Mittwoch, 1. August 2012
Portemonnaie
ustrarisa, 17:44h
Gestern war ich in den Reihen der graugesichtigen und der Kraft entzogenen Menschen. Es passiert mir nicht häufig, dafür ist es umso heftiger.
Der Tag begann, wie der Abend davor endete. Mein Portemonnaie war nicht da und mir zog es bei dem Gedanken den Magen zusammen. Die Hoffnung, es wiederzufinden war noch ziemlich groß, denn ich hatte es vor dem Autotausch noch gehabt. Aber auch nach der Kontrolle beider Autos blieb es verschwunden. Ich wollte die bevorstehende Katastrophe nicht wahrhaben und bastelte mir phantasievoll verschiedene Hoffnungsschimmer zusammen. Ohne mein Portemonnaie? Das konnte einfach nicht sein und gehen! Ich hatte noch nie eines verloren, zum Glück!
Meine Identität, meine Geschichte und mein Geld konnten einfach nicht fort sein. Allein die Anschaffung aller Papiere, die ich natürlich entgegen aller besserwissenden Ratschläge in dem ledernen Täschchen gesammelt und mit mir herumtrage, würde ziemlich teuer, langwierig und nervig werden. Das Geld dafür würde ich mir aus den Rippen schneiden müssen, angesichts des in diesem Jahr vorangegangenen Autodiebstahls.
Ich war so verzweifelt, dass ich mich auf nichts mehr konzentrieren konnte. Das alltägliche Geschehen übernahm mein kleiner innerer Automat. Jede weitere Nervenfaser war damit beschäftigt, meine Angst vor dem Verlust kleinzuhalten.
Doch es blieb verschwunden und meine Laune, Hoffnung und Phantasie schwand wie das Eis in der Sonne. Zurück blieb nur eine hässliche Verzweiflung, die mich ganz und gar eingenahm.
Ausgerechnet an diesem Tag musste ich meine Wohnung an die Hausverwaltung übergeben, obwohl wir noch lange nicht fertig waren. Das kam erschwerend hinzu. Diese Verwaltung trägt leider das Schild der rachsüchtigen Ungnädigen vor sich grinsend her. Tja, selbst schuld, wenn sie hier eingezogen sind, nicht wahr, Herr Mieter?? Dies Angst seit einem Monat bedrückte mich an diesem Tag ohnehin unerträglich.
Dafür sah ich zum ersten Mal meine Kinder gemeinsam und ohne Streitereien die immer leerer werdende Wohnung renovieren und das musste sofort auf der Kamera festgehalten werden, denn dies würde sicher so schnell nicht wieder passieren. Nur ein kurzer Moment der Ablenkung und Freude, dann stiefelte ich vollbeladen mit dem Restmüll meiner Wohngeschichte des Hauses Richtung Mülltonne, wieder in Gedanken an mein verlorenes Portemonnaie.
„Lieber Gott, wenn es dich irgendwie geben sollte, dann lass es bitte wieder vom Himmel fallen!“ Ich betete diesen Satz wie ein Mantra hilflos einem kleinem Kind gleich wieder und wieder. Es kann doch einfach nicht sein, dass es weg ist! Es darf nicht sein. Ich wollteja so gern glauben können wie ein Kind, obwohl ich es doch besser wissen musste. Dazu kam, dass ich meinen Vorruheständler gnaden- und emotionslos meckern hörte: „ Tja, wenn man nicht aufpasst!“ und „Es kann wohl sein, was nicht sein darf…!“ Sobald er diesen Satz auch nur aussprechen würde, müsste ich ihn eliminieren! Diese Binsenweißheit hatte er bei jeder Gelegen- und Ungelegenheit parat, egal wie groß der Schaden an einem selbst schon war. Als ob das meiner gebeutelten Seele auch nur ein Stück zu Trost verhelfen würde!
Ich war fast schon mit meinen Gedanken und dem Restmüll an der Tonne angelangt, kam mir ein etwas älterer Mann mit nicht besonders vorteilhafter Figur und Bekleidung entgegen. Er sah mich während des Laufens interessiert an, ja er lenkte sogar seine Schritte auf mich zu. Dabei wedelte er mit der einen Hand und hielt darin etwas Schwarzes. Etwas Schwarzes!!!! Mein Gehirn machte einen Aussetzer und Sprung zugleich. Sollte das etwa…?????
„Ich habe ihr Portemonnaie!“ , schrie er und schon war er auf meiner Höhe. Vor mir hielt er mein Portemonnaie! Das prall gefüllte und heiß ersehnte kleine Täschchen! Mein Portemonnaie!
Es gibt sie also doch, die Erfüllung von Gebeten! Sollte es nur Zufall gewesen sein, ist es mir auch egal. Für mich bleibt es ein Wunder, dass in der heutigen Zeit ein Mensch mein Portemonnaie ohne Eigennutz an mich zurückgegeben hat. Ich weinte und lachte zugleich. Ich hatte mein Utensil direkt vor meinem Auto verloren und der Finder hat es wohl kurz danach entdeckt, weil er nachts zur Arbeit musste. Ich sahr ihn an und er war so ein schöner Mann mit seinen freundlichen Lachfalten im Gesicht. Ein richtiger Held und mir war, dass ihm der Umhang eines Königs gestanden hätte, so edel kam er mir vor! Schönheit liegt tatsächlich immer im Auge des Betrachters !
Er wollte nicht einmal die angebotenen zehn Euro, die ich ihm aber doch im Schwung meines riesigen Glückes aufdrängte. Sprudelnd erzählte er mir die Geschichte des Findens und ich nahm jedes Wort seiner Ausführungen wie die von einer ausgezeichneten Erzählung auf.
Da stand es, mein Glück und Antwort auf meine Gebete.
Manchmal bedarf ein großes Glück zuerst ein großes Unglück, um geschätzt zu werden!
Der Tag begann, wie der Abend davor endete. Mein Portemonnaie war nicht da und mir zog es bei dem Gedanken den Magen zusammen. Die Hoffnung, es wiederzufinden war noch ziemlich groß, denn ich hatte es vor dem Autotausch noch gehabt. Aber auch nach der Kontrolle beider Autos blieb es verschwunden. Ich wollte die bevorstehende Katastrophe nicht wahrhaben und bastelte mir phantasievoll verschiedene Hoffnungsschimmer zusammen. Ohne mein Portemonnaie? Das konnte einfach nicht sein und gehen! Ich hatte noch nie eines verloren, zum Glück!
Meine Identität, meine Geschichte und mein Geld konnten einfach nicht fort sein. Allein die Anschaffung aller Papiere, die ich natürlich entgegen aller besserwissenden Ratschläge in dem ledernen Täschchen gesammelt und mit mir herumtrage, würde ziemlich teuer, langwierig und nervig werden. Das Geld dafür würde ich mir aus den Rippen schneiden müssen, angesichts des in diesem Jahr vorangegangenen Autodiebstahls.
Ich war so verzweifelt, dass ich mich auf nichts mehr konzentrieren konnte. Das alltägliche Geschehen übernahm mein kleiner innerer Automat. Jede weitere Nervenfaser war damit beschäftigt, meine Angst vor dem Verlust kleinzuhalten.
Doch es blieb verschwunden und meine Laune, Hoffnung und Phantasie schwand wie das Eis in der Sonne. Zurück blieb nur eine hässliche Verzweiflung, die mich ganz und gar eingenahm.
Ausgerechnet an diesem Tag musste ich meine Wohnung an die Hausverwaltung übergeben, obwohl wir noch lange nicht fertig waren. Das kam erschwerend hinzu. Diese Verwaltung trägt leider das Schild der rachsüchtigen Ungnädigen vor sich grinsend her. Tja, selbst schuld, wenn sie hier eingezogen sind, nicht wahr, Herr Mieter?? Dies Angst seit einem Monat bedrückte mich an diesem Tag ohnehin unerträglich.
Dafür sah ich zum ersten Mal meine Kinder gemeinsam und ohne Streitereien die immer leerer werdende Wohnung renovieren und das musste sofort auf der Kamera festgehalten werden, denn dies würde sicher so schnell nicht wieder passieren. Nur ein kurzer Moment der Ablenkung und Freude, dann stiefelte ich vollbeladen mit dem Restmüll meiner Wohngeschichte des Hauses Richtung Mülltonne, wieder in Gedanken an mein verlorenes Portemonnaie.
„Lieber Gott, wenn es dich irgendwie geben sollte, dann lass es bitte wieder vom Himmel fallen!“ Ich betete diesen Satz wie ein Mantra hilflos einem kleinem Kind gleich wieder und wieder. Es kann doch einfach nicht sein, dass es weg ist! Es darf nicht sein. Ich wollteja so gern glauben können wie ein Kind, obwohl ich es doch besser wissen musste. Dazu kam, dass ich meinen Vorruheständler gnaden- und emotionslos meckern hörte: „ Tja, wenn man nicht aufpasst!“ und „Es kann wohl sein, was nicht sein darf…!“ Sobald er diesen Satz auch nur aussprechen würde, müsste ich ihn eliminieren! Diese Binsenweißheit hatte er bei jeder Gelegen- und Ungelegenheit parat, egal wie groß der Schaden an einem selbst schon war. Als ob das meiner gebeutelten Seele auch nur ein Stück zu Trost verhelfen würde!
Ich war fast schon mit meinen Gedanken und dem Restmüll an der Tonne angelangt, kam mir ein etwas älterer Mann mit nicht besonders vorteilhafter Figur und Bekleidung entgegen. Er sah mich während des Laufens interessiert an, ja er lenkte sogar seine Schritte auf mich zu. Dabei wedelte er mit der einen Hand und hielt darin etwas Schwarzes. Etwas Schwarzes!!!! Mein Gehirn machte einen Aussetzer und Sprung zugleich. Sollte das etwa…?????
„Ich habe ihr Portemonnaie!“ , schrie er und schon war er auf meiner Höhe. Vor mir hielt er mein Portemonnaie! Das prall gefüllte und heiß ersehnte kleine Täschchen! Mein Portemonnaie!
Es gibt sie also doch, die Erfüllung von Gebeten! Sollte es nur Zufall gewesen sein, ist es mir auch egal. Für mich bleibt es ein Wunder, dass in der heutigen Zeit ein Mensch mein Portemonnaie ohne Eigennutz an mich zurückgegeben hat. Ich weinte und lachte zugleich. Ich hatte mein Utensil direkt vor meinem Auto verloren und der Finder hat es wohl kurz danach entdeckt, weil er nachts zur Arbeit musste. Ich sahr ihn an und er war so ein schöner Mann mit seinen freundlichen Lachfalten im Gesicht. Ein richtiger Held und mir war, dass ihm der Umhang eines Königs gestanden hätte, so edel kam er mir vor! Schönheit liegt tatsächlich immer im Auge des Betrachters !
Er wollte nicht einmal die angebotenen zehn Euro, die ich ihm aber doch im Schwung meines riesigen Glückes aufdrängte. Sprudelnd erzählte er mir die Geschichte des Findens und ich nahm jedes Wort seiner Ausführungen wie die von einer ausgezeichneten Erzählung auf.
Da stand es, mein Glück und Antwort auf meine Gebete.
Manchmal bedarf ein großes Glück zuerst ein großes Unglück, um geschätzt zu werden!
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