Donnerstag, 17. Mai 2012
Grauen im Outback
Wer behauptet, dass es im Outback langweilig wird, der täuscht sich gewaltig! Früher wurde man im finsteren Wald von Rotkäppchens Wölfen belästigt, gar vertilgt und hatte damit danach schlimmstenfalls seine immerwährende Ruhe, heute kann das durchaus auch im Wohnzimmer geschehen, wenn man nicht genügend aufpasst! Diese Erfahrung musste ich heute Morgen machen. Nach langen Träumen mit merkwürdigen Übergriffen der Dänen auf die Deutschen und Hamsterkäufen, wachte ich lieber schnurstracks auf und hörte in meinem Ohr, nach Öffnen nur einer einzigen Wimper, ob ich denn jetzt endlich munter wäre und wie ich meinen Tag nun jetzt endlich geplant hätte. Hatte ich nicht und jetzt würde ich schon gar nicht mehr!! Leicht angewütet drehte ich mich um und versuchte noch einmal anständig aufzuwachen, was aber während der permanenten Intervention des Vorruheständlers nicht mehr möglich war. Nun gut, ich bin ja ganz Frau und somit diplomatisch. Wäre die Diplomatie nicht schon erfunden, hätte ich es getan! Also verschob ich meine Mundwinkel Richtung Ohren und alles war wieder gut. Bis wir aufgestanden waren und ich mich dem reglementierten Alltag unterordnen sollte. Sollte! Und dazu muss ich sagen, dass sämtliche Zellen meiner selbst seit meiner Geburt auf etwas ganz Anderes gebürstet sind. Ich verstehe es zwar nicht, obwohl, wenn ich mir meine Eltern so anschaue, muss ich noch ganz froh sein, dass ich einigermaßen vernünftig geworden bin. Wann ich das bin, kann ich nicht so ganz voraussagen.
Kurz und gut, ich musste mich in meinem Willen durchsetzen, welches Fenster ich aufmachen dürfe und mir dann endlose Vorträge über Effizienz und Verluste, marktwirtschaftliche Orientierung usw. anhören. Mir schwirrten die Ohren, meine verschwindende Lust darauf, was dazu führte, dem Vorruheständler schnell und unerwartet einen ordentlichen Schubs zu geben und MEIN angestrebtes Fenster doch noch zu öffnen. Leider folgte eine Lawine der unglücklichen Verkettungen und hätte beinahe tragisch geendet!
Der Vorruheständler kehrte mir nach meinem Affront beleidigt den Rücken und verließ den Ort der Niederlage. Ich folgte ihn undiplomatischerweise in den Garten, eigentlich wollte ich bloß die vertrockneten Blumentöpfe des besagten Fensterbrettes zum Kompost bringen, aber er sah das ganz anders und floh vor mir zurück ins Haus. Feigling! Aber dort wartete schon das angekündigte Verhängnis!
Ich musste zwangsläufig hinterher, wenn ich mir nicht kurzärmelig und bei der Temperatur den sicheren Tod holen wollte. Vor mir scharwenzelte Kitti, unsere wunderbare, selbstaufgezogene und graugetigerte Nullachtfünfzehn-Katze, die im Haus ihren Snack üblicherweise erwartete. Sonst darf sie ohne Probleme ins Wohnzimmer. Zur Zeit geht das aber nicht, weil ich meine Berliner Allerweltskatze dort einquartiert habe. Sie und ihre Jungen mussten versorgt werden und niemand wäre dann für sie da, wenn ich hier im finsteren Wald weile. Meine Töchter wohnen zwar in der Zeit weiterhin in der Berliner Wohnung, aber sie müssen schließlich sich und ihre Freunde pflegen. War man irgendwann so alt wie diese Kücken, muss man das verstehen. Da bleibt einfach keine Zeit für tierische Verpflichtungen.
Ich machte also die Tür zum Haus auf und in dem Moment sah ich auch schon das Unglück auf uns zukommen. Wolfgang hatte nämlich ebenfalls die Tür zum Wohnzimmer geöffnet und damit Tür und Tor für Kitti geöffnet, und diese ging auch sofort schnurstracks in ihr altbekanntes Reich. Das sah aber die grauenvoll empörte Berliner Emmakatze ganz anders! Sie machte augenblicklich klar, dass allein sie hier wohnte und nichts und niemanden außer uns Zweibeiner dulden würde. Kitti, die eigentliche Herrin des Reiches, aber nun zu einem herabgesetzten Eindringling degradierte Katze, sollte das zu spüren bekommen!! Es dauerte wahrscheinlich bloß die Hälfte einer Sekunde und es ertönte ein grauenvolles Gekreisch und Getöse. Wir waren unfähig zu handeln und wie vor Schreck gelähmt! Wutentbrannte und mörderische Kämpfe offenbarten uns beiden augenblicklich und es war nicht möglich, auch nur im Entferntesten den beiden bösartigen Kampfhähnen in ihrer affenartigen Geschwindigkeit optisch zu folgen. Es flogen nicht nur die Futternäpfe, die Babies und noch einiges andere Inventar herum! Wir versuchten uns nach der Schrecksekunde aufzurappeln und die beiden bitterbösen Katzen zu trennen, oder wenigstens eine der Beiden aus der Gefahrenzone zu bringen. Es stellte sich als fast unmöglich heraus! Nichts Zahmes war noch zu erkennen und in der Savanne unter Löwen wäre es nicht schlimmer zugegangen. Sie ließen einfach nicht voneinander ab und kaum waren sie hier, da waren sie auch schon wieder woanders, und immer hörten wir dieses Kampfgeschrei, was uns fast das Blut in den Adern gefrieren ließ. Wir fühlten uns ohnmächtig und hilflos! Irgendwann saßen die Gegnerinnen fast nebeneinander unter dem Sofa, zischten und knurrten sich in den gefährlichsten Tönen an. Ich hatte keine Muße, darunter zu greifen um vielleicht eine der Kriegerinnen zu fassen. In dem Zustand hätte sie mir vermutlich meinen Arm zerfleischt oder nur einen Finger abgebissen! Ich rief dem Vorruheständler zu, er solle mir schnell einen Besen geben. Aber weder wusste er von der Existenz eines solchen noch fand er etwas Vergleichbares. Er reichte mir ein Stück Pappe! Ich traute meinen Augen kaum. Was sollte ich mit dem Ministück Pappe anfangen, sie damit kitzeln? Zum Glück fiel mir ein, dass ich einen Schrubber irgendwo im Flur gesehen hatte und genau den holte ich mir eilends. Zum Glück war er auch da!! Damit schaffte ich es unter dem Sofa eine der giftigen Weiber hervorzuziehen, die widerwilliger nicht sein konnte. Ich hatte schon ein wenig Angst, dass sie mich angreifen würde, aber eine andere Möglichkeit blieb mir nicht, wenn ich nicht irgendwann eine blutverschmierte Leiche hervorholen wollte.
Es war glücklicherweise Kitti, die daraufhin schnell in die obere Etage floh. Ich ging ihr langsam und betont ruhig hinterher und versuchte sie zu greifen. Sie ließ es Gott sei Dank zu und somit konnte ich sie aus dem Fenster nach draußen entlassen. Ich wähnte die Ordnung nun endlich wieder hergestellt. Doch ich wurde eines Besseren belehrt, denn auf einmal offenbarte sich mir erneut ein genauso bekanntes schreckliches Geschrei. Sollte noch eine andere Katze im Haus sein außer der Emma? Das war unmöglich! Ich ging dem Geschrei entgegen und sah entsetzt, dass Emma plötzlich ihre eigenen Jungen angegriffen hatte und diese um ihr Leben schrien! Ich war entsetzt! Ich musste die Kleinen unbedingt ganz schnell aus den Fängen ihrer eigenen Mutter retten, sonst wären sie wahrscheinlich umgekommen! Ich legte meine Angst vor der Situation ab und griff mir den kleinen dicken Beppo, weg von den bösen Attacken seiner Mutter. Der fühlte sich nun von allen Seiten bedroht und wollte auch mich gleich beißen. Ich schnappte ihn mir am Genick und er merkte schließlich, dass er in Sicherheit war. Sein ganzes Körperchen zitterte wie Espenlaub und das Fell war aufgeplustert wie der allerschönste Teddybär. Wenn er hätte weinen können, er hätte es sicher getan! Danach sah ich auch schon Sylvester an der Wand auf dem Rücken liegen und er schrie so laut, als wäre er ein erwachsener Kater. Mit seinen zarten Füßchen versuchte er sich erfolglos gegen seine Mutter zu wehren. Ihn zu greifen war noch gefährlicher, aber scheinbar erkannte er mich und fauchte nur mit gesträubtem Fell was das Zeug hielt. Mir kam es vor, als hatte ich nicht die Emma, sondern Kitti rausgeworfen. Wie konnte die nur so gegen ihre eigenen Jungen vorgehen?
Zum Schluss saß ganz unglücklich die kleine Missi unter der Couch und Emma giftete auch sie schrecklich an. Ich zog es vor, lieber den Schrubber einzusetzen und kehrte mir das kleine ängstliche Bündel hervor. Alle drei der Babies brachte ich erleichtert ins Schlafzimmer und legte sie dem wartenden Vorruheständler auf den Bauch. Dort konnten sie sich ungestört von dem Gemetzel beruhigen. Es dauerte trotzdem noch eine ganze Weile, ehe sich Emma wieder normal verhielt. Ich sah sie nun mit ganz anderen Augen. So sanft und lieb war sie nun nicht mehr!
Als es ihr nach einiger Zeit besser ging, klopfte sie förmlich an die Tür und holte sich ihre Jungen zurück und tat einfach so, als wäre nichts gewesen. Man kenne sich mit den Viechern aus!
Am Kaffeetisch endlich angekommen, musste ich mir drei Tassen Kaffee genehmigen und drei Stück Zitronenkuchen, damit sich mein Puls beruhigen konnte. Der wird heute Abend auf der Waage leider wieder emporschnellen…..

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Mittwoch, 9. Mai 2012
Fotoshooting
Alljährlich findet in den deutschen Schulen das bekannt berüchtigte Fotografieren der einzelnen Klassen und deren Schüler statt. Ein aufregender Tag!
In der Grundschule sind die Eltern, vor allem die Mütter, an dem Aussehen ihrer Goldschätze extrem interessiert. Das führt manchmal zu erstaunlichen Blüten der Ergebnisse, von Plissékleidchen mit Lackschuhen und aufgetürmten Frisuren der makabersten Art. Auch die Selbsterfahrungen der Haarschneidekunst der jeweiligen Mütter führen später zu heillosen Gelächter der Freunde der Protagonisten und zu wütenden Äußerungen, bis zu zerstörerischen Maßnahmen der Letztgenannten.
Selten lassen die es ab der Sekundarstufe noch zu, dass sich ihre Mütter, den Vätern ist es meist egal, einmischen und an ihnen verschönernd herum werkeln. In der sechsten Klasse kann man noch hübsche und jugendliche Kinder erkennen, so wie sie von der Natur geplant waren. Spätestens ab der siebten Klasse entsteht ein erstaunlicher Wandel im Aussehen. Nicht nur dass die Nasen der meisten Abgebildeten extrem unproportional im Gesicht wieder zu finden sind, auch das Wachstum der Einzelnen ist unterschiedlicher denn je. Manche könnte man glatt mit dem Lehrpersonal verwechseln und wieder andere als deren Kinder. Außerdem ist es außerordentlich interessant zu beobachten, wie sich die ersten Selbstverschönerungsmaßnahmen der Mädchen auf dem Klassenfoto niederschlagen, ganz in der Art der allerjüngsten Dreikäsehochs, die Fingerfarben ausprobieren dürfen! Selbstverliebte Blicke der Schülerinnen auf ihre Werke in Fotoformat stehen leider im krassen Gegensatz zu dem entsetzten Aufschrei der ignorierten Mütter und dem nachfolgenden Satz, der sich wohl in jedem betroffenen Haushalt gleichen könnte: „Das bezahle ich nicht!“
In den folgenden Jahren und je länger für die Einzelnen die Schule dauert, kehren sie gewöhnlich zur Natürlichkeit zurück, nachdem alles Hässliche, was man nur finden kann, ausprobiert wurde und die Waffenruhe zwischen den Kindern und Eltern immer wieder empfindlich gestört wurde.
Eine meiner Töchter hat diese Wandlungen zum Glück nur gemäßigt vollzogen und mein schon strapaziertes Mutterherz drohte nicht noch einmal zu brechen. Aber eines Tages erzählte sie mir entrüstet eine kurze Geschichte, die ihr mit der Schulfotografin passiert war. Ich glaube, es war in der achten Klasse und ich mischte mich verbotenerweise nicht mehr in ihr graues Aussehen ein. Nachdem die Klassenfotos geschossen waren, kam sie endlich an die Reihe mit den Porträtaufnahmen. Einen Tag zuvor hatte sie Stunden damit verbracht, ihr Lächeln auf alle möglichen Wirkungen hin zu trainieren. Es sollte seriös, bescheiden und vornehm zurückhaltend wirken, nicht wie Kinder, die breit ihre Zähne blecken und denen es noch völlig wurscht ist, wie sie später auf den Fotos aussehen werden. Sie wollte sich von der breiten Klassenmasse abheben. Doch so dachten alle in der Klasse! Das machte es nicht unbedingt leichter! Am nächsten Tag zur besagten Sitzung hatte sie einen Muskelkater rings um den Mund und das besagte Lächeln fiel ihr schwer! Sie ließ es sich nicht anmerken und nahm auf dem Stuhl in der vorgegebenen Haltung Platz. Ein kurzer Blick in den kleinen versteckten Handspiegel und sie fand ihr geübtes Lächeln nach ein paar Anläufen wieder. Die Fotografin ließ sich außerdordentlich viel Zeit und hantierte leider ein langes Weilchen an dem Apparat herum. Es wurde immer schwerer, das Lächeln so lange zu halten. Endlich!
„So, nun lächle ein wenig!“, meinte sie aufmunternd. Wie, was, ich lächle doch schon?!!!!, dachte sich meine Tochter und versuchte einen Hauch mehr zu grinsen als zuvor.
Die Fotografin stellte die Kamera neu ein. „So, du solltest ein wenig mehr freundlich in die Kamera schauen!“
Charly erstarrte fast, tat aber trotzdem wie ihr geheißen, doch nur, damit sie bald erlöst würde. Damals war sie so gehorsam und tat noch, was man ihr sagte. Manchmal! Das sollte sich aber bald für immer ändern!
„Du musst freundlicher sein, nun lächle schon!“ Das mittlerweile angestrengte Lächeln schien noch nicht zu reichen und sie zog ihre Mundwinkel noch breiter. Auch die Nase veränderte daraufhin ihre Form. Sie blähte unwillkürlich vor Wut die Nasenflügel, was sie auch sonst sehr gut konnte. Es reichte immer noch nicht!
Dieses Spielchen wiederholte sich so oft, bis sich ihre geplagten Mundwinkel am Hinterkopf fast berührten. Jetzt, gerade bei diesem Gesichtsausdruck drückte sie endlich den Auslöser!
Die Fotografin lächelte breit und zufrieden und entließ eine entsetzte Schülerin, die von nun an ziemlich böse starrend in die Weltkamera schauen würde.
Im Übrigen war das Ergebnis ganz fantastisch, eines von der Sorte, die man sich gern an die Wand hängen würde. Zumindest als Mutter! Ein breites freundliches Kinderlächeln, ganz ungeübt und nicht vornehm!
Ich darf es aber nicht! Ich muss es sogar verstecken. Sonst landet es im Müll!
Nichts bringt mich mehr zum Lachen, als wenn ich es heimlich aus meiner Schublade hole und es mir betrachte! So lacht sie heute nur noch, wenn sie mich mal wieder ausgetrickst hat!
Wenn ich allein wohne, hänge ich es mir auf! Sehr bald schon!

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Sonntag, 6. Mai 2012
Katzenwäsche
Ich habe mir heute eine kleine Freiheit gegönnt! Da ich nicht im Outback bin, konnte ich ohne großes, aber dafür kleines schlechtes Gewissen einfach mal im Bett bleiben. Wie wunderbar! Niemand im Haus, der mir wortlos sagt, dass ich unmöglich bin und dies und das zu erledigen hätte. Neben mir im Bett machte sich meine Bequemlichkeit breit, so dass ich selbst kaum noch Platz darin fand.... Sie verbot mir sogar, auf die Toilette zu gehen! Im letzten Moment konnte ich mich gegen sie durchsetzen und erreichte auf dem Weg ins Bad eine Durchschnittsgeschwindigkeit eines Olympiasiegers im Hürdenlauf. Schade, dass das niemand gemessen hat!
Aber bei meinem aufkommenden Hungergefühl hat sie mich dann doch besiegen können und mich genötigt, die neben meinem Bett liegende Tafel Schokolade restlos aufzuessen. Grässlich lecker! Man hüte sich vor der Bequemlichkeit!
Die Schwester derselben ist ja bekanntlich der Fernseher. Neben meinem Bett steht ein gewaltiges Teil und den hatte ich mir eingeschaltet. Wenn „Monk“ läuft, sonntags als Doppelfolge, kann ich leider nicht mehr aufhören zu schauen. Gottseidank gibt es die Werbung, die ich ansonsten verfluchen würde, aber in diesem Fall war es doch ganz günstig, um mir ein wenig Bewegung zu verschaffen. Der Toilettenspurt lag schon eine Weile zurück und ich fing an, meine Knochen zu bemerken. Daher griff ich mir kurzerhand die unschuldigen Katzenbabies, welche in einem Kasten neben meinem Bett schliefen. Ach, was sind die doch allerliebst! So friedlich und flauschig! Dieses friedliche Bild wollte ich direkt in meinem Bett haben, denn es war lästig, die ganze Zeit gebeugt über den Bettrand zu kauern! Ich griff sie mir alle auf einmal und hob sie auf meine Decke. Ihre kleinen Ohren spitzten sich und sie rissen erschrocken die Augen auf. Nachdem sie den ersten Schreck überwunden hatten, miauten sie ganz fürchterlich nach ihrer Mutter. Diese hob nur ihren Kopf, schlich um das Bett, miaute auch, aber tonlos und legte sich wieder zum Schlafen. Das nenne ich Vertrauen! Sie wusste also, dass ich sie nicht aufessen würde! Gute Emma!
Interessant bei meinen Beobachtungen ist immer wieder, dass kleine Kater bei Weitem die ängstlicheren sind als die Missis. Zitternd und schreiend suchen sie ständig nach der Frau, die ihnen das Leben schenkt - und später nach der Frau, der sie Leben schenken können! Und in der ganzen Zeit lag das kleine Mädchen ganz gechillt neben mir und leckte sich ihre Minipfötchen. Fragt sich mal wieder, wer in Wirklichkeit das starke Geschlecht ist!
Aber, so flauschig die kleinen Racker auch aussehen, ihre kleinen Krallen sind doch erheblich schärfer und spitzer als gedacht! Ich ließ sie, nachdem sie sich mit der Situation einigermaßen abgefunden hatten, auf meinen Armen und Bauch herumtapsen und erhoffte mir ein Kuscheltiereffekt. Leider erfüllte sich das nicht so ganz und sie krallten und hakten sich vorsorglich ziemlich grauenvoll in mein Fleisch. Von wohligen Gefühlen war da keine Rede mehr, aber ich war doch zu neugierig, um sie daran zu hindern. Was würden sie tun? Sie schnüffelten und suchten nach ihrer Mama und nach Fressbaren, denn hier und da bissen sie mir mit den kleinen spitzen Zähnchen in die Finger, die sie eigentlich streichelten. Wie undankbar! Wissen die denn nicht mehr, wer ihnen mit auf die Welt geholfen hat? Mein Mund spitzte sich und ich zog die Stirn kraus. Bei den ersten Malen zog ich meine Hände erschreckt zurück. Aha, die kleinen Fellbeutel sind wehrhafter als ich annahm! Aber wirklich weh tat es dann doch nicht. Sie wuselten unter der Bettdecke herum, krallten sich dort in meine Beine und hangelten sich nach unten. Jetzt war ich es, die tonlos schrie! Meine Güte, konnten sie nicht ein bisschen vorsichtiger sein? Wollten sie eben nicht! Wer neugierig ist muss eben leiden!
Nach einiger Zeit fühlten sie sich viel sicherer, ihre Mama sprach im kontrollierendem Vorbeischauen hier und da ein beruhigendes Machtwort zu ihnen. Sie fingen daraufhin an, sich zu balgen. Das muss man gesehen haben! Da geht es richtig zur Sache! Die kleinen Mäuler wurden aufgerissen und ihre spitzen Krallen in den viel zu großen Pfötchen schlugen sich gegenseitig ins Fell, egal ob da gerade ein Auge war oder nicht. Jetzt weiß ich auch, warum die manchmal eins ihrer Augen am nächsten Tag nicht mehr öffnen können, die sind einfach lediert vom Krieg spielen!
Neben und auf meinem nackten Arm hatten sie ihre Kampfarena angelegt und tobten, was das Zeug hielt. An den Schmerz hatte ich mich mittlerweile gewöhnt und viele kleine Kratzspuren zeugen jetzt davon. Wie sehe ich bloß aus? Ich will heute Nachmittag zu einem klassischen Konzert und trage da mein kurzärmliges Kleid! Wer weiß, was die Leute da wohl denken werden!
Endlich, nach einiger Zeit setzte bei den Katzenkindern die Müdigkeit ein und sie ließen sich neben meinem Arm, der ihnen nun schon vertraut war, fallen. Ein kitzelndes machte sich auf meinem Arm überall breit. Drei minikleine Katzenzungen, noch gar nicht rau, fingen an, mich zärtlich zu putzen, ganz so, als würden sie meine Wunden lecken! Ich war ganz gerührt! Wie praktisch, der Arm war nach einer Weile vollständig gewaschen! Das war ja praktisch! Sie müssten nur noch den Rest putzen und schon bräuchte ich keine Morgen- besser Mittagswäsche mehr! Vielleicht sollte ich sie darauf abrichten? Es würde mich Wasser und Anstrengung sparen und eigentlich wäre es sogar biologisch abbaubar. Und sie hätten das Futter verdient, was ich ihrer Mutter täglich spende. Ein Kreislauf der Natur, den ich erfunden habe!! Ich werde das beim nächsten Energiesparprojekt einreichen! Von dem Gewinn kaufe ich mir einen modernen Badetempel! Ja, das mache ich!
In diesem Sinne: Guten Morgen Deutschland, Berlin und Outback von Meck/Pomm!!!!!

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Mittwoch, 2. Mai 2012
Umleitung
Ich bin eine gute Autofahrerin, behaupte ich mal! Und nach mehr als zwanzig Jahren habe ich auch ein Raumgefühl bekommen und verfahre mich nur noch selten. Früher war das anders, da saßen meine noch sehr kleinen Kinder stocksteif hinter und neben mir und durften kaum reden, weil ich mich so konzentrieren musste, damit ich keinen Unfall baue. Ich hatte Angst vor allem! Sie haben das Autofahren gehasst. Als die Grenze geöffnet wurde, gab es kaum Wegweiser für den Osten und weil ich in West-Berlin lebte, musste ich da oft durch. Die Karten stimmten nie und ich brauchte sowieso eine Weile, um sie zu entziffern. Das hatte ich zwar gelernt, doch je nach Alter des Kartenmaterials im Vergleich zu den Straßenschildern befand ich mich zuweilen in ausweglosen Situationen, bis zwei Meter vor Abgründen von Steinbrüchen, wo eigentlich eine Straße sein müsste. Da erst wurde mir bewusst, was Dunkelheit eigentlich bedeutete. In der Stadt ein ewig roter Schirm, der nichts wirklich dunkel werden ließ. Aber in der Finsternis der Nacht im Ostland, ohne Laternen, da war alles pechschwarz! Man sah gar nichts mehr! Nur meinem spät einsetzenden Instinkt ist es zu verdanken, dass ich heute noch diese Zeilen schreiben kann.
In der Zwischenzeit hatten meine Kinder lernen müssen, wie man Karten liest. Meist saßen sie mit Angstschweiß neben mir und sagten mir mehr oder weniger richtig an, wie ich zu fahren habe. Meist zu spät! Keiner hat sich darum gerissen, neben mir zu sitzen, denn ich konnte sehr ungnädig sein. Das tut mir heute leid, hilft aber nicht mehr! Aber ich hatte einfach Angst, immer zu spät zu kommen, weil ich mich ständig verfuhr und was ich aber dann doch kam. Es war ein ewiges Gegurke um die verpassten Abfahrten und Straßenkreuzungen, wenn ich in fremdes Land fuhr. Das konnte schon hinter meiner Wohnung beginnen! Hatte ich aber eine Strecke auf meiner geistigen Festplatte abgelegt, war ich eine begnadete Fahrerin, die sich schon einmal aufregen konnte, wenn andere langsam suchend vor mir herfuhren. Da hatte ich kein Verständnis!
Doch dann bekam ich ein Auto, was die wunderbarste Erfindung mit sich brachte, ein Navigationsgerät! Die beste Errungenschaft meiner Autozeit! Ich musste nun nicht mehr Kartenlesen, das Ding machte das für mich und auch keine Stehenbleiben, um Passanten zu fragen, wie ich wo hinkomme. An der nächsten Kreuzung blieb ich sowieso wieder stehen, um erneut zu fragen. Ich konnte mir nichts merken, egal wie ich mich anstrengte. Da konnten die Fahrten schon mal die dreifache Zeit bedeuten! Doch mit dem Navi fühlte ich mich so frei und sicher, und wenn es mich fehlleitete, konnte ich ihm die Schuld geben! Kein Ziel war mir mehr zu kompliziert. Wenn man mir am Telefon einen Weg erklären wollte, winkte ich einfach ab und erklärte breit, wie eine Neureiche: „Kein Problem, ich habe ja ein Navi!“ MEin Grinsen sah man dabei nicht! Tja, Hochmut kommt vor dem Fall! Jaja! Alles blieb wunderbar, bis, ja bis man mir eben dieses Auto klaute. Und mit dem Auto mein geliebtes Navi! Mein Schock und Verzweiflung über diesen Verlust waren riesig! Fassungslos musste ich mich ergeben! Frei nach dem Spruch: "Wen der Herr liebt, den prüft er!" Er muss mich scheinbar sehr lieben! Immer und überall! Aber ich bin trotzdem sauer! Das bedeutete nichts anderes als: Back to the Rooths! Navifrei!
Ich fahre nun mit meinem „neuen“ Auto ohne Navi weiterhin sehr häufig ins Outback von Mack/Pomm und die Strecke kenne ich gottseidank wie meine Westentasche. Am vergangenen Wochenende war ich wieder dort und kannte am Zielort alle verwunschenen Abfahrten der Autobahn. Mein gestohlenes Navi hatte sie mir noch gezeigt. Es war schon spät geworden und ich freute mich, endlich anzukommen. Müde, krank und ein wenig schlecht gelaunt fuhr ich von der Autobahn ab, folgte dem bekannten Straßen und Umleitungen und wähnte mich fast am Ziel. Doch auf einmal wurden meine Augen so groß wie Mühlenräder und ich musste versuchen, die riesige Kröte, die plötzlich in meinem Hals saß, zu schlucken!
Ich war wieder auf der Autobahn Richtung Berlin!
Wie, waaaaaas??? Wieso???? Neiiiiiiiin!!!!!! Ähm, das kann doch nicht wahr sein???!!!! Meine Gedanken überschlugen sich und suchten verzweifelte Lösungen! Doch nichts, gar nichts fiel mir ein. Meter führ Meter fuhr ich in die falsche Richtung und konnte nichts dagegen machen. Vielleicht auf der Autobahn drehen?? Nein, ausgeschlossen, die Leitplanken! Die Wuttränen standen mir schon in den Augen! Wo ist die nächste verdammte Ausfahrt? In zwanzig Kilometern erst….. Zwanzig Kilometer!!!!
Ich umklammerte das Lenkrad und biss fast hinein. Sämtliche Attribute, die ich hier nicht wiedergeben will, grölte ich in mein verständnisloses Auto. Doch niemand konnte mir helfen! Vierzig Kilometer fahren, nur um da wieder anzukommen, wo ich gerade eben war. Ich konnte es nicht fassen und meine Ohnmacht wich einer grenzenlosen Wut, die ich in der langen Zeit bis zum Ziel irgendwie wieder in den Griff kriegen musste.
Ich hab es nicht ganz geschafft und der Vorruheständler hat es aushalten müssen. Erst zwei Tage später konnte ich es ihm erzählen. Bis dahin musste ich mir erst wieder ein dickes Fell zu legen, um sein gemeines und dröhnendes Lachen zu ertragen.

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Freitag, 27. April 2012
Eigenbild und Fremdbild
Eigenbild und Fremdbild, würde der Vorruheständler sagen!!
Berlin, Schönhauser Allee, Freitagabend und ich mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Hause. "Rossmann" hat noch auf! Guter Gott, es gibt dich doch! Ich vergesse immer das Wichtigste und dann ist zu, hier nun nicht. Schnell habe ich das Gesuchte gefunden und möchte auch genauso schnell wieder weiter, doch kein Kassierer in Sicht. Klauen geht nicht, ich bin zu anständig. Also warte ich ungeduldig und nach kurzer Zeit höre ich hinter mir eine durchdringende flötende Stimme: "Also, wo sind hier nun die Tampons und die Kondome? Ich habe keine Lust sämtliche Regale zu durchforsten, das muss ich mir nicht geben!"
Augenblicklich drehe ich mich erstens amüsiert und zweitens sehr neugierig um und schaue auf eine Mittvierzigerin, schlank und ganz und gar in kreischend grellbunte Filzklamotten der unmöglichsten Art gekleidet. Nicht nur die Farben, sondern auch die Formen waren zum Schreien komisch, jedenfalls für meine spießbürgerlichen Vorstellungen. Aber zur Abrundung des Theaterlooks ragte aus dem Kragen ihrer futuristischen Jacke ein langer Hals mit einem genauso grell geschminkten Kopf, der umhüllt war von meterlangen braunen Rastalocken, die wirr durcheinander hingen.
Sie stolzierte nach ihrem kurzen und sehr lauten Auftreten theaterwürdig hinaus auf die belebte Straße. Der Verkäufer und ich lachten ihr hinterher. Ich meinte: "Wie kann man nur so herumlaufen, das ist ja unglaublich! Aber wenigstens wird es ihnen bei einem solchen Publikum nicht langweilig. Ein Farbfleck für den Alltag, gell?", und lachte ihn amüsiert an. "Ich würde mich nicht trauen, so skurril herum zu laufen!"
Er nickte merkwürdig verhalten und meinte dann dasselbe.
Ich bezahlte und auf dem Weg nach Draußen erhaschte ich noch einen prüfenden Blick in den Spiegel des Geschäfts. Oh mein Gott!!! Arrrrg!
Es sprang mir mein eigenes Abbild entgegen, auf das ich nicht gefasst war. Meine Frisur hatte sich durch den Gegenwind fast aufgelöst und hing wie verwirrte Spaghetti um meinen Kopf herum, mein Gesicht war immer noch krebsrot und vom Herrichten am Morgen war nichts, aber auch gar nichts mehr übrig. Ich sah aus wie eine grauenvolle Vogelscheuche, mit einer hässlichen Altfrauensteppjacke, die noch dazu ein großes Loch zierte, vom schwarzen Tier und seinen Zähnen, und war unten sogar noch schlammig, auch vom schwarzen Tier und seinem Fell. An das Malheur hatte ich heute Morgen gar nicht mehr gedacht, weil ich schnell weg musste und mir irgendwas Anziehbares griff. Es war zu kalt für schöne Sachen.
Ich sollte lieber wieder Auto fahren, da habe ich einen Spiegel!
Der Verkäufer hatte heute zwei Farbflecke zu verkraften und ich schämte mich für mein Amusement im Geschäft.
Jaja, Eigenbild und Fremdbild!

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