Mittwoch, 9. Mai 2012
Fotoshooting
ustrarisa, 16:33h
Alljährlich findet in den deutschen Schulen das bekannt berüchtigte Fotografieren der einzelnen Klassen und deren Schüler statt. Ein aufregender Tag!
In der Grundschule sind die Eltern, vor allem die Mütter, an dem Aussehen ihrer Goldschätze extrem interessiert. Das führt manchmal zu erstaunlichen Blüten der Ergebnisse, von Plissékleidchen mit Lackschuhen und aufgetürmten Frisuren der makabersten Art. Auch die Selbsterfahrungen der Haarschneidekunst der jeweiligen Mütter führen später zu heillosen Gelächter der Freunde der Protagonisten und zu wütenden Äußerungen, bis zu zerstörerischen Maßnahmen der Letztgenannten.
Selten lassen die es ab der Sekundarstufe noch zu, dass sich ihre Mütter, den Vätern ist es meist egal, einmischen und an ihnen verschönernd herum werkeln. In der sechsten Klasse kann man noch hübsche und jugendliche Kinder erkennen, so wie sie von der Natur geplant waren. Spätestens ab der siebten Klasse entsteht ein erstaunlicher Wandel im Aussehen. Nicht nur dass die Nasen der meisten Abgebildeten extrem unproportional im Gesicht wieder zu finden sind, auch das Wachstum der Einzelnen ist unterschiedlicher denn je. Manche könnte man glatt mit dem Lehrpersonal verwechseln und wieder andere als deren Kinder. Außerdem ist es außerordentlich interessant zu beobachten, wie sich die ersten Selbstverschönerungsmaßnahmen der Mädchen auf dem Klassenfoto niederschlagen, ganz in der Art der allerjüngsten Dreikäsehochs, die Fingerfarben ausprobieren dürfen! Selbstverliebte Blicke der Schülerinnen auf ihre Werke in Fotoformat stehen leider im krassen Gegensatz zu dem entsetzten Aufschrei der ignorierten Mütter und dem nachfolgenden Satz, der sich wohl in jedem betroffenen Haushalt gleichen könnte: „Das bezahle ich nicht!“
In den folgenden Jahren und je länger für die Einzelnen die Schule dauert, kehren sie gewöhnlich zur Natürlichkeit zurück, nachdem alles Hässliche, was man nur finden kann, ausprobiert wurde und die Waffenruhe zwischen den Kindern und Eltern immer wieder empfindlich gestört wurde.
Eine meiner Töchter hat diese Wandlungen zum Glück nur gemäßigt vollzogen und mein schon strapaziertes Mutterherz drohte nicht noch einmal zu brechen. Aber eines Tages erzählte sie mir entrüstet eine kurze Geschichte, die ihr mit der Schulfotografin passiert war. Ich glaube, es war in der achten Klasse und ich mischte mich verbotenerweise nicht mehr in ihr graues Aussehen ein. Nachdem die Klassenfotos geschossen waren, kam sie endlich an die Reihe mit den Porträtaufnahmen. Einen Tag zuvor hatte sie Stunden damit verbracht, ihr Lächeln auf alle möglichen Wirkungen hin zu trainieren. Es sollte seriös, bescheiden und vornehm zurückhaltend wirken, nicht wie Kinder, die breit ihre Zähne blecken und denen es noch völlig wurscht ist, wie sie später auf den Fotos aussehen werden. Sie wollte sich von der breiten Klassenmasse abheben. Doch so dachten alle in der Klasse! Das machte es nicht unbedingt leichter! Am nächsten Tag zur besagten Sitzung hatte sie einen Muskelkater rings um den Mund und das besagte Lächeln fiel ihr schwer! Sie ließ es sich nicht anmerken und nahm auf dem Stuhl in der vorgegebenen Haltung Platz. Ein kurzer Blick in den kleinen versteckten Handspiegel und sie fand ihr geübtes Lächeln nach ein paar Anläufen wieder. Die Fotografin ließ sich außerdordentlich viel Zeit und hantierte leider ein langes Weilchen an dem Apparat herum. Es wurde immer schwerer, das Lächeln so lange zu halten. Endlich!
„So, nun lächle ein wenig!“, meinte sie aufmunternd. Wie, was, ich lächle doch schon?!!!!, dachte sich meine Tochter und versuchte einen Hauch mehr zu grinsen als zuvor.
Die Fotografin stellte die Kamera neu ein. „So, du solltest ein wenig mehr freundlich in die Kamera schauen!“
Charly erstarrte fast, tat aber trotzdem wie ihr geheißen, doch nur, damit sie bald erlöst würde. Damals war sie so gehorsam und tat noch, was man ihr sagte. Manchmal! Das sollte sich aber bald für immer ändern!
„Du musst freundlicher sein, nun lächle schon!“ Das mittlerweile angestrengte Lächeln schien noch nicht zu reichen und sie zog ihre Mundwinkel noch breiter. Auch die Nase veränderte daraufhin ihre Form. Sie blähte unwillkürlich vor Wut die Nasenflügel, was sie auch sonst sehr gut konnte. Es reichte immer noch nicht!
Dieses Spielchen wiederholte sich so oft, bis sich ihre geplagten Mundwinkel am Hinterkopf fast berührten. Jetzt, gerade bei diesem Gesichtsausdruck drückte sie endlich den Auslöser!
Die Fotografin lächelte breit und zufrieden und entließ eine entsetzte Schülerin, die von nun an ziemlich böse starrend in die Weltkamera schauen würde.
Im Übrigen war das Ergebnis ganz fantastisch, eines von der Sorte, die man sich gern an die Wand hängen würde. Zumindest als Mutter! Ein breites freundliches Kinderlächeln, ganz ungeübt und nicht vornehm!
Ich darf es aber nicht! Ich muss es sogar verstecken. Sonst landet es im Müll!
Nichts bringt mich mehr zum Lachen, als wenn ich es heimlich aus meiner Schublade hole und es mir betrachte! So lacht sie heute nur noch, wenn sie mich mal wieder ausgetrickst hat!
Wenn ich allein wohne, hänge ich es mir auf! Sehr bald schon!
In der Grundschule sind die Eltern, vor allem die Mütter, an dem Aussehen ihrer Goldschätze extrem interessiert. Das führt manchmal zu erstaunlichen Blüten der Ergebnisse, von Plissékleidchen mit Lackschuhen und aufgetürmten Frisuren der makabersten Art. Auch die Selbsterfahrungen der Haarschneidekunst der jeweiligen Mütter führen später zu heillosen Gelächter der Freunde der Protagonisten und zu wütenden Äußerungen, bis zu zerstörerischen Maßnahmen der Letztgenannten.
Selten lassen die es ab der Sekundarstufe noch zu, dass sich ihre Mütter, den Vätern ist es meist egal, einmischen und an ihnen verschönernd herum werkeln. In der sechsten Klasse kann man noch hübsche und jugendliche Kinder erkennen, so wie sie von der Natur geplant waren. Spätestens ab der siebten Klasse entsteht ein erstaunlicher Wandel im Aussehen. Nicht nur dass die Nasen der meisten Abgebildeten extrem unproportional im Gesicht wieder zu finden sind, auch das Wachstum der Einzelnen ist unterschiedlicher denn je. Manche könnte man glatt mit dem Lehrpersonal verwechseln und wieder andere als deren Kinder. Außerdem ist es außerordentlich interessant zu beobachten, wie sich die ersten Selbstverschönerungsmaßnahmen der Mädchen auf dem Klassenfoto niederschlagen, ganz in der Art der allerjüngsten Dreikäsehochs, die Fingerfarben ausprobieren dürfen! Selbstverliebte Blicke der Schülerinnen auf ihre Werke in Fotoformat stehen leider im krassen Gegensatz zu dem entsetzten Aufschrei der ignorierten Mütter und dem nachfolgenden Satz, der sich wohl in jedem betroffenen Haushalt gleichen könnte: „Das bezahle ich nicht!“
In den folgenden Jahren und je länger für die Einzelnen die Schule dauert, kehren sie gewöhnlich zur Natürlichkeit zurück, nachdem alles Hässliche, was man nur finden kann, ausprobiert wurde und die Waffenruhe zwischen den Kindern und Eltern immer wieder empfindlich gestört wurde.
Eine meiner Töchter hat diese Wandlungen zum Glück nur gemäßigt vollzogen und mein schon strapaziertes Mutterherz drohte nicht noch einmal zu brechen. Aber eines Tages erzählte sie mir entrüstet eine kurze Geschichte, die ihr mit der Schulfotografin passiert war. Ich glaube, es war in der achten Klasse und ich mischte mich verbotenerweise nicht mehr in ihr graues Aussehen ein. Nachdem die Klassenfotos geschossen waren, kam sie endlich an die Reihe mit den Porträtaufnahmen. Einen Tag zuvor hatte sie Stunden damit verbracht, ihr Lächeln auf alle möglichen Wirkungen hin zu trainieren. Es sollte seriös, bescheiden und vornehm zurückhaltend wirken, nicht wie Kinder, die breit ihre Zähne blecken und denen es noch völlig wurscht ist, wie sie später auf den Fotos aussehen werden. Sie wollte sich von der breiten Klassenmasse abheben. Doch so dachten alle in der Klasse! Das machte es nicht unbedingt leichter! Am nächsten Tag zur besagten Sitzung hatte sie einen Muskelkater rings um den Mund und das besagte Lächeln fiel ihr schwer! Sie ließ es sich nicht anmerken und nahm auf dem Stuhl in der vorgegebenen Haltung Platz. Ein kurzer Blick in den kleinen versteckten Handspiegel und sie fand ihr geübtes Lächeln nach ein paar Anläufen wieder. Die Fotografin ließ sich außerdordentlich viel Zeit und hantierte leider ein langes Weilchen an dem Apparat herum. Es wurde immer schwerer, das Lächeln so lange zu halten. Endlich!
„So, nun lächle ein wenig!“, meinte sie aufmunternd. Wie, was, ich lächle doch schon?!!!!, dachte sich meine Tochter und versuchte einen Hauch mehr zu grinsen als zuvor.
Die Fotografin stellte die Kamera neu ein. „So, du solltest ein wenig mehr freundlich in die Kamera schauen!“
Charly erstarrte fast, tat aber trotzdem wie ihr geheißen, doch nur, damit sie bald erlöst würde. Damals war sie so gehorsam und tat noch, was man ihr sagte. Manchmal! Das sollte sich aber bald für immer ändern!
„Du musst freundlicher sein, nun lächle schon!“ Das mittlerweile angestrengte Lächeln schien noch nicht zu reichen und sie zog ihre Mundwinkel noch breiter. Auch die Nase veränderte daraufhin ihre Form. Sie blähte unwillkürlich vor Wut die Nasenflügel, was sie auch sonst sehr gut konnte. Es reichte immer noch nicht!
Dieses Spielchen wiederholte sich so oft, bis sich ihre geplagten Mundwinkel am Hinterkopf fast berührten. Jetzt, gerade bei diesem Gesichtsausdruck drückte sie endlich den Auslöser!
Die Fotografin lächelte breit und zufrieden und entließ eine entsetzte Schülerin, die von nun an ziemlich böse starrend in die Weltkamera schauen würde.
Im Übrigen war das Ergebnis ganz fantastisch, eines von der Sorte, die man sich gern an die Wand hängen würde. Zumindest als Mutter! Ein breites freundliches Kinderlächeln, ganz ungeübt und nicht vornehm!
Ich darf es aber nicht! Ich muss es sogar verstecken. Sonst landet es im Müll!
Nichts bringt mich mehr zum Lachen, als wenn ich es heimlich aus meiner Schublade hole und es mir betrachte! So lacht sie heute nur noch, wenn sie mich mal wieder ausgetrickst hat!
Wenn ich allein wohne, hänge ich es mir auf! Sehr bald schon!
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