Sonntag, 23. November 2014
Nutella
Einsam und gottseidank verlassen sitze ich in der kleinen roten Gaststube und höre der wunderbaren Musik aus dem Klassikradio zu. Draußen entfernt sich brummend und immer leiser werdend das kleine blaue Auto, welches die zwanzig Enten, die gestern noch mit matschiggrauen Federkleidern über die Wiese trappelten, in die heimatliche Küche bringen würde. Noch nachgerupft und sorgsam mit Gewürzen versehen werden sie Dezemberenten auf weihnachtlichen Tellern sein. Ein bisschen komisch wird mir dabei, denn früher habe ich sie gefroren gekauft und keinen Bezug zu ihnen gehabt, aber heute?
Mein mit mir verheirateter Nachbar kommt etwas missmutig durch die immer noch quietschende Tür und fragt, ob man gemeinsam frühstücken wolle. Will ich nicht, weil ich auf dem Frühstücksweg für den Pensionsgast selbst ein bisschen gegessen habe und nun satt bin. Noch missmutiger und schweigend stapft der weißhaarige Tierpfleger hinaus. Insgeheim bedaure ich die Situation, aber ich mag keine ritualisierte Frühstückszeit beim Nachrichtenfernsehen, welche sich auf Schweigen oder politische Gespräche festfahren werden.
Ich sehne mich nach Lachen, Singen und ein bisschen unvorhergesehene Verrücktheit, zur Erfrischung der Seele und als Katalysator für den Tag. Früher saß ich mit meinen Kindern um den Frühstückstisch….ewig lange Zeit und man schnatterte, stritt sich gelegentlich, sang zusammen und im Kanon und oft klappte eine Tochter das Klavier auf, begleitete den elfengleichen Gesang der feinen Lieder, die die Kinder damals sangen. Schon zu dieser Zeit wusste ich, dass sie endlich sein würde, diese Zeit, die so schön war und meine Seele zum Klingen brachte.
Davon wird nichts mehr kommen und daher ziehe ich es vor, hier zu bleiben. Somit bekommt jeder das, was er braucht, der Nachbar seine Nachrichten und die Broschüren, die gelesen werden wollen und ich die schöne Musik und das Tippen auf der Tastatur, welches meineTräume und Wahrheiten einfängt.
Vor mir steht ein halbvolles Glas Nutella und ich sinniere still. Meine erste Begegnung mit dieser Sorte Köstlichkeit hatte ich mit cá zehn Jahren. Ein Onkel aus Göttingen brachte uns dieses faszinierende Glas der Schokoladencreme mit. Ein paar Tage musste es stehenbleiben, weil man allein den Anblick schon verführerisch genug empfand. Irgendwann drängelten wir Kinder, doch endlich einmal kosten zu dürfen. Drinnen glänzte uns die braune, cremige und frisch duftenden Masse entgegen. Jeder bekam einen Teelöffel und man durfte damit hineintauchen. Ich tauchte sehr tief und erntete sofort böse Worte. Ich schämte mich zwar, aber war doch froh, dass ich es getan hatte.
Was für ein Geschmack!!!!!! Nougat pur! Meine Lieblingsschokolade und davon ein ganzes Glas voll. Ich schmolz fast dahin und bettelte, noch einmal einen vollen Löffel zu bekommen. Ich bekam ihn nicht. Meine Gedanken kreisten unaufhörlich den ganzen Tag um diese Köstlichkeit.
Am nächsten Tag waren meine Eltern weg und ich wusste, wo das Glas stand. Ich schraubte es auf und steckte meinen Finger ganz ohne Löffel hinein….es schmeckte noch besser als am Tag zuvor und ich schielte fast vor Glück. Noch einmal und noch einmal und noch einmal. Jeden Tag tat ich das. Vor lauter Sparsamkeit hatten meine Eltern nicht mehr an das Glas gedacht und ich dafür jeden Tag ein schönes Zeitchen, gespickt mit einem schlechten Gewissen. Ich beruhigte es ordentlich mit Nutella und dämpfte damit die Eigenermahnungen. Irgendwann war das Glas leer und ich erschrak! Das würde Ärger geben!!! Ich nahm hastig das Glas, spülte es aus und versteckte es.
Niemand fragte mehr danach und ich wunderte mich sehr, doch nach einiger Zeit war das vergessen.
Zu meinem Glück!
Jahre später, als ich schon im Westen weilte und das Land noch geteilt
Ich erhielt einen Brief zurück und darin stand, dass ich nicht die Einzige war, die sich jeden Tag an dem Glas zu schaffen gemacht hatte, sondern jeder Einzelne der Familie tat es und hielt sich für den Schwerverbrecher. Keiner erwähnte daher das Verschwinden und war froh, dass die anderen Familienmitglieder nichts gesagt hatten.
Ein großes gemeinsames Lachen vereinte uns nach Jahren bei einem gemeinsamen Nutellafrühstück!war, schickte ich meiner Familie ein großes Glas mit der Schokoladenerinnerung und legte ein Briefchen mit der Geschichte des ersten Glases bei.

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Samstag, 22. November 2014
Eine heiße Schokolade für den Thaliban
Der regnerische Novembersonntag war fast zu Ende, als in dem kleinen Restaurant quietschend die Tür geöffnet würde. Eine Gestalt im grünen Regencape und riesigem Rucksack schob sich mit suchendem Blick in die gemütliche Gaststube. Die Wirtin und ihre drei letzten Gäste schauten gleichzeitig und sehr neugierig in die Richtung des Neuankömmlings. Der ließ sich davon nicht beirren, suchte sich eine ruhige Stelle und nahm langsam Platz!
Die Wirtin stand auf und ging in seine Richtung.
“Kann ich Ihnen etwas bringen?”, fragte sie ihn freundlich und musterte ihn unmerklich. Er schien noch nicht alt zu sein, fünfundzwanzig oder nur knapp älter, aber auf keinen Fall jünger. Sein schwarzer und fast schon langer Bart war ziemlich ungepflegt und etwas wirr. Auch sein Kopfhaar stand nach allen Himmelsrichtungen ab.
“Bitte eine heiße Schokolade mit viel Sahne!”, antwortete er mit einem guten, aber doch deutlich akzentlastigem Deutsch.
“Aber natürlich!”, erwiderte sie und kümmerte sich augenblicklich um die Zubereitung des Gewünschten.
Die drei anderen Gäste taten uninteressiert und unterhielten sich weiter, obwohl sie den Unbekannten nicht aus ihren Augenwinkeln ließen.
Die Bestellung war schnell bereitet und mit einem freundlichen “Ah” entgegen genommen.
“Haben Sie hier ein Web?”
“Ähm, was?”, fragte die Gastgeberin, weil sie den Sinn der Frage nicht erfasst hatte.
“Das world web oder Internet?”, erklärte der Gast freundlich fragend.
“Haben wir schon, aber leider nur über Satelliten! Und das ist genauso langsam wie ihr Handy!” Sie deutete auf sein kleines und angeschaltetes Handy. Es schien nicht altmodisch zu sein, eher ein unauffälliges Smartphone. Ihr Blick wanderte zurück zu dem Besitzer desselben. Ein mulmiger Gedanke durchfuhr sie. Er sah aus wie ein Thaliban! Es fehlte nur noch der Turban und die Beutelbeinkleider. Aber heutzutage waren diese Leute ziemlich angepasst, wenn es um ihre Ziele ging und damit hoffentlich unauffälliger. Doch nicht immer. In Berlin liefen sie manchmal auch in ihren Trachten umher, was zur allgemeinen Ablehnung durch die Einheimischen führte.
Die fünfzigjährige Wirtin hatte viel in den Nachrichten über diese Thaliban, Salafisten oder Anhänger des Islamischen Staates gehört und gesehen. Greueltaten und Ritualmorde, unfassbar!
Ihr Gast sah insgesamt ziemlich wild aus und kam den Beschreibungen und Filmberichten im Aussehen deutlich nahe!
Was hatte so ein Kerl hier verloren? In dieser Einöde?
Alle anderen Gäste tranken gewöhnlich Wein oder Bier, nur er bestellte sich eine Schokolade. Das machte ihn noch mehr verdächtig! Ein Mann wie er und Schokolade? Hmm…. Schließlich lehnen diese Menschensortierungen Alkohol als Dämon der Gesellschaft ab.
“Ach quatsch, du wirst hysterisch!”, beschwichtigte sie sich selbst wieder, aber sicherheitshalber wollte sie sich nicht verdächtig benehmen, wer wusste schon, was sonst passieren könnte!
Die anderen drei Dorfbewohner, die sich allwöchentlich hier trafen, verabschiedeten sich und gingen gemeinsam nach Hause. Ein kleiner, geflüsterter Scherz zu Lasten des Thaliban und die Wirtin war allein mit ihrem letzten, ungewöhnlichen Gast.
Die Schokolade war längst ausgetrunken und der junge Mann saß vor seinem kleinen Laptop, den er zwischenzeitlich ausgepackt hatte.
“Unmodern war er nicht, eher der Technik angepasst…!”, stellte sie fest. Sie ließ sich trotzdem nicht von ihrer Freundlichkeit abbringen und fragte, ob sie ihm noch etwas bringen könne.
“Nein, ich brauche nichts!”, antwortete er in seinem brüchigen Deutsch.
“In zwanzig Minuten schließe ich, Sie müssten dann gehen.”, meinte sie ihm zugewandt.
“Oh ja, ich gehe gleich!”, antwortete er freundlich.
Es ließ ihr dennoch keine Ruhe, wo er bei der Dunkelheit hin laufen wollte, denn ein Fahrrad schien er nicht dabei zu haben oder ein anderes Gefährt.
“Wohin wollen Sie den jetzt noch hin?”, fragte sie skeptisch. “Hier in der Nähe ist doch keine Unterkunft, außer unserer Pension!”
“Ich kann nicht hier bleiben, dafür fehlt mir das Geld!”, erwiderte er bedauernd. “Aber so in zweihundert Metern ist eine Hütte, wo ich lagere.” Er schaute auf sein Handy und schien im Navigationsgerät diese Unterkunft zu suchen. Dann schüttelte er den Kopf.
Sie schielte auf den Bildschirm seines Handies und sah dort nur grüne Flächen, aber keine Hütte eingezeichnet.
Sie überlegte, wo diese Hütte sein sollte, denn sie wusste überhaupt nichts davon. Sie wohnte und arbeitete sie noch nicht lange in dieser ländlichen und kaum bewohnten Gegend und kannte sich dementsprechend auch noch nicht aus. Eine solche Hütte war ihr weiß Gott noch nicht aufgefallen. Und wenn SIE es nicht wusste, dann würde er Schwierigkeiten haben, diese bei der Dunkelheit zu finden. Und das bei diesem Wetter! Draußen hatte es schon den ganzen Tag im tristen Grau genieselt und es ließ sich niemand zu Fuß blicken. Jeder sah zu, so schnell wie möglich wieder nach Hause zu kommen.
Die Wirtin überlegte. Sollte sie diesen jungen Mann wirklich in diese Ungewissheit entlassen? Er tat ihr leid und sie warf sämtliche Bedenken über Bord.
“Wissen Sie was? Sie bleiben diese Nacht hier! Ich habe sowieso keine Gäste und alle Zimmer sind leer. Ich überlasse Ihnen eines davon und Sie können in Ruhe schlafen und sich duschen, vielleicht sogar fernsehen. Ich glaube nicht, dass Sie das Haus finden werden und schon gar nicht in der Dunkelheit!” Sie nahm dabei den Zimmerschlüssel des Einzelzimmers in die Hand und winkte ihm auffordernd zu.
Wahrscheinlich hatte er nicht alles verstanden, denn er schaute sie verwirrt an.
“Kommen Sie! Nehmen Sie bitte ihre Sachen und folgen mir!”
Er tat, wie ihm geheißen und zögerlich stieg er die gewundene Holztreppe hinter ihr her in die erste Etage. Sie schloss die Tür auf, machte ihm mit einladenden Handzeichen klar, dass er sich das Bad anschauen solle und drehte die Heizung auf.
“Wirklich? Aber ich habe kein Geld?!”, stotterte er ein wenig verlegen.
“Ja, das weiß ich, aber ich kann Sie nicht in die Dunkelheit entlassen, es ist zu spät für Sie! Und die Zimmer stehen sowieso leer!”
Ein glückliches Lächeln huschte über seine Gesichtszüge.
“Oh, vielen, vielen Dank!”, antwortete er mit einer Freude in der Stimme, die ihr die Entscheidung leichter machte.
“Und jetzt kommen Sie wieder mit hinunter. Ich mache Ihnen eine heiße Suppe, danach können Sie ausruhen und schlafen!”
Sie beeilte sich, das Versprochene aufzuwärmen.
Er aß die heiße und gut gewürzte Gulaschsuppe mit dem warmen und knusprigen Brötchen ziemlich schnell auf, so, als würde er schon länger nichts mehr derartiges bekommen haben. Eine Zufriedenheit der Beiden breitete sich im Raum aus.
“Woher kommen Sie?” unterbrach sie die Stille.
“”Direkt von Leipzig:”, antwortete er.
“Ich meinte, aus welchem Land sind Sie gekommen?”
“Ah….ich komme aus der Tchechai.” Er lächelte ihr zu.
Eine große Erleichterung erfüllte sie.
“Tchechai! Daher kamen gewöhnlicherweise keine Thaliban. Ein christliches Nachbarland und gemütliche Leute!” , dachte sie. Sie war schon einmal nach dem Abitur dort gewesen und an der Moldau entlang maschiert, mit 22kg Gepäck, fast wie er.
Sie hatten damals kein Geld für Zeltplätze und waren gezwungen, wild zu campen. Für die tägliche Hygiene musste die Moldau herhalten, was sich aber als ganz schlecht herausstellte, wie sie einige Tage später feststellen musste. Sie bekam am ganzen Körper Blasen, selbst in den Ohren und sie musste ihre Reise vorzeitig abbrechen. Zu Ostzeiten wurde in die Moldau alles ungefiltert eingeleitet und an einigen flachverlaufenden Stellen des wunderschönen Flusses schwammen die Fische mit den Bäuchen nach oben. Ansonsten hatte ihr die Tchechai sehr gut gefallen.
Daran erinnerte sie sich, sagte aber nichts davon.
Er bedankte sich noch einmal und ging mit seinem Gepäck in das angebotene Zimmer.
Sie überlegte sich, dass er morgen sicher auch kein Frühstück haben würde und schnappte sich eine Tüte, packte zwei Wiener Würstchen, eine kleine Flasche Cola, einen Apfel und eine Orange, drei Brötchen mit Butter und verschloss sie. Sie wollte ihm die Tüte direkt vor die Tür legen, damit er sie ja auch finden würde, wenn er morgens seine Reise wieder antrat. Im Googleübersetzer schrieb sie auf deutsch:
“Ich wünsche Ihnen eine gute Reise und anbei ein kleines Frühstück, damit Sie dafür auch Kraft genug haben!
Málo potravy na cestu, tak oni maji na dlouhou cestu!”
Dann schlich sie sich die Treppe hoch, damit er nicht gestört würde oder ihre Absichten missdeuten könnte.
Sie hatte ihm gesagt, dass, wenn sie sich nicht mehr sehen würden, er die Schlüssel einfach im Schloss stecken lassen solle. Danach löschte sie überall die Lichter und ging nach Hause.
Sie erwähnte nichts davon im abendlichen Gespräch. Garantiert würde sie für verrückt gehalten und auf Diskussionen in dieser Hinsicht hatte sie keinerlei Lust. Sie selbst war sich ihrer Sache fast sicher, ein kleines Restrisiko würde sicherlich immer bleiben.
Nach einer gut geruhten Nacht ging sie morgens gegen zehn Uhr in die kleine Pension, die direkt gegenüber ihrer Wohnung lag.
Der junge Mann war wirklich schon abgereist. Alles schien gut verlaufen zu sein und sie öffnete die Tür zu seinem Nachtquartier. Alles war ordentlich und die Bettdecke sorgsam zusammen gelegt. Auf dem kleinen Tischchen neben dem Bett lag ihr Zettel mit der Übersetzung und mit Kuli waren ein paar Worte dazu geschrieben worden.
“Danke…..und alles Gute….Betz aus Czech Republic, Pountnik=Pilger”
Eine kleine gemalte Sonne mit einem lachenden Gesicht verzierte die nette Antwort.
Sie lächelte und freute sich ungemein über diese kleinen Zeilen. Damit hatte sie gar nicht gerechnet und es war ihr, als hätte er ihr ein großes Geschenk gemacht. Dabei fiel ihr einen kleine und bedruckte Holzscheibe in der Größe eines großen Knopfes auf. Ein Datum desselben Jahres , 1.6.2014 waren eingebrannt und dazu die Worte: “Peace-Unity-Charity-Hospitality”, darunter im gleichen Bogen: “Czech Republic-Trondheim (Norway)” und auf der anderen Seite: “Walking around the world Poutnik, Pesky kolem Sveta. Ein wunderschönes, gleichmäßiges Kreuz und der Erdball rundeten dieses Pilgergeld ab.
Sie war zu Tränen gerührt, fast schon sentimental. Sie freute sich über seine Geste wahrscheinlich mehr als er sich über seinen Schlafplatz . Sie steckte sich dieses Holzscheibchen in ihr Portemonnaie. Dort sollte es für immer bleiben, als Andenken an diesen schönen Moment. Sie schickte ihm gedanklich noch viele gute Wünsche auf seine Reise und hoffte, dass er unbeschadet sein Ziel erreichen würde.
Ab und zu schaute sie sich dieses kleine Dankeschön an und spürte dann jedes Mal diese Freude, die durch die Geschichte entstanden war.
Ein kleines Bisschen Mut und Vertrauen gehört zum Leben dazu! Dieses Mal hatte es sich auf eine feine Weise ausgezahlt, für beide Protagonisten!

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Dienstag, 15. Oktober 2013
Spaghetti
Da es bei uns staubig wie in der Wüste Gobi ist oder einem erloschen Vulkan oder nach einer Atomexplosion sehe ich ab von großen Menüplanungen. Nachdem ich vorgestern und gestern äußerst leckere Rouladen auf den Tisch gesetzt habe und der Pensionär skeptisch meinte, warum sie denn so zerfallen würden (Du Obermufti, weil das Fleisch eben einfach so zart ist????!!!!), verlegte ich mich auf die Anfänge meiner Kochkunst, auf Spaghetti. Nudeln zu kochen ist ja nicht unbedingt eine Kunst, doch die Soßen dazu haben es in sich. Es gibt Leute, die schütten sich einfach nur Ketchup über die Nudeln (grässlich!) und wiederum Andere zelebrieren das einfache Gericht wie in einem Fünf Sterne Restaurant. Ich liege so in der Mitte des Ganzen. Am liebsten mag ich Bolognese und kochte das für meine Nachkommen vorzugsweise, aber als ich selbst noch Kind war, reichte eine einfache rote Soße zu den Nudeln.
Für meinen Pensionär kochte ich natürlich die Fleischbolognesevarante, der daraufhin meinte, dass er darauf nicht so stehen würde.
???????????????????????
„Ich denke, du isst vorzugsweise Mittagessen mit Fleisch?“, fragte ich misstrauisch.
„Nein, aber Bolognese mag ich nicht so! Ich mag einfach nur die rote Soße!“, sagte er mit schüttelndem Kopf.
Was für eine Schlicht- und Bescheidenheit! Sehr ungewohnt und verdächtig……
Heute war es nun an der Zeit, ihn beim Wort zu nehmen. Ein bisschen war noch von der Rouladensoße übrig, die ich mir auf die fertigen Nudeln goss, aber für meinen Pensionär köchelte ich ein feines rotes Sößchen, mit echten Tomaten, feinen Gewürzen, Salz und eine Idee Zucker.
Am Tisch teilte ich das Essen auf und wir aßen.
„Und…..schmeckt es dir denn?“, fragte ich erwartungsfroh, denn nun gab es sicherlich nichts auszusetzen.
„Nö!“, kam prompt als Antwort. Ich war fassungslos und meine Laune sank zusehends!
„Hast du das Salz vergessen?“, meinte er, langte zum Salzstreuer und überschüttete sein Mahl mit einer glitzernen Schicht des Inhalts. Ich dachte dabei an seinen hohen Blutdruck.
„Was?“ Ich hatte vorher probiert und es fehlte keineswegs Salz und salzarmes Essen ist nicht mein Ding. Ich kniff meinen Mund zusammen, um nicht etwas zu erwidern, was eine Diskussion angeheizt hätte.
„Das ist doch die rote Soße, die du immer haben wolltest??!!“, erwiderte ich mit kaum sichtbar zusammengezogenen Augenrauen.
„Ich hätte lieber die Rouladensoße von gestern gehabt!“
Das Bisschen hatte ich nur mir auf den Teller getan, für Zwei hätte es nicht gereicht.
„Das war doch nur ein Rest und du hast deine gewünschte rote Soße bekommen!“
„Aber die schmeckt nicht so, wie erwartet!“ Er schaute mich unschuldig an.
„Was hast du gedacht, wie die schmecken soll, oder besser gesagt, wie machst du die rote Soße?“, fragte ich ihn nun mittlerweile leise zischend. Zwei Jahre lang hatte er sich selbst „bekocht“ und nun wollte ich wissen, wie! Mir schwante da etwas! Es war unglaublich! Kann man es dem Heinz denn nie recht machen?
„Naja, ich nehme Tomatenkonzentrat, vermische es mit Butter und Salz, mache es warm und das ist meine rote Soße. Die schmeckt mir gut!
Arrggghhh! Schluck, würg!!!!
Das nenne ich mal Bescheidenheit! Wenn ich das doch bloß gewusst hätte!! Aber ich wette, wenn ich das so gekocht hätte, gäbe es garantiert etwas zum Daranherummäkeln.Seine Kochkünste sind unbeschreiblich! Ich hatte davon schon ein paar Kostproben und war nicht erpicht, von dieser Kunst zu leben. Aber, ich sollte doch vielleicht nur noch Dosen aufmachen und Tuben ausquetschen, dann ist das sicherlich richtig! Was so ein richtiger Gourmet ist, dem kann natürlich nichts wirklich recht machen und schon gar nicht von einer profanen Hausfrau wie mir!

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Dienstag, 10. September 2013
!!!!!!!!!
!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Ich bin heute eine Zeugin geworden. Die Zeugin eines Mordes!! Ich sitze ganz bleich und mit Schweißtropfen auf der Couch, unfähig, mich zu rühren.
Dieser kleine Ort, beschaulich und ruhig, kaum, dass ein Auto sich hierher verirrt, hat das Grauen gesehen! Eine Tragödie und ich...... mittendrin. Wäre ich doch nur in Berlin geblieben! Ich kann es kaum fassen, so geschockt bin ich. Immer noch warte ich hier auf die Befragung durch die Polizei, und sie lassen lange auf sich warten. Aber ich muss mich sowieso erst einmal beruhigen.
Was ist eigentlich geschehen?
Ich saß auf der Couch und trank meinen längst überfälligen Kaffee mit heißem Milchschaum. Da hörte ich es plötzlich leise quietschen, so als würden Sprungfedern wieder zurückschnellen.
Merkwürdig! Ich sehe gar nichts?! Doch das Quietschen wiederholt sich und ich werde unruhig. Meine Augen werden von einem Moment auf den anderen blitzartig riesig und ich bin wie gelähmt!!
Da!!! Groß und mörderisch steht sie vor der kleinen Kreatur und sticht mit den scharfen gottgegebenen Klingen zu, in den Bauch und in den Kopf. Ich habe keinen der Beiden kommen sehen oder gar gehört. Mir stehen die Haare zu Berge! Ein leises Wimmern folgt und ich bin nicht in der Lage, dem Grauen ein Ende zu setzen, denn ich werde mit bitterbösen Blicken bedacht. Die feinen Gesichtszüge der Mörderin, mit ihren zarten und schönen Gliedern an dem schlanken, grazilen Körper, eine natürliche Schönheit, steht wie zum Sprung in die Flucht. Noch ein leises Röcheln folgt, ein klägliches Quitschen und die letzten Zuckungen des Opfers gehen in ein weiches Zusammensacken über. Die zahlreichen Wunden hatten ihr kein Überleben mehr geschenkt, selbst der Notarzt hätte hier nichts mehr tun können!!!
Meine Freundin schaute mich zufrieden an. Ich sprach sie vorsichtig an, aber sie antwortete mir nicht. Ich glaubte, ein Lächeln über ihr Gesicht huschen zu sehen. Sie strich sich seelenruhig die Haare zurecht und wandte sich von mir weiterhin wortlos ab.
Meine Gedanken überschlugen sich! Meine Güte, sie hat das doch nicht nötig gehabt! Wir kennen uns schon ein Jahr und trotzdem bezieht sie mich in ihre böse Tat mit ein. Das hätte ich nicht von ihr gedacht. Aber man täuscht sich oft in seinem Gegenüber! Mord aus niederen Beweggründen, würde ich sagen und ich bin nun ihr Komplize!
Sie schleift ihr Opfer fort und erledigt den Rest. Ich wage es, mich zu bewegen und sie mit den Blicken zu verfolgen, damit ich später bei der Polizei wahrheitsgemäße Angaben machen kann, doch der stechende Blick, der mich trifft, lässt mir das But in den Adern gefrieren. Ich verlasse auf Zehenspitzen den Raum, um den Pensionär zu warnen, aber er will mir nicht glauben und lacht nur einfallslos. Als ich verängstigt und trotzdem voller Mut zurück kam, war das Mordopfer nicht mehr da. Es war fort, wie vom Erdboden verschluckt! Wie sollte ich DAS der Polizei erklären?
„Die spinnt doch, die Alte!“ hätten sie milde lächelnd erwidert und mich wieder fortgeschickt, an den heimischen Herd! Ich kann das aber doch nicht für mich behalten??!!! Deswegen ziehe ich es vor, indirekt euch alle zu informieren, in welchen schrecklichen Gefilden ich leben muss, für immer und niemand wird mich je verstehen. Wahrscheinlich ist das hier so, wenn man jemanden loswerden will……tja….da wird eben mal schnell gemordet.
Leute, die Großstadt ist doch viel sicherer!!!!!
Doch der Alltag kommt unweigerlich und ich muss mich fügen. Und da ich ein sehr prakmatischer Mensch bin, der auch mit diesen Greueltaten zurecht kommt und muss, werde ich versuchen, so vernünftig wie möglich weiter zu leben.
Gerade springt mir die Mörderin auf meinen Schoß und schnurrt mich an. Ihr warmer Körper rollt sich auf meinen Schoß zusammen und ein paar Augenaufschläge später schläft sie auf mir, der Komplizin, ein, gefüllt mit ihrem Opfer, der kleinen Maus und ich streichele sie, damit sie nicht auf die Idee kommt, noch bei mir ein Nachtmahl abzubeißen…..und ich werde schweigen…..

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Samstag, 10. August 2013
Blamieren auf Deutsch
Ein schöner und heißer Tag und es gibt ein Fest des Sportschützenvereins, bei dem ich Mitglied geworden bin. Wir sind auch dahin gefahren und es gab dort viele Möglichkeiten, um sich auch am Wochenende zu blamieren. Der Rentner und ich wollten das nicht auslassen und habe erst die schwarzen Tiere angebunden, damit sie uns nicht über die Autobahn verfolgen, sind über Krakow am See gefahren, um uns finanziell aufzuladen und trafen wie immer verspätet in Alt Schwerin ein. Natürlich haben wir die feierliche Eröffnung des Festes mit den drei Böllerschüssen verpasst, was mit Augenrollen der Schützenbrüder geahndet wurde.
Aber wir wurden dann gleich zum Armbrustschießen geschoben. Ich, die Kreismeisterin, stand nun auf der Probe. Ich traf dann gleich die Tür, nicht weit von der Zielscheibe entfernt und näherte mich mit jedem Schuss der Aussicht auf einen Gewinn. Leider war das dann nicht so, es sei denn, ich hätte die Konkurrenz erschossen. Aber ich neige nicht zu solchen Kurzschlüssen und -schlüssen!
Irgendwann hatte ich verstanden, dass es besser ist, die Zielscheibe mittig zu treffen. Der Rentner hat das mit jedem seiner Schüsse eingesehen und traf und traf und traf und ich ärgerte mich und ärgerte mich mehr und ärgerte mich noch mehr. Darauf lachten die Schützenbrüder mit mir oder mehr über mich mit meinem Rentner. Das war sehr ungerecht, wo ich doch versucht habe, meinem Rentner beizustehen und ihn durch gutgemeinte Ratschläge zu erheitern. Die Freude war nur seinerseits, denn er gewann. Ich heuchelte darauf recht gut Gemeinsinn, tätschelte ihm die Schulter und er freute sich sehr!
Armbrust und Bogenschießen war sehr interessant, zumindest für mich, Fußbälle in ein Loch zu schießen so gar nicht und mit einer Angel Zielscheiben zu treffen, verlief in Bodenlose. Zum Fliegenfischer eigne ich mich leider auch nicht und somit bin ich für die Wassertiere des Listower See keine Gefahr. Aber den Rentner müssen sie im Auge behalten! Nichtsdestotrotz habe ich beim Bogenschießen gar nicht schlecht abgeschlossen und bekam einen tollen Preis, einen Pralinenkasten, dann noch für den vierten Platz vom Armbrustschießen Schockoladenküsse und der Meister Tell (Rentner) einen Kasten Merci.
Phantastisch! Ich darf alles behalten und das ist fatal, denn wie ich schon in anderen Texten erwähnte, versuche ich krampfhaft, wieder eine normale Form anzunehmen, was mir ermöglichen soll, meine normale Garderobe wieder zu nutzen, ohne auf dem Zeltplatz nach Wickelplanen zu suchen.
Draußen wird's dunkel und ein Unwetter droht! Ich werde mir gleich mal einen gemütlichen Schockoladenkuss einpfeifen und dem Regen zuschauen, denn der Fernsehempfang versagt bei mehreren Regentropfen und etwas Wind. Wir sind auf die Sat-Schüssel angewiesen, weil wir hier zu wenig Menschen sind und da lohnt keine Leitung, meint man. Deswegen können die hier alle so gut schießen, weil man kaum fernsehen kann!

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