtig! Was so ein richtiger Gourmet ist, dem kann natürlich nichts wirklich recht machen und schon gar nicht von einer profanen Hausfrau wie mir!

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