Mittwoch, 7. August 2013
Alltag
Rosenkrieg gibt es nicht nur nach Erledigung einer Ehe, man kann sie auch während dieser haben, damit es irgendwann zum Ende führt oder im besten Fall daran reift. Ich sehe mich schon als zerknitterte, erfahrene alte Frau im Lehnstuhl auf der Terrasse des Altenheims sitzen und amüsiert den Keifereien der anderen Alten zuzuhören, die ich initiiert habe. Es geht doch nichts über ordentliche Machtverhältnisse und Zwistigkeiten! Da kommt kein Krimi mit und das direkt vor der Tür!.
So geschehen heute….wie auch viele Tage zuvor.
Rentner:
„Hast du das Gerät wieder ausgeschaltet?“
Ich:
„Ja, habe ich!“
Rentner ist misstrauisch und schaltet das Gerät trotzdem noch einmal zur Kontrolle ein, um dann festzustellen, dass es tatsächlich ausgeschaltet war.
Es folgt eine wütende Antwort von „Ich“:
„Ja bist du denn meschugge? Ich hatte es ausgeschaltet!“
Rentner:
„Du schaltest es doch sonst nicht aus!“
Ich:
„Dann sage ich auch nicht, dass ich es schon ausgeschaltet habe!“ Der Ton wird bedrohlich!
Rentner:
„Das weiß man bei dir nicht!“
Ich:
„Wieso weiß man das bei mir nicht?“ Der Ton wird leiser und gefährlicher.
Der Rentner schaut tonlos irritiert, aber es nützt ihm nichts mehr.
Ich:
„TZTZTZTweoivaöwneoitznWP§OZDNCewircönwiurHÖNQoiubtvzanö 4ezhctr WOICEHRqwojf.

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Freitag, 26. Juli 2013
Rollschuhlaufen
Im Alter wird man entweder immer seriöser oder man lernt das nie und wird extremer. Ich kann mich für keine Seite entscheiden und daher ist mein Leben ziemlich bunt, auch wenn die Farben nicht unbedingt zusammen passen.
Man soll sich ja bekanntlich das Kind in sich bewahren und das kann ich besonders gut, vor Jahren zum Leidwesen meiner Eltern, weil ich einfach nicht erwachsen wurde und jetzt für meinen Rentner, die anderen Stationen erspare ich euch, aufzuzählen.
Nach der Schule unterhielten wir Mädchen uns gern noch so ein zwei Stündchen vor meinem Elternhaus und meine Mutter, wenn sie eher als ich vom Unterricht kam, beobachtete mich manchmal mit wachsendem Entsetzen. Meine Freundinnen standen ziemlich vornehm da und ich schien ständig zu wackeln, die Taschen zwischen meinen Beinen zu schaukeln, zu hampeln und mich zu drehen. Es passte so gar nicht in das bürgerliche Bewusstsein der Anwohner der Straße, meinte meine Mutter und seufzte böse.
In Wirklichkeit aber bin ich kein Kind, sondern in mir drin zieht permanent und anmutig eine Eisprinzessin ihre kalten Kreise! Ich kann hervorragend Schlittschuhlaufen und springe und tanze um die Wette mit Katharina Witt!! Jaja, wirklich! Sie weiß es nur nicht, weil ich mich nie auf Wettkämpfen befand. Ich hatte ja auch keine Schlittschuhe und da war das sehr schlecht. Ich war einfach zu schüchtern, um mich für die Olympiade anzumelden. Aber in meinen Vorstellungen bin ich auch heute noch in bester Kondition. Um als Kind meinen Schillerwegsfreunden zu imponieren, übte ich mich besonders im Rollschuhlaufen, auf der gewölbten Straße und wir waren alle gut. Zuerst hatte ich keine fahrbaren Schuhe und musste sie mir von meiner Nachbarsfreundin Annegret leihen. In der Zeit, in der ich mit ihren Schuhen rollte, balancierte sie auf dem Zaun, schaute mir zu und gab von dort oben wertvolle Anweisungen, wie man Schürfwunden vermeidet. Es hat leider nicht immer was genützt, denn Protektoren gab es damals noch nicht. Und dann stand ich auf dem Zaun und versuchte mir zu merken, was sie besser als ich machte. Es waren wunderbare Zeitchen!
Als Zwanzigjährige habe ich mir dann noch einmal neue Rollschuhe besorgt, bin mit knielangem, buntbesticktem Rock durch die Straßen geflitzt und habe dort Pirouetten gedreht, sehr zum Erstaunen der damaligen Bürger.
Eine Verrückte!
Kinder, ich war auch damals schon meiner Zeit weit voraus, aber wie es so ist, erkennen das die Leute nicht! Das machte mir nichts und mein damaliger Freund fand es auch recht schön. Er war Psychiater!
Irgendwann schlief das aber ein, weil ich einen neuen Freund bekam und der duldete solche Attitüden nicht. Er wurde mein Mann und ich begnügte mich anstelle der Rollschuhe mit Autos, denn damit konnte man auch Kinder transportieren.
Irgendwann duldete ich diesen Mann nicht mehr und konnte tun und lassen, was ich will.
Eines Tages musste ich meinen Bus in die Werkstatt schieben, denn mitten auf einer Kreuzung war das Kupplungsseil gerissen. In Berlin auf einer vierspurigen Straße ist das ein Alptraum, aus dem ich Gott sei Dank irgendwann erwachte. Nun stand das Auto da und ich musste es wieder abholen. Die Werkstatt war so entfernt, dass es zum Laufen zu weit und für den öffentlichen Bus zu kurz schien. Da fiel mir ein, dass mein altes Talent herhalten konnte für diese Strecke…..ich war ja immer noch eine Eisprinzessin!
Ha!
Die Inlinskates meiner Töchter passten mir sehr gut und sahen schließlich den Schlittschuhen ähnlich. Ich war bis dahin zwar nur Rollschuh gelaufen, aber so schwer konnte das ja wohl nicht sein. Rollen waren eben Rollen!
Ich zog sie kurzerhand an und bewegte mich ganz leicht und elegant in den Fahrstuhl. Mit Inlinern ists doch gar nicht schlecht, dachte ich naiv!
Kaum war ich auf dem Gehweg angekommen, wurde mir klar, dass das weder Roll- noch Schlittschuhe waren und ich nicht so anmutig aussah, wie ich erst vermutete. Meine Nachbarin hing genau zu meinem Auftritt am Fenster und beobachtete mein Treiben. Ich winkte ihr krampfhaft freudig zu und versuchte, schnell davon zu kommen. Das würde jetzt sicher das Hausgespräch werden. „Stellt euch von, die Frau S., jetzt will sie es wissen und läuft doch tatsächlich Inlineskate! Die ist völlig durchgeknallt!“ Das Tratschen über einem selbst hört man ja nie, aber wissen tut man es. Ich tratsche nicht, ich erzähle nur gern meinen Nachbarn, was ich so über andere gehört habe. Das müssen sie doch schließlich in einer Gemeinschaft erfahren, nicht wahr?
Die ersten paar schleichenden Meter über Platten, gekreuzt von Kopfsteinpflastern, konnte ich aus dem Blickfeld meiner Bekannten fliehen, auch wenn es jetzt nun nichts mehr nützte. Ich fuhr mit den Armen rudernd und wie ein ungeübter Tanzbär die etwas abschüssige Straße hinunter und hätte mir einen Rollator dazu gewünscht. Doch der war ja in meinen tänzerischen Vorstellungen gar nicht nötig und somit versuchte ich von Sekunde zu Sekunde verzweifelt auf den acht kleinen Rollen zu bleiben. Gut, dass ich wenigstens die Handprotektoren angezogen hatte! Nur zur Sicherheit! Sie halfen mir, mich so fünf bis sieben Mal vom Boden abzustützen, wenn mir kleine Kieselsteine im Weg lagen und ich sie von unten näher betrachten musste. Ich fluchte! Meine normalen Schuhe waren zu Hause und nun MUSSTE ich mit den für meinen Körper viel zu schnellen Inlinskates irgendwie in der Werkstatt ankommen, hoffentlich ohne Arm- oder Beinbruch! Ich war krebsrot, zunehmend völlig fertig und die Leute liefen an mir vorbei, erst mit großen Augen und dann versteckt lachend, das konnte ich hören!.
Der Klavierlehrer meiner Kinder, den ich damals unglaublich anziehend fand, musste natürlich ausgerechnet bei diesem Schauspiel auf der anderen Seite des Trottoires laufen und mich auch sofort, trotz meines Aufzugs erkennen. Er winkte mit fröhlich zu, rief etwas, was ich durch mein Blutdruckrauschen im Ohr nicht verstand und ich winkte zurück. Ich platschte durch diese unbalancierte Bewegung wieder aufs Pflaster. Ganz scheußlich und verrenkt kam ich dort an und kam kaum noch hoch. Man kann mit den Dingern nicht einfach elegant aufstehen und man bewegt sich wie ein lächerlicher Klops!
Ich muss meine Kinder vom Klavierunterricht abmelden, überlegte ich während des Fallens….
Ich hielt mich danach an Gartenzäunen und Straßenlampen fest, versuchte aufrecht zu bleiben, fuhr mit Händen und Füßen und kam endlich irgendwann nach gefühlten Stunden und sehr demoliert in der Werkstatt an.
Der Meister sah mich, lachte und frozzelte daraufhin unaufhörlich, doch ich konnte es nicht lustig finden. Meine Mundwinkel waren auf der Hüfte angekommen und die Gesellen an der Hebebühne drehten sich langsam höflich weg. Dann lachten wiehernd weiter.
Boshafte Menschen!
Resumee???:
Man darf nicht immer auf sein inneres Kind hören!
Ich fuhr mit Strümpfen in meinem bequemen Auto nach Hause und ging, die Inlineskates über der Schulter, mit Strümpfen über den Parkplatz nach Hause!
Man sollte wirklich erwachsen werden!

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Montag, 27. Mai 2013
Haare
Als ich mein Haar opfern musste, damit sich in mir eine Giftdeponie so richtig ausbreiten konnte, war es mir nicht im Mindesten vorstellbar, mit einem kahlen Kopf durch die Wohnung, geschweige denn durch die Straßen zu laufen. Glücklicherweise war es Januar und ich hätte sowieso nur auf dem Zahnfleisch durch die Gegend kriechen können, daher spielte das keine besondere Rolle. Aber, meine Eitelkeit verbot es mir, mich dem Vorruheständler mehr als zufällig so barhäuptig zu zeigen. Ich setzte mir eine geborgte Perücke einer Freundin meiner Tochter auf, die sie sich beide zum Scherz während des Karnevals und Halloween auf den Kopf geklatscht hatten. Sie sahen zum Schreien aus und ich dann auch. Eine Mütze obendrein rundete das Ganze sehr „harmonisch“ ab.
Es ist schon ein ziemlich komisches Gefühl, als Frau so ganz ohne den eigenen Pelz da zu stehen und ich stolzierte eben immer fremdbedeckt durch die Gegend. Mittlerweile ist es warm und erst recht der Fiffi und schon gar mit Mütze. Man gewöhnt sich langsam aber stetig an sein eigenes verschrobenes Aussehen und zählt jeden Morgen die Minispitzen der Neuankömmlinge. Langsam wird es, aber anfangs waren es mikroskopische Glasnudeln, die man nur im Schminkspiegel mit 1:7facher Vergrößerung sehen konnte. Für mich recht lang, für die Menschheit unsichtbar…. Aber, nun stellt euch vor, sie sind schon einen Zentimeter!! Lang, zwar noch recht farblos, aber trotzdem zeigen sich ein paar dunkle Fädchen dazwischen. Freudig bestürme ich meinen Vorruheständler, sich doch mal die Pracht anzusehen, der das dann auch etwas burschikos tat.
„Hm, tja, wie bei einem Mann! Ringsrum sind sie im Kopfkranz stärker und oben weniger!“
Steht da und wackelt mit seinem ebenfalls weißen Kopp und Tonsur.
„Arrrrghhh!“
„Guck jetzt gefälligst genauer hin, da sind dunkle Haare dabei! Du musst nur richtig genau schaaaaaauuuään!!!, flehe ich ihn mit einem neuen, etwas rauen Ton an. Er tut es widerwillig kopfschüttelnd und meint: „Von hundert vielleicht eins! Und auch eher weiß als blond!“ Sagt es und stolziert wie ein Storch davon.
„Elender!“, krächze ich gekränkt. Ich rufe ihm nicht gerade sehr höflich ein paar Worte hinterher und bedenke ihn außerdem mit der Aufforderung, dass man sich als Blindfisch kein Urteil erlauben darf. DieserOutbackler!!!! Der Gemeinte stolziert zum Gartentor und lässt sich von meinen wohlgemeinten Worten nicht aufhalten.
Und sowas habe ich nun geheiratet! Ach, ich vergaß, dass ich gar nicht verheiratet bin. Das auch noch! Schade, jetzt habe ich nun so einen schönen Scheidungsgrund und kann ihn nicht anwenden!
Die Welt ist nicht immer gerecht!!!
Morgen erzähle ich euch meine Premiere ohne Mütze in der Stadt! Wunderbar!!!!

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Schizophrinie
Kennt ihr das?
Das geht jetzt an die Adresse meiner Altersgruppe, aber die Jüngeren unter den Lesern dürfen sich das gern merken, wenn ihr Gedächtnis über dreißig Jahre andauert.
Im Spiegel sehe ich eine 50jährige, aber ich sehe sie nur erstaunt an. Ich bin 16 und ich ziehe vor dem klaren, verspiegeltem Glas Grimassen und denke daran, was ich jetzt gerade Abenteuerliches anstellen könnte. Die Fünfzigjährige mahnt mich, ihre Liste abzuarbeiten, welche ellenlang ist und sehr anstrengend, aber wer gewinnt die Oberhand?
Auf dem Herd stehen zwei Pfannen mit kleingeschnittenem Fleisch, welches vor sich hin brutzelt. Die Ältere von uns Beiden sieht sofort die überschrittene Zeit und schwarze Goulashwürfel, aber die Jüngere meint arglos, dass es noch ein kleines Bisschen warten kann. Leider zu lange gewartet, die Zwiebeln in der Pfanne sind schwarz!
„Ich schwöre, ich war nur einen Moment fort!“, zwitschert die 16Jährige überzeugt mit großen Augen ganz und gekonnt unschuldig, Doch die 50jährige ist gnadenlos,
„Du dumme Kuh, was habe ich dir gesagt? Du musst bei der Pfanne bleiben! Bei dir ist Hopfen und Malz verloren !“
Das Kücken wird sauer und verteidigt sich hoffnungslos, „Nur ein ganz kleines Bisschen!“
Es nützt nichts, die Ältere lässt kein Argument bestehen und es besteht ein gleichrangiger Kampf mit demselben Ergebnis.
Schnell noch die rettungswürdigen Reste in den Topf geschmissen und ordentlich Gewürze hinzu. Noch ein wenig von dem und dem und langsam rundet sich der Geschmack zu einer Suppe, die man doch noch durchaus essen kann. Die Fünfzigjährige ist unerbittlich und sauer.
„Du hast es versaut!!!“ , schnarrt sie wütend und dreht sich entsetzt um.
„Du hast überhaupt keine Ahnung, denn es schmeckt ja wunderbar!“, verteidigt sich das Kücken gegen die überzeugenden Vorwürfe.“ Wetten, dass niemand etwas merkt?“, triumphiert sie auf und lacht.
„Du improvisierst nur und es wird irgendwann schief gehen, glaub mir das!“, kontert die Erfahrenere und sieht dabei ziemlich streng aus.
„Du kannst mich mal!“, entgegnet das unerfahrene junge Mädchen und lacht sich eins.
Die Gäste kommen und setzen sich würdevoll auf die schnell hingeworfene Tafel, aber das haben sie ja nicht bemerkt. Erwartendes Lächeln und die Servietten gezückt, wird der vielfach angekündigte Eintopf der besonderen Art aufgetafelt.
Langsam , ohne zu spritzen oder zu kleckern füllen sich die bereitgestellten Suppenschüsseln, das Baguette ist zum Glück nicht verbrannt. Beide, die Fünfzigjährige und das Kücken setzen sich erwartungsvoll, ziemlich gespannt, eine Spur zu ängstlich und beginnen zu löffeln. Der Duft des Eintopfes lässt die Erwartenden ordentlich die Löffel kreisen.
Es ist definitiv zu bitter, ich sag es ja, es ist verbrannt! Entschuldigend wandert ihr Blick zu den Essenden und erwartet die ersten Kritiken. Doch die Löffel klappern in einem gleichmäßigen Rhythmus ohne Kommentar. Die Jüngere löffelt auch hemmungslos, schwatzt gleichzeitig unbedarft und lässt es sich dabei deutlich schmecken.
„Unverschämt!“, bemerkt die Ältere in sich verbissen und kann es kaum fassen.
Ein tafelrundes Lachen ertönt auf ihre dahingeschmissenen Scherze und alles scheint gut.
„Das hat aber gut geschmeckt!“, erklingt es vielfach nach dem Essen und der Topf ist fast leer. War das nun Höflichkeit oder echt gemeint?
Doch die Gäste lehnen sich zufrieden zurück und ein neues Thema wird i
n der Runde eröffnet.
Die beiden Köchinnen schauen sich irgendwie gegenseitig an. Auf wen sollen sie denn nun hören?
Wer ist wer?

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Die Generalität ist wieder da
Die Generalität ist wieder da!
Ich muss sagen, zum Glück! Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass ich das jemals sagen werde, geschweige denn aufschreibe, aber ich bin froh, dass ich nicht mehr jeden Tag im Zwang stehe, entscheiden zu müssen, was ich als erstes mit meiner Freizeit beginne! Da verkomme ich nämlich! Das fängt schon damit an, dass ich mich morgens beim Aufwachen entscheiden muss, ob ich aufstehe oder nicht oder wann oder im Bett fernsehe oder facebooke! Grässlich! Alles ist schön, aber wem oder was gibt man den Vorrang? Da ich im Moment nicht außerhalb arbeiten kann oder muss, ist da niemand mehr, der ein grimmiges Gesicht zieht und meint, dass das ein Zeitverschwendung ist, so „rumzugammeln“!
Also stehe ich halb auf, weil ich das Kleine der schwarzen Tiersammlung wenigstens vor die Tür lassen muss, damit sie nicht den Teppich als Klo betrachtet. Draußen werde ich vom großen schwarzen Tier sofort umgerannt, weil er neidisch ist, dass er nicht auch noch auf dem Teppich im Wohnzimmer herumlungern darf, sabbernd und tropfend. Er wischt sich seine Lefzen an meinem Nachthemd ab…..hier auf dem Land kann mich keiner sehen….. und ich bin sauer. Das interessiert ihn genau so wenig, wie die morgendliche Kälte, die durch mein dünnes Hemdchen pfeift.
Sofort zurück ins Bett und überlegen, wie es denn weitergehen soll. Es geht erst mal gar nichts und der Vormittag verrinnt. Irgendwann raffe ich mich dann doch noch auf und frühstücke auf einem unaufgeräumten Tisch. Das Essen schmeckt trotzdem erstaunlich gut. Gleichermaßen bemühe ich mich in Facebook um Leser, die das Gleiche empfinden wie ich und finde kaum welche. Durch die Terrasse schauen mich flehentlich die Augen der scharzen Pat und Patterchons an. Ich vertröste sie auf unbestimmte Zeit. Sie tun mir leid, aber es ist einfach zu schwer, meinen Freiheitsimpulsen aus dem Weg zu gehen. Keiner da, der mich mahnt, keiner……
Ich muss natürlich morgens das Radio einschalten, sonst habe ich das Gefühl, auf einem menschenleeren Planeten zu leben. Da bei uns Radio und Fernseher gekoppelt sind, ertönen zuerst die Fernsehnachrichten in Schleife. Nach dem zweiten Durchlauf habe ich genug und schalte nur kurz auf normales Programm. Mein sonstiger Lieblingssender „Klassik Radio“ muss nun schon seit Tagen ohne meine erlauchte Zuhörerschaft auskommen. Es ist einfach zu schwer, die Taste Radio zu drücken…. Im Fernsehwühltisch zappe ich mich durch die Programme und bleibe bei irgendeinem RTL-Mist hängen, weil ich nicht denken muss, denn das ist bei meiner Freiheit momentan sehr anstrengend, und amüsiere mich köstlich über die Leute, die nichts mit ihrer Zeit anzufangen wissen und das Fernsehen als Zeugen dabei haben müssen. Unverständlich!
Nur ein paar Stunden später drängt mich mein erneut aufkeimender Hunger, etwas dagegen zu unternehmen. Ich koche mir irgendwas Gesundes, nichts für die Öffentlichkeit Gedachtes und bin nach dem Essen erst einmal sehr erschöpft. So kann ich keineswegs mit den Tieren eine Waldrunde laufen. Wenn mir da was passieren würde!!! Keiner würde mich nach Stunden vermissen, weil ich noch nichts Weiteres gekocht oder gemeckert habe. Also ruhe ich mich vor meinem eigenen Babysitter ein paar Ründchen aus. Es gibt zu viele und zu schöne Sendungen, als dass man aus eigenen Stücken so einfach abschalten kann. Der kurze Tag neigt sich dem Abend zu und die Vierbeiner haben wahrscheinlich die Hoffnung aufgegeben, doch noch ihre Beinchen wetzen zu dürfen.
Haha! Jetzt gerade erst! Ich schnappe mir mein Handtuch und wage einen kurzen Blick auf das Thermometer. So acht bis zehn Grad sind es zeitweise draußen und für mich reicht das zum Schwimmen im See. Bin ja kein Weichei! Die Waldrunden sind einer kleinen Wiesenrunde gewichen und ich lande am See. Jeden Abend dieser Freiheitswoche schwimme ich eine kleinere oder größere Runde und komme dann völlig zufrieden wieder im alten hundertjährigen Bauernhaus an, bereit, den laufenden Sendungen bis Mitternacht zu folgen.
Meine Vorhaben, das Haus umzukrempeln, mussten den Programmen von Arte und RTL weichen. Ich sollte diese auf Herausgabe meiner wertvollen Zeit verklagen!
Gut, dass ich den ehemaligen Admiral a.D. wieder habe. Ich brauche einfach mein schlechtes Gewissen hier!

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Dienstag, 21. Mai 2013
Erster Tag der einwöchigen Freiheit: “Frühsport”!
Mein erster Morgenkontakt war 6.00 Uhr und überlegte, was ich denn nun machen solle, aufstehen oder versuchen, doch noch ein Ründchen zu schlafen.
Ich bin aufgestanden! Wie vorbildlich! Ich war mir selbst unheimlich und wartete ein bisschen, ob sich meine Überlegungen bezüglich des Aufstehens doch noch wieder legen würden, aber ich bemerkte nichts.
Also schlich ich vorsichtig ins Bad und machte mich für mich selbst total toll zurecht, was man so in meinem Alter dafür hält.
Auf einmal zwitscherte es! Hallo, ich musste es gut hinbekommen haben, denn die Engel sangen schon, wie interessant!
In dem Moment dieser schönen Gedanken wurde ich noch einmal recht wirklich von dem Gezwitscher gestreift! Upps, wusch, um mich herum flatterte etwas ganz aufgeregt.
Was war das? Eine Fledermaus zu dieser Zeit? Nein, obwohl, hatte wir schon! Aber nein, es war eine junge und bildhübsche Schwalbe! Ich sag jetzt der Einfachheit halber Schwalbe, es hätte auch ein Kuckuck oder ein Fasan sein können, so genau kenne ich man doch nicht aus. Jedenfalls hatte sie rote Bäckchen. Sie setzte sich vor Panik auf die Duschstange, hatte den Schnabel offen, atmete ganz wild und sah mich mit Entsetzen an. Da zog sie es doch lieber wieder vor, sinnlos herumzuflattern und mich zu verwirren. Dabei entdeckte sie das Dachfenster, zischte wie ein geölter Pfeil dorthin und versuchte verzweifelt flatternd durch das trübe Glas zu kommen. Tja, da solltest du dir eine Brille anschaffen! Das Fenster ist zu! Sie wollte sich aber mit mir nicht befreunden und wurde immer hysterischer.
Okay, in Wirklichkeit bin ich ein guter Mensch und daher wollte ich ihr die Freiheit geben, die ich heute auch zu genießen dachte. Ich kraxelte also auf den gebrechlichen Badestuhl, was echt ein Abenteuer durch mein neues, lieber unbeschreibbares Gewicht zu werden drohte, und versuchte die Konstruktion zu öffnen. Mit einer Hand hielt ich mich an einem wackeligen Regal fest und mit der anderen ruckelte ich am Hebel, der zu klemmen schien. Um mich herum das Täubchen und nahm mir beinahe die Sicht. Es gelang aber doch nach einigem Hin und Her und ich rief der wütend schimpfenden Krähe zu, dass sie nicht länger mein Kumpan sein müsse. Doch diese lachte scheinbar bloß, drehte sich im Fluge noch einmal hämisch um und verschwand aus dem Fenster, in das sie geflogen war. Unverschämtes Vieh!
Frühsport war damit erledigt!
Den Rest des Tages habe ich ferngesehen und gemampft, nachdem ich noch einmal für zweieinhalb Stunden ins Bett gegangen bin.
Ach ja, schwimmen war ich bei den 17 °C Außentemperatur doch noch…..

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Montag, 20. Mai 2013
Neues aus dem Outback
Es ist wirklich so, kein Tag ist wie der andere, aber manchmal wäre das recht schön!
Heute nach meiner Outbackwaldrunde durch Spinnenfäden, die sich jeden Morgen aufs Neue quer durch den Wald ziehen, erwartet mich tatsächlich ein neues Abenteuer .
Das Wasser des Sees liegt glatt wie ein Spiegel und Tausende kleiner brauner Schmetterlinge tummeln sich nur millimeternah über der Wasseroberfläche. Ich gehe nun schon routinemäßig ins kalte Nass und verscheuche die verstörten kleinen Flatterer. Als ich mitten auf dem See bin, kracht es plötzlich ohrenbetäubend und ich drehe mich sofort um. Nur fünf Meter von meinen Hunden entfernt, die brav warten, bricht ein riesiger Teil einer Weide ab. Der halbe Baum ist weg und ich froh, dass den Tieren nichts passiert ist. Noch möchte ich wieder beruhigt ein wenig schwimmen und den Baum wird es wohl nicht stören. Doch das Abenteuer ist noch nicht vorbei!
Vom Wald her rumpelt es ein wenig und wird zunehmend lauter. Auf einmal sehe ich vor der Badestelle ein Auto mit Anhänger auftauchen.
Na, das hat mir noch gefehlt. Angler!!! Schaffe ich es noch, rechtzeitig aus dem See zu kommen? Mitnichten. Und ich habe nichts an, gar nichts, nicht einmal meine Mütze, die beim Schwimmen sowieso nur nass geworden wäre. Während ich darüber noch nachdenke, höre ich eine weibliche Stimme, die fast hysterisch ihren Mann oder mich ankreischt, dass jemand den Hund anbinden solle. Das schwarze zottelige Tier kann es nämlich nicht lassen, sofort die Neuankömmlinge zu begrüßen. Toll!! Wie soll ich den Hund anbinden, wenn ich im Evaskostüm, erscheinen soll? Da wird die Frau sicher noch hysterischer…. Also paddle ich ein ganz kleines Bisschen verzweifelt und unschlüssig im See hin und her. Warten wir es ab, wie sich die Dinge entwickeln!
Die beiden Leutchen entpuppen sich als alt und doch freundlich, nachdem sie die Harmlosigkeit des Hundes erkannt haben. Lotti ist versteckt im Unterholz.
„Ähm, ich kann nicht raus! Ich habe nichts an!“ , rufe ich den Beiden zu. Die lassen sich davon nicht stören, aber ich. Langsam, sehr langsam und ihrem Alter entsprechend bereiten sie ihren Kahn für einen Stapellauf vor, im Schneckentempo sozusagen und mir wird kalt. Das schwarze Tier kommt zu mir geschwommen und ich bin froh darüber. So kann er die Leutewenigstens nicht vollsabbern.
Der Kahn wird mit Anhänger abgekoppelt und Richtung See geschoben. Auf einmal rollt er ziemlich schnell herunter und der Anhänger versinkt im See, das Boot nicht.
„Du hättest ihn festhalten sollen, ruft der Mann seiner Frau ärgerlich zu!“ Die antwortet im gleichen Ton. „Wie soll ich das wissen, wenn du das nichts sagst!“ Ich muss lachen, aber nicht zu laut, sonst würde ich das sicherlich noch anheizen. Das heißt aber auch, alles noch ein wenig länger dauert und mir wird immer kälter. In dem Bootchen stehen zwei angegraute, ehemals weiße, stapelbare Gartenstühle. Also werden sie es sich bequem machen und zwar in Ufernähe. Hmm, das hat mir gerade noch gefehlt! Ich schwimme nun doch lieber in die Nähe des Ufers. Die alte Dame meint auf meine Entschuldigung hin, dass ich sonst nicht nackt herumlaufen würde und auch meinen Kopf mit den raspelkurzen Haaren nicht jedem zeigen würde, dass sie schon siebzig wären und schon genug Menschen gesehen hätten. Es beruhigt mich ein wenig, dass sie es gelassen sehen können. Ich steige also vorgetäuscht selbstbewusst heraus und spüre ihre Blicke auf meinen Hintern. Nun ja, ich bin immer noch besser in der Figur als sie und dass lässt die Gedanken weniger unangenehm sein! Meine Eitelkeit funktioniert also auch hier noch!!Doch schnell raffe ich tropfend meine Klammotten zusammen und laufe die Uferböschung hoch auf die sonnige Wiese. Dort gucken mich ungeniert die Insassen dreier Autos taxierend an, die da sich wohl überlegen, ob sie hier auch baden können, wahrscheinlich bekleideter als ich!
Schneller war ich noch nie angezogen und morgen bin ich vorsichtiger! Von wegen menschenleere Gegend, seufz!

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