Freitag, 16. März 2012
ustrarisa: "Susi Meier"
ustrarisa, 00:08h
Sechs Jahre zurück, Australien.
Eine junge Frau fährt hektisch auf der staubigen Landstraße, fast, als wäre sie betrunken. Die Sonne war kaum noch am Horizont zu sehen und zum ersten Mal seit Jahren regnete es. Nicht ein normaler Regen, es schüttete förmlich aus Eimern und die Sicht wurde immer schlechter, das Schlingern des Autos nahm bedrohliche Ausmaße an. Die junge Frau versuchte den kleinen Wagen wieder in den Griff zu bekommen, denn ein Unfall wäre zu dieser Zeit in der Abgeschiedenheit wahrscheinlich ihr Todesurteil gewesen. Kaum einer kannte diese Strecke. Sie war vor vielen Jahrzehnten von einem reichen Farmbesitzer auf seinem Land gebaut worden. Viele Jahre ohne Pflege hinterließen ihre Spuren und bei diesem Regen verwandelte sich der Staub zu Schlamm.
Wie sollte sie unter diesen Umständen noch rechtzeitig zu einem Arzt gelangen? Jede Minute zählte und sie konnte kaum noch etwas erkennen. Nicht die Dunkelheit nahm ihr die Sicht, sondern ihre Augen reagierten immer stärker auf das Gift. Vor einer halben Stunde hatte sie versucht, einer der vielen Bufukröten, die das Land überschwemmten, vor Wut mit einem Hammer zu erschlagen. Die verdammten Viecher machten vor nichts Halt, sie fraßen an Kleingetier, was ihnen über den Weg lief und hatten auch vor den kleinen Kaninchenjungen im Freilaufgehege keinen Halt gemacht. Als Maryl sah, dass ihre mit der Flasche aufgezogenen weißen Kaninchenbabies samt und sämtlich tot waren, wollte das Problem hier und jetzt beseitigen. Sie ergriff den Hammer und schlug auf die dickste Kröte ein, die sie am Bein erwischen konnte. Doch die drehte sich blitzschnell herum und konnte ihr gezielt aus einer ihrer Drüsen Gift direkt in die Augen sprühen. Sie ließ sofort von der Kröte ab, die daraufhin die Flucht ergriff. Erschrocken überlegte sie, was sie jetzt allein auf der Farm tun konnte. Das Telefon ging nicht, sie musste sofort zu einem Arzt. Also rannte sie zu ihrem alten Jeep, von dem sie nicht wusste, ob er die Fahrt bis zur nächsten Stadt durchstehen würde, aber ihr blieb keine Wahl. Wenn sie nicht sofort losfahren würde, hätte sie überhaupt keine Chance mehr, ihr Augenlicht zu behalten. Der Wagen rumpelte über die Straße und sie gab Gas. Ihre Sicht war wie durch eine Milchglasscheibe getrübt und es wurde immer schlechter, dennoch konnte sie die Straße noch einigermaßen erkennen. Sie raste, hinter ihr stiegen die Staubwolken hoch. Doch von Minute zu Minute verschlechterte sich die Sicht und es wurde dunkler. Der Abend brach herein und der dringend benötigte Regen sorgte zusätzlich für eine noch schlechtere Sicht. Auf einmal krachte es fürchterlich und danach hörte man nur noch ein Zischen, welches die plötzlich entstandene Stille wie ein Messer zerschnitt. Kein Tier und sonstige Geräusche waren ansonsten zu hören als hätten sie sich gleichsam erschrocken.
Maryl überlegte, bevor es um sie dunkel wurde, wie weit sie wohl gekommen war und ob jemand vielleicht in einem wahnwitzigen Zufall den Unfall gesehen haben könnte. Sie wusste doch, dass das wohl aussichtslos war. Sie wollte sich aufrappeln, aber ein heftiger Schmerz hinderte sie. Ihre verzweifelten Überlegungen verblassten langsam und eine friedliche Stille fing an sie zu umgeben. Sie entspannte sich während sie ohnmächtig wurde.
"Paul, wir müssen sofort aussteigen, mach schon!" Konstanze rüttelte ihrem regungslosen Mann unsanft. Dieser schüttelte den Kopf und schien in die Realität zurückzukehren. Der Aufprall den Autos auf ihren Wohnwagen war heftig gewesen und die Tür war anscheinend verbeult. Es war schwierig, sie wieder aufzubekommen. Paul trat mit einem heftigen Ruck dagegen und sie sprang auf. Konstanze und Paul sahen die Bescherung in der Dunkelheit schlecht.
"Konstanze, hol die Taschenlampe aus dem Wohnwagen!" Sein Tonfall drückte Besorgnis aus und er drängte auf Eile.
"Es ist eine junge Frau im Auto und sie bewegt sich nicht!" Er stieg aus, warf einen Blick durch die gesplitterte Seitentür und rüttelte am Griff. Trotz des Aufpralls ließ sie sich doch widerwillig öffnen. Gott sei Dank! Die Fahrerin zeigte keinerlei Reaktionen. Paul zog sie vom Fahrersitz und sie stöhnte im gleichen Augenblick, schien trotzdem nicht bei Bewusstsein zu sein.
"Konstanze, fass mal mit an, nimm ihre Beine!" Seine Frau stand hinter ihm, bereit, sofort zu helfen. Sie sah klein und wie gebadet aus. Der kurze Aufenthalt im Regen ließ sie wie gebadet aussehen.
"Paul, sie ist ja schwanger, schrie sie erschrocken auf und als sie das feststellte, sickerte der jungen Frau im Wrack zwischen den Beinen das Wasser hervor.
"Mein Gott, die Fruchtblase ist geplatzt!", jammerte sie in einem etwas hilflos klingenden Ton.
"Was machen wir denn jetzt? Wir müssen sie sofort in ein Hospital schaffen!"
"Dazu bleibt keine Zeit mehr!", kam es etwas gequetscht von Paul, denn mit geübten und sicherem Griff bettete er die Frau auf die Decke, die Konstanze schnell noch unter das Vordach des Wohnwagens legen konnte. Das Zelt hielt die Wassermassen kaum noch ab und sie entschlossen sich, trotz der Schwierigkeiten, Maryl in den Wohnwagen zu tragen. Die Eingangstür war ziemlich schmal und war nicht für solche Situationen geschaffen. Sie schafften es nach einer scheinbar endlos langen Zeit Hin- und Herprobierens. Kaum lag die Schwangere auf dem Bett, als die Wehen heftig begannen und wahrscheinlich nicht aufzuhalten waren.
"Du musst mir helfen! Hol irgendwie warmes Wasser!" Paul schien keinen Widerspruch zu dulden.
"Wir können sie doch hier nicht entbinden, was ist, wenn etwas passiert?" Konstanze war gar nicht erbaut über die Tatsache, dass sie die Situation selbst in die Hand nehmen wollten.
" Konny, wir haben keine andere Wahl. Bei dem Regen kommen wir nicht zum nächsten Ort, ohne im Schlamm zu versinken. Wir müssen den Morgen abwarten und auf Hilfe hoffen. Vielleicht funktioniert dann das GPS wieder. Und jetzt hilf mir endlich!
Konstanze konnte sich kaum dazu aufraffen. Sie selbst konnte keine Kinder bekommen und sollte hier bei einer Entbindung helfen. Der Schmerz um ihren Verlust riss sofort wieder ihre Geschichte auf. Sie war so oft schwanger gewesen und nie konnte sie die Kinder bis zur Lebensreife austragen. Makaber war nur, dass selbst Pauls Beruf, ein recht gut bestallter Chirurg, ihr keine Hilfe bringen konnte. Ein genetischer Defekt würde immer wieder das gleiche Problem hervorbringen. Sie hatten sich beide entschieden, das Thema endgültig zu begraben. Man konnte nicht alles haben. Paul wusste, wie sehr sie ein Kind brauchte und auch er hätte gern nicht nur eines gehabt.
In diesem Moment blieb aber keine Zeit für solche Gedanken, es war große Eile geboten, sollte bei der Entbindung nicht alles schief gehen. Er hatte keine Ahnung, ob sie sich bei dem Aufprall innere Verletzungen zugezogen hatte. Das Kind ließ kein Zögern zu, der Kopf war mit einem kurz Ruck durchgetreten und einen Augenblick später lang das ziemlich kleine Bündel schreiender Mensch auf dem Bett. Er durchtrennte schnell die Nabelschnur mit einer Schere und nachdem das geschehen war, setzten weitere Wehen ein.
"Uij, das geht aber schnell!" Paul war erstaunt über die sofort einsetzenden Nachwehen. Konstanze nahm zitternd den schreienden Säugling liebevoll in eine Decke gewickelt auf den Arm.
" Paul, ein kleines Mädchen!" Sie weinte bei dem Anblick. Sie hatte sich immer schon ein Mädchen gewünscht und nun hielt sie eines im Arm. Sie hätte es am liebsten behalten
"Das Kind ist ein wenig zu klein, wir müssen sie gut einwickeln, damit sie keine Wärme verliert. Nimm zwei leere Wasserflaschen und füll sie mit heißem Wasser. Die wickelst du in ein Handtuch und legst sie neben die Kleine!"
"Kann ich es nicht noch ein bisschen auf dem Arm halten?" Sehnsüchtig hing ihr Blick auf dem winzigen zerknautschtem Kindergesicht."
"Nein, sie braucht zusätzlich Wärme, du reichst nicht!"
Wie immer, sie war nicht ausreichend für ein Kind!. sie legte das Bündel auf das Bett und machte sich daran, die Flaschen herzurichten als Paul rief:
"Es sind keine Nachwehen, es kommt noch eins!"
Abrupt drehte sich Konstanze um und traute ihren Augen kaum. Tatsächlich war ein zweites Köpfchen sichtbar und kurz darauf war schon das Kind geboren. Konstanze nahm hektisch den kleinen Jungen auf. Er hatte kaum Haare auf dem Kopf, nicht so wie seine Schwester, die eine dunkle Mähne mitbekommen hatte.
"Schau doch mal, ob sie eine Handtasche mit Papieren in ihrem Auto hat. Vielleicht gibt es sowas wie einen Mutterpass. Das muss doch bekannt sein, dass sie Zwillinge bekommen soll oder ob sie eine Risikoschwangere ist. Vielleicht finden wir eine Adresse oder anderen Daten, denn einen Arzt muss es doch geben!" Paul schaute hoch, kleine Schweißperlen hatten sich auf seiner Stirn gebildet und er war sehr angestrengt.
"Bei Zwillingen muss man aufpassen, sie sind meist noch nicht ausgereift und ich weiß nicht, wie alt die Beiden sind! Mensch, wenn die das unter diesen Umständen nicht schaffen?!" So eine Situation wünscht sich kein Arzt, denn unter Umständen könnte er für Fehler haftbar gemacht werden.
Konstanze beeilte sich, um bei der Dunkelheit in dem unbekannten Auto etwas zu finden. Aber es waren keinerlei Taschen oder ähnliches zu finden und es schien so, als wäre sie übereilt davongefahren. Nicht mal ein Telefon hatte sie in dieser Einöde dabei, was ziemlich gefährlich sein musste. Jeder der Farmer in Australien hatte in der menschenleeren Gegend ein GPS Telefon. Meilenweit gab es keine Hilfe und man musste hier gut gewappnet sein, um einen Unfall für einige Zeit zu überstehen.
"Paul, ich kann nichts finden!"
"Dafür habe ich eine neue Nachricht für dich, denn es gibt ein drittes Kind!" Paul war selbst erstaunt über dieses Wunder und hielt verdattert einen weiteren, ziemlich kleinen und dürren kläglich schreienden Säugling in seinem Arm.
"Waaas, drei Kinder?" Sie riss die Augen auf und war wie erstarrt.
"Wir müssen etwas tun, wir können doch nicht die ganze Nacht mit drei Säuglingen hierbleiben. Sie müssen sofort etwas trinken! Paul, mach doch was!" Ihre Stimme wurde schrill und ängstlich. Sie sorgte sich um die Kleinen, denn sie sollten überleben!
Paul untersuchte kurz die Frau und schaute danach auf.
"Ich muss versuchen, sie an die Brust zu legen, vielleicht klappt es ja!" Er drehte sich wieder um, öffnete die Bluse der jungen Frau und probierte, das letzte Kind sofort anzulegen. Es war gar nicht schwierig, die Kleine schien darauf nur gewartet zu haben und saugte schmatzend und gierig.
In dem Moment öffnete Maryl die Augen und stöhnte ein wenig. Sie schien Schmerzen zu haben.
Paul schaute sie an und suchte nach ihrem Blick.
"Können sie mich hören?" Er versuchte mit seinem schlechten Englisch ihr etwas zu sagen. Sprachen waren noch nie sein Ding gewesen, dafür redete Konstanze in mehreren Sprachen gut genug, um als Einheimische zu gelten.
"What happens? I´m German"
Maryl schien nicht zu verstehen. Darauf versuchte Konstanze ihr Glück und sprach mit einem flüssigen Englisch langsam auf die abwesend wirkende junge Frau ein.
Sie war ganz aufgeregt und sprach schnell auf sie ein, denn sie schien scheinbar gar nicht auf die Ansprache zu reagieren, im Gegenteil, sie fing an zu jammern.
" Mein Kind, was ist mit meinem Kind?"
Konstanzes Augen weiteten sich ungläubig.
"Paul, sie ist eine Deutsche! Hast du verstanden, sie ist eine Deutsche!" Sie nahm sofort die Hand von Maryl und tätschelte sie. Doch diese schien schon wieder das Bewusstsein zu verlieren. Mit scheinbar verschwindenden Kräften stöhnte sie:
"Mein Baby, wieso ist mein Baby schon da?" Sie schaute ungläubig das kleine Mädchen an ihrer Brust an und tastete nach ihr. Doch ihre Augen blieben immer auf eine Richtung geheftet, so, als ob sie nichts sah. Merkwürdig!
"Es kann doch noch nicht da sein“!
Eine junge Frau fährt hektisch auf der staubigen Landstraße, fast, als wäre sie betrunken. Die Sonne war kaum noch am Horizont zu sehen und zum ersten Mal seit Jahren regnete es. Nicht ein normaler Regen, es schüttete förmlich aus Eimern und die Sicht wurde immer schlechter, das Schlingern des Autos nahm bedrohliche Ausmaße an. Die junge Frau versuchte den kleinen Wagen wieder in den Griff zu bekommen, denn ein Unfall wäre zu dieser Zeit in der Abgeschiedenheit wahrscheinlich ihr Todesurteil gewesen. Kaum einer kannte diese Strecke. Sie war vor vielen Jahrzehnten von einem reichen Farmbesitzer auf seinem Land gebaut worden. Viele Jahre ohne Pflege hinterließen ihre Spuren und bei diesem Regen verwandelte sich der Staub zu Schlamm.
Wie sollte sie unter diesen Umständen noch rechtzeitig zu einem Arzt gelangen? Jede Minute zählte und sie konnte kaum noch etwas erkennen. Nicht die Dunkelheit nahm ihr die Sicht, sondern ihre Augen reagierten immer stärker auf das Gift. Vor einer halben Stunde hatte sie versucht, einer der vielen Bufukröten, die das Land überschwemmten, vor Wut mit einem Hammer zu erschlagen. Die verdammten Viecher machten vor nichts Halt, sie fraßen an Kleingetier, was ihnen über den Weg lief und hatten auch vor den kleinen Kaninchenjungen im Freilaufgehege keinen Halt gemacht. Als Maryl sah, dass ihre mit der Flasche aufgezogenen weißen Kaninchenbabies samt und sämtlich tot waren, wollte das Problem hier und jetzt beseitigen. Sie ergriff den Hammer und schlug auf die dickste Kröte ein, die sie am Bein erwischen konnte. Doch die drehte sich blitzschnell herum und konnte ihr gezielt aus einer ihrer Drüsen Gift direkt in die Augen sprühen. Sie ließ sofort von der Kröte ab, die daraufhin die Flucht ergriff. Erschrocken überlegte sie, was sie jetzt allein auf der Farm tun konnte. Das Telefon ging nicht, sie musste sofort zu einem Arzt. Also rannte sie zu ihrem alten Jeep, von dem sie nicht wusste, ob er die Fahrt bis zur nächsten Stadt durchstehen würde, aber ihr blieb keine Wahl. Wenn sie nicht sofort losfahren würde, hätte sie überhaupt keine Chance mehr, ihr Augenlicht zu behalten. Der Wagen rumpelte über die Straße und sie gab Gas. Ihre Sicht war wie durch eine Milchglasscheibe getrübt und es wurde immer schlechter, dennoch konnte sie die Straße noch einigermaßen erkennen. Sie raste, hinter ihr stiegen die Staubwolken hoch. Doch von Minute zu Minute verschlechterte sich die Sicht und es wurde dunkler. Der Abend brach herein und der dringend benötigte Regen sorgte zusätzlich für eine noch schlechtere Sicht. Auf einmal krachte es fürchterlich und danach hörte man nur noch ein Zischen, welches die plötzlich entstandene Stille wie ein Messer zerschnitt. Kein Tier und sonstige Geräusche waren ansonsten zu hören als hätten sie sich gleichsam erschrocken.
Maryl überlegte, bevor es um sie dunkel wurde, wie weit sie wohl gekommen war und ob jemand vielleicht in einem wahnwitzigen Zufall den Unfall gesehen haben könnte. Sie wusste doch, dass das wohl aussichtslos war. Sie wollte sich aufrappeln, aber ein heftiger Schmerz hinderte sie. Ihre verzweifelten Überlegungen verblassten langsam und eine friedliche Stille fing an sie zu umgeben. Sie entspannte sich während sie ohnmächtig wurde.
"Paul, wir müssen sofort aussteigen, mach schon!" Konstanze rüttelte ihrem regungslosen Mann unsanft. Dieser schüttelte den Kopf und schien in die Realität zurückzukehren. Der Aufprall den Autos auf ihren Wohnwagen war heftig gewesen und die Tür war anscheinend verbeult. Es war schwierig, sie wieder aufzubekommen. Paul trat mit einem heftigen Ruck dagegen und sie sprang auf. Konstanze und Paul sahen die Bescherung in der Dunkelheit schlecht.
"Konstanze, hol die Taschenlampe aus dem Wohnwagen!" Sein Tonfall drückte Besorgnis aus und er drängte auf Eile.
"Es ist eine junge Frau im Auto und sie bewegt sich nicht!" Er stieg aus, warf einen Blick durch die gesplitterte Seitentür und rüttelte am Griff. Trotz des Aufpralls ließ sie sich doch widerwillig öffnen. Gott sei Dank! Die Fahrerin zeigte keinerlei Reaktionen. Paul zog sie vom Fahrersitz und sie stöhnte im gleichen Augenblick, schien trotzdem nicht bei Bewusstsein zu sein.
"Konstanze, fass mal mit an, nimm ihre Beine!" Seine Frau stand hinter ihm, bereit, sofort zu helfen. Sie sah klein und wie gebadet aus. Der kurze Aufenthalt im Regen ließ sie wie gebadet aussehen.
"Paul, sie ist ja schwanger, schrie sie erschrocken auf und als sie das feststellte, sickerte der jungen Frau im Wrack zwischen den Beinen das Wasser hervor.
"Mein Gott, die Fruchtblase ist geplatzt!", jammerte sie in einem etwas hilflos klingenden Ton.
"Was machen wir denn jetzt? Wir müssen sie sofort in ein Hospital schaffen!"
"Dazu bleibt keine Zeit mehr!", kam es etwas gequetscht von Paul, denn mit geübten und sicherem Griff bettete er die Frau auf die Decke, die Konstanze schnell noch unter das Vordach des Wohnwagens legen konnte. Das Zelt hielt die Wassermassen kaum noch ab und sie entschlossen sich, trotz der Schwierigkeiten, Maryl in den Wohnwagen zu tragen. Die Eingangstür war ziemlich schmal und war nicht für solche Situationen geschaffen. Sie schafften es nach einer scheinbar endlos langen Zeit Hin- und Herprobierens. Kaum lag die Schwangere auf dem Bett, als die Wehen heftig begannen und wahrscheinlich nicht aufzuhalten waren.
"Du musst mir helfen! Hol irgendwie warmes Wasser!" Paul schien keinen Widerspruch zu dulden.
"Wir können sie doch hier nicht entbinden, was ist, wenn etwas passiert?" Konstanze war gar nicht erbaut über die Tatsache, dass sie die Situation selbst in die Hand nehmen wollten.
" Konny, wir haben keine andere Wahl. Bei dem Regen kommen wir nicht zum nächsten Ort, ohne im Schlamm zu versinken. Wir müssen den Morgen abwarten und auf Hilfe hoffen. Vielleicht funktioniert dann das GPS wieder. Und jetzt hilf mir endlich!
Konstanze konnte sich kaum dazu aufraffen. Sie selbst konnte keine Kinder bekommen und sollte hier bei einer Entbindung helfen. Der Schmerz um ihren Verlust riss sofort wieder ihre Geschichte auf. Sie war so oft schwanger gewesen und nie konnte sie die Kinder bis zur Lebensreife austragen. Makaber war nur, dass selbst Pauls Beruf, ein recht gut bestallter Chirurg, ihr keine Hilfe bringen konnte. Ein genetischer Defekt würde immer wieder das gleiche Problem hervorbringen. Sie hatten sich beide entschieden, das Thema endgültig zu begraben. Man konnte nicht alles haben. Paul wusste, wie sehr sie ein Kind brauchte und auch er hätte gern nicht nur eines gehabt.
In diesem Moment blieb aber keine Zeit für solche Gedanken, es war große Eile geboten, sollte bei der Entbindung nicht alles schief gehen. Er hatte keine Ahnung, ob sie sich bei dem Aufprall innere Verletzungen zugezogen hatte. Das Kind ließ kein Zögern zu, der Kopf war mit einem kurz Ruck durchgetreten und einen Augenblick später lang das ziemlich kleine Bündel schreiender Mensch auf dem Bett. Er durchtrennte schnell die Nabelschnur mit einer Schere und nachdem das geschehen war, setzten weitere Wehen ein.
"Uij, das geht aber schnell!" Paul war erstaunt über die sofort einsetzenden Nachwehen. Konstanze nahm zitternd den schreienden Säugling liebevoll in eine Decke gewickelt auf den Arm.
" Paul, ein kleines Mädchen!" Sie weinte bei dem Anblick. Sie hatte sich immer schon ein Mädchen gewünscht und nun hielt sie eines im Arm. Sie hätte es am liebsten behalten
"Das Kind ist ein wenig zu klein, wir müssen sie gut einwickeln, damit sie keine Wärme verliert. Nimm zwei leere Wasserflaschen und füll sie mit heißem Wasser. Die wickelst du in ein Handtuch und legst sie neben die Kleine!"
"Kann ich es nicht noch ein bisschen auf dem Arm halten?" Sehnsüchtig hing ihr Blick auf dem winzigen zerknautschtem Kindergesicht."
"Nein, sie braucht zusätzlich Wärme, du reichst nicht!"
Wie immer, sie war nicht ausreichend für ein Kind!. sie legte das Bündel auf das Bett und machte sich daran, die Flaschen herzurichten als Paul rief:
"Es sind keine Nachwehen, es kommt noch eins!"
Abrupt drehte sich Konstanze um und traute ihren Augen kaum. Tatsächlich war ein zweites Köpfchen sichtbar und kurz darauf war schon das Kind geboren. Konstanze nahm hektisch den kleinen Jungen auf. Er hatte kaum Haare auf dem Kopf, nicht so wie seine Schwester, die eine dunkle Mähne mitbekommen hatte.
"Schau doch mal, ob sie eine Handtasche mit Papieren in ihrem Auto hat. Vielleicht gibt es sowas wie einen Mutterpass. Das muss doch bekannt sein, dass sie Zwillinge bekommen soll oder ob sie eine Risikoschwangere ist. Vielleicht finden wir eine Adresse oder anderen Daten, denn einen Arzt muss es doch geben!" Paul schaute hoch, kleine Schweißperlen hatten sich auf seiner Stirn gebildet und er war sehr angestrengt.
"Bei Zwillingen muss man aufpassen, sie sind meist noch nicht ausgereift und ich weiß nicht, wie alt die Beiden sind! Mensch, wenn die das unter diesen Umständen nicht schaffen?!" So eine Situation wünscht sich kein Arzt, denn unter Umständen könnte er für Fehler haftbar gemacht werden.
Konstanze beeilte sich, um bei der Dunkelheit in dem unbekannten Auto etwas zu finden. Aber es waren keinerlei Taschen oder ähnliches zu finden und es schien so, als wäre sie übereilt davongefahren. Nicht mal ein Telefon hatte sie in dieser Einöde dabei, was ziemlich gefährlich sein musste. Jeder der Farmer in Australien hatte in der menschenleeren Gegend ein GPS Telefon. Meilenweit gab es keine Hilfe und man musste hier gut gewappnet sein, um einen Unfall für einige Zeit zu überstehen.
"Paul, ich kann nichts finden!"
"Dafür habe ich eine neue Nachricht für dich, denn es gibt ein drittes Kind!" Paul war selbst erstaunt über dieses Wunder und hielt verdattert einen weiteren, ziemlich kleinen und dürren kläglich schreienden Säugling in seinem Arm.
"Waaas, drei Kinder?" Sie riss die Augen auf und war wie erstarrt.
"Wir müssen etwas tun, wir können doch nicht die ganze Nacht mit drei Säuglingen hierbleiben. Sie müssen sofort etwas trinken! Paul, mach doch was!" Ihre Stimme wurde schrill und ängstlich. Sie sorgte sich um die Kleinen, denn sie sollten überleben!
Paul untersuchte kurz die Frau und schaute danach auf.
"Ich muss versuchen, sie an die Brust zu legen, vielleicht klappt es ja!" Er drehte sich wieder um, öffnete die Bluse der jungen Frau und probierte, das letzte Kind sofort anzulegen. Es war gar nicht schwierig, die Kleine schien darauf nur gewartet zu haben und saugte schmatzend und gierig.
In dem Moment öffnete Maryl die Augen und stöhnte ein wenig. Sie schien Schmerzen zu haben.
Paul schaute sie an und suchte nach ihrem Blick.
"Können sie mich hören?" Er versuchte mit seinem schlechten Englisch ihr etwas zu sagen. Sprachen waren noch nie sein Ding gewesen, dafür redete Konstanze in mehreren Sprachen gut genug, um als Einheimische zu gelten.
"What happens? I´m German"
Maryl schien nicht zu verstehen. Darauf versuchte Konstanze ihr Glück und sprach mit einem flüssigen Englisch langsam auf die abwesend wirkende junge Frau ein.
Sie war ganz aufgeregt und sprach schnell auf sie ein, denn sie schien scheinbar gar nicht auf die Ansprache zu reagieren, im Gegenteil, sie fing an zu jammern.
" Mein Kind, was ist mit meinem Kind?"
Konstanzes Augen weiteten sich ungläubig.
"Paul, sie ist eine Deutsche! Hast du verstanden, sie ist eine Deutsche!" Sie nahm sofort die Hand von Maryl und tätschelte sie. Doch diese schien schon wieder das Bewusstsein zu verlieren. Mit scheinbar verschwindenden Kräften stöhnte sie:
"Mein Baby, wieso ist mein Baby schon da?" Sie schaute ungläubig das kleine Mädchen an ihrer Brust an und tastete nach ihr. Doch ihre Augen blieben immer auf eine Richtung geheftet, so, als ob sie nichts sah. Merkwürdig!
"Es kann doch noch nicht da sein“!
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ustrarisa,
Sonntag, 18. März 2012, 21:19
Roman
Dies ist der Anfang eines Romans, den ich eigentlich vor Jahren begonnen und nie Zeit hatte, fertig zu schreiben. Nun brauche ich ein wenig Resonanz, ob es lesbar oder interessant ist.
Schreiben werde ich ihn so oder so, aber man ist eben gespannt, ob es ankommt oder nicht! Nur für mich schreibe ich das ja nicht!
Schreiben werde ich ihn so oder so, aber man ist eben gespannt, ob es ankommt oder nicht! Nur für mich schreibe ich das ja nicht!
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nebisuse77,
Dienstag, 20. März 2012, 08:41
Wie geht's weiter?!?
Schreib ihn unbedingt weiter, er fängt spannend an und macht Lust auf mehr!!!
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ustrarisa,
Dienstag, 20. März 2012, 10:57
Bald!
Ich bin schon fleißig dabei und werde auszugsweise hier im Blog Kapitel einsetzen.
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